Nachdem ich 10 Monate lang durch Neuseeland gereist bin, stand ich zwischen der Entscheidung, zwei Monate eher wieder nach Hause zu fliegen oder einfach weiterzureisen; in Nachbarländer (oder auf -kontinente), die umliegenden Inselgruppen zu entdecken und die restlichen Wochen zu genießen. Natürlich fiel die Wahl dabei auf Letzteres, woraufhin ich während meiner letzten Tage in Neuseeland ein Visum für Australien beantragte, dieses wenig später auch bekam und direkt einen Flug nach Sydney und anschließend nach Cairns buchte. Und ich konnte es kaum erwarten.

Von Auckland an die Ostküste Australiens – eigentlich nur ein Katzensprung

Nur 3 1/2 Stunden dauerte der Flug von Auckland nach Sydney, ziemlich angenehm, vor allem wenn man von jeglichen Turbulenzen verschont und während des Fluges von der aufgehenden Sonne begrüßt wird. Obwohl mein Tag bereits um 3 Uhr begonnen hatte, war ich hellwach, total aufgeregt und fragte mich beim Blick aus dem Fenster auf die tasmanische See, wie es wohl sein würde, das erste Mal einen Fuß auf australischen Boden zu setzen.

Bis es aber soweit war, musste ich am Flughafen in Sydney erneut einchecken, mein Gepäck abgeben und einige Zeit auf meinen Anschlussflug nach Cairns warten. Schließlich verbrachte ich weitere 3 Stunden in einem restlos ausgebuchten Flugzeug, bis ich endlich im sonnigen Cairns landete und freute mich umso mehr, dem verregneten, kalten Winter in Neuseeland entkommen und endlich wieder umgeben von Palmen zu sein.

Eigentlich trennen Neuseeland und Australien nur knapp 3600 km, da es aber zur Zeit, als ich gebucht hatte, keinen Direktflug von Auckland nach Cairns gab, war ich geschlagene 12 Stunden unterwegs und einfach nur froh, endlich angekommen zu sein. Nach einer Nacht in einem mittelmäßigen aber nicht allzu ungemütlichen Hostel, in der ich das erste Mal wirklich verstand, was australische Nächte ausmachen, nämlich unglaubliche Hitze und laute, undefinierbare wilde Tiergeräusche; stand die Abholung meines neuen Mietwagens auf dem Plan. Ein kleiner silberner Suzuki Alto, der irgendwo zwischen zerdellten Hundefängern auf einem großen, heruntergekommenen Gelände stand, sollte für die nächsten Tage mein neuer Begleiter werden.

Unter 21 hat man in Australien tatsächlich weitaus weniger Auswahl, was das Mieten von Autos angeht, da 21 eben leider als das Mindestalter dafür gilt. Findet man einen Anbieter der trotzdem an Jüngere vermietet, gegebenenfalls mit Jungfahrerzuschlag, hat man Glück, darf dann aber auch keinen Luxuswagen erwarten. Zumindest war es bei mir so. Und auch, wenn das Fahren mit diesem Wagen alles andere als angenehm war, blieb ich optimistisch, kaufte mir im Woolworths (der dem neuseeländischen Countdown einfach extrem ähnelt) eine halbe Melone, verlief mich erstmal, bekam ganz kurz Panik, suchte mein geparktes Auto eine halbe Stunde lang und machte mich dann schließlich auf den Weg Richtung Küste.

Irgendwie ein bisschen überwältigt von der tatsächlichen Größe des Landes wusste ich nicht recht, wo ich mit meinem Plan, die Ostküste abzufahren, überhaupt anfangen sollte. Auch, nachdem ich einmal durch das wunderschöne Palm Cove und noch weiter nach Port Douglas gefahren war, die vielen Palmen am Straßenrand und das blaue Wasser gesehen hatte, fühlte ich mich noch immer nicht wirklich wohl, irgendwie kopf- und planlos. Also machte ich mich auf den Weg zurück nach Cairns, um meine Gedanken zu sammeln und mir zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Genügend Zeit hatte ich in jedem Fall dafür, da sich zu allem Übel das Wetter mit jedem Tag verschlechterte.

Palm Cove
Rex Lookout

Das Hostel, für das ich mich diesmal entschieden hatte, war schonmal ein großes Update, auch, wenn ich mit vier schnarchenden Männern in einem stickigen Zimmer feststeckte. Aber daran hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Der Außenbereich war dafür umso schöner, es gab morgens frische Pancakes, Früchte und einen Pool. Von hier aus plante ich meine weitere Reise, verbrachte einen Tag auf Fitzroy Island, lief zum nächsten Reisebüro und buchte neben einer Tour zum Great Barrier Riff und einem Flug über das Riff, eine Ocean Rafting Tour zum „schönsten Strand Australiens“, dem Whitehaven Beach.

Fitzroy Island ist übrigens ein riesiger, zum Großteil mit Regenwald bedeckter Nationalpark und liegt nur 29 Kilometer süd-östlich von Cairns entfernt und ist somit per Schnellboot in knapp 45 Minuten zu erreichen. Rund um die tropische Insel gibt es viele Möglichkeiten, tauchen oder schnorcheln zu gehen, in jedem Fall sollte man sich vorher aber über die Gezeiten informieren, damit man nicht, so wie ich, bei Ebbe auf der Insel ankommt. Wenn man Glück hat, kann man dann nämlich sogar große Wasserschildkröten beobachten.

Innerhalb der nächsten Tage erholte ich mich nicht nur von meinem anfänglichen Kulturschock, sondern auch das Wetter wurde besser und ich konnte meine Zeit in Australien endlich richtig genießen.

Noch am selben Tag, an dem die Tour zum Great Barrier Reef stattfinden sollte, musste ich meinen nächsten Mietwagen abholen, den ich glücklicherweise (und durch eine Menge Recherche) für exakt 0$ ergattert hatte. Der Grund dafür: irgendwo an einem Punkt B (in meinem Fall war das Brisbane) wird dieser Wagen dringend gebraucht, weswegen der Vermieter nichts als die Versicherung für diesen „Transport“ verlangt. Für die Route hat man dann eine bestimmte Anzahl an Tagen Zeit und kann so viele Zwischenstopps einlegen, wie man möchte – eine Win-Win Situation also.

Vom Autoverleih (der diesmal übrigens um einiges gepflegter aussah), ging es in meinem neuen, grünen Toyota Tarago, voll ausgestattet mit Küche und Bett, zum Hafen, um pünktlich für die Tagestour einchecken zu können.

mein eher unaufälliges Leihauto

 

Mit Great Adventures zum Great Barrier Reef

Geplant war für’s Erste eine etwa dreistündige Fahrt zum äußeren Riff mit Zwischenstopp auf Green Island, um ein paar der Passagiere dort abzuladen. Dabei sollte einem durchaus bewusst sein, dass diese Fahrt alles andere als ruhig verläuft und ich, selbst nachdem ich etwas gegen Seekrankheit eingenommen hatte, noch immer Probleme hatte, mein Frühstück drin zu behalten. Das extreme Schaukeln des Bootes und die großen Wellen, über die man immer wieder hinwegfliegt, können einem schon ein bisschen Angst einjagen. Gekentert sind wir zum Glück dann aber doch nicht, für jemanden, der schwer seekrank wird oder panische Angst vor dem Ozean hat, ist diese Tour aber wahrscheinlich keine gute Wahl. Denn wie ich selbst feststellen musste, liegen zwischen einem gemütlichen Cruise entlang der Küste und einer 3-stündigen Fahrt auf dem offenen Meer Welten.

Angekommen auf einer Art überdachtem Steg (pontoon), wird man mit voller Schnorchelausrüstung und Wetsuit ausgestattet und kann sich dann rund um die Station frei bewegen. Der erste Schritt ins tiefe, kalte Wasser ist gruselig, immerhin ist man knapp 50 Kilometer vom Festland entfernt. Öffnet man dann aber das erste Mal die Augen unter Wasser, dürfte sich auch die letzte Unsicherheit in Luft aufgelöst haben.

Ein buntes Labyrinth aus Korallen, Schwärmen von schillernden Fischen, leuchtenden Farben und bunten Anemonen. Niedliche Papageienfische, Riesenmuscheln, Quallen und eigenartig geformten Korallenriffe; ich glaube es gibt kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem so viele verschiedene Lebewesen aufeinander treffen. Kein Wunder also, dass das Riff als eine der artenreichsten Regionen der Welt gilt.

Es ist unvorstellbar, wie riesig das Great Barrier Reef eigentlich ist. 2300 Kilometer ist es lang, das entspricht der Strecke von Amsterdam nach Moskau, von Oslo nach Florenz oder von Köln nach Istandbul. Mehr als 1500 verschiedene Fischarten, mehr als viertausend Weichtierarten und 300 Korallenarten leben hier; und das macht das Great Barrier Reef zum größten lebenden Organismus unseres Planeten.

eine Riesenmuschel (Giant Clam)

Der bittere Beigeschmack

Und obwohl das Riff auf den ersten Blick einen gesunden Eindruck macht, muss man bei der ganzen Sache bedenken, dass wir drei Stunden auf dem offenen Meer zurücklegen mussten, um an unser Ziel, das Airlington Reef zu gelangen, eines der wenigen äußeren Teile des Riffs, dass dem coral bleaching noch nicht komplett zum Opfer gefallen ist.

Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann:

Die globale Erwärmung und somit der Anstieg der Wassertemperatur der Meere sowie zunehmende Luft- und Wasserverschmutzung tragen dazu bei, dass die Korallen die in ihren Geweben lebenden Algen abstoßen. Das Fehlen dieser Algen, die sonst erst für die bunten Farben der Korallen verantwortlich sind, endet darin, dass die Korallen als weißes, durchsichtiges Skelett zurückbleiben. Damit sind sie zwar nicht tot, leiden aber unter enormem Stress und sind somit weitaus anfälliger für Krankheiten, von denen sie sich dann oftmals nicht wieder erholen.

 

Was kann ich selbst dagegen tun, als winziger Teil des großen Ganzen?

Bereits mehr als die Hälfte des Great Barrier Reefs ist bereits verblichen; die Zeit, die den Korallen zur Erholung übrig bleibt, wird immer geringer. Und es tut weh, diese Worte auch nur zu schreiben, besonders, wenn man das Riff selbst gesehen und erlebt hat. Und ja, der Klimawandel ist tatsächlich real, auch, wenn wir in Deutschland davon vielleicht nicht ganz so viel mitbekommen.

Natürlich ist es nicht förderlich, mit dem Boot auf’s Meer zu fahren, um wenige Stunden zu schnorcheln. Gleichzeitig möchte man sich eines der größten Naturwunder aber auch nicht entgehen lassen und daran sehe ich auch nichts verwerfliches, solange man im Alltag die richtigen Entscheidungen trifft.

Das Problem muss an der Wurzel angepackt werden, das wissen wir alle. Und jeder einzelne von uns kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, sowohl im Alltag, als auch auf Reisen: Korallenfreundliche Sonnenschutzmittel, der Verzicht auf den Plastikstrohhalm im Cocktail oder die Unterstützung ökologischer Hotels statt welcher, die ihre Abwässer und ihren Müll direkt ins Meer entsorgen.

Alleine kann man nicht viel bezwecken, es würde aber einen gewaltigen Unterschied machen, wenn jeder von uns jeden Tag eine kleine Sache mehr zum Schutz unserer Umwelt beiträgt.

 

Gemischte Gefühle

Mir auch vorher durchaus bewusst, dass der Klimawandel ein echtes Problem darstellt. Der Trip zum Riff hat mir dabei aber noch einmal die Augen geöffnet und mir vorgeführt, wie wichtig es ist, zu versuchen, den eigenen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Es ist verrückt, welche Auswirkungen unsere Lebensweise auf die Natur hat und wie leichtsinnig wir mit unserer Erde umgehen.

„Always remember: there is no planet B.“

Das Great Barrier Reef ist einer der schönsten, vielfältigsten und lebendigsten Orte der Welt und gehört für mich definitiv auf die Liste der schönsten Sehenswürdigkeiten Australiens. Ich kann jedem, der die Möglichkeit dazu hat, empfehlen, diese Erfahrung zu machen, dabei aber natürlich immer darauf zu achten, so gut es eben geht, umweltfreundliche Entscheidungen zu treffen.

Meine Unterwasseraufnahmen habe ich übrigens mit diesem Teil gemacht: https://www.bivouac.co.nz/gear/travel-and-urban/camera-bags-and-tripods/aquapac-slr-camera-case.html

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