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Der Kulturschock, der nicht richtig vorrübergehen wollte…

Um nach Airlie Beach zu gelangen, dem Ausgangspunkt für fast alle Touren zu den Whitsundays, musste ich erst knapp 400 Kilometer weit nach Townsville fahren und dort über Nacht einen Zwischenstopp einlegen. Geschlafen habe ich nicht, da ich mich für einen dreckigen Stellplatz vor einem alten Hostel entschieden hatte, wo nicht nur bereits die Fassade bröckelte, sondern anscheinend auch eine Reihe von Junkies wohnten, die keinen Schlaf brauchten. Umso glücklicher war ich, als ich früh morgens endlich weiterfahren konnte, auch, wenn ich mich immer noch nicht so richtig an den Kulturschock in Australien gewöhnt hatte. Irgendwie war doch alles ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Wenigstens eine Sache entsprach aber genau meiner Vorstellung von Australien, nämlich die unendlich langen, menschenleeren Straßen, auf denen ich einen Großteil der Zeit unterwegs war. Hier und da mal ein Känguru, Warnschilder, die das Baden wegen Krokodilen in Flüssen verbieten und weit und breit nichts weiter als roter Sand und kahle Bäume. Weitere 400 Kilometer und knapp 5 Stunden später kam ich dann endlich in Airlie Beach an, wo ich diesmal ein schönes Hostelzimmer gebucht hatte.

Das auf den ersten Blick auch völlig sauber und ordentlich aussah, als ich aber am nächsten Morgen in den Spiegel schaute und von riesigen, roten Bissen überall an meinem Körper überrascht wurde, war mir klar, dass ich mir in dieser Nacht die bei Backpackern so gefürchteten Bettwanzen eingefangen hatte. Was für ein Glück aber auch.

Natürlich suchte ich das Bett panisch nach Wanzen ab, drehte die Matratze und stellte das Zimmer einmal auf den Kopf, nur um festzustellen, dass alles sauber war. Der einzige Ort, der außer dem Hostelzimmer noch in Frage kam, war mein Auto, wo ich wenig später tatsächlich Häutungsreste und Eier einer Bettwanze fand und mich fast zu Tode ekelte. Gott sei Dank hatte ich aber in dieser einen Nacht, die ich im Van geschlafen hatte, meinen Koffer geschlossen und musste also nichts Schlimmeres befürchten.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich sowieso nicht, da ich den Shuttle zum Flughafen bekommen musste, den ich dann tatsächlich auch fast verpasste weil ich an der falschen Haltestelle gewartet hatte; saß aber letztendlich dann im richtigen Bus und konnte nach diesem chaotischen Start endlich durchatmen.

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Scenic Flight über die Whitsundays und das Great Barrier Reef

Am Flughafen angekommen, darf man dann nach einem Sicherheits-Briefing und ausgestattet mit einem Gewichts-Bändchen im kleinen Flugzeug, auf dem einem zugeteilten Sitz, Platz nehmen. Das Modell, mit dem wir geflogen sind, war ein kleineres Buschflugzeug, in das aber immerhin 6 Passagiere und ein Pilot passen. Mit einer Reisegeschwindigkeit von über 200 km/h ist es gar nicht mal so langsam und schon beim Start merkte man, wie viel Kraft in diesem kleinn Flieger steckte. Ziemlich wackelig bewegten wir uns Richtung Himmel, als das Flugzeug aber auf seiner maximalen Reisehöhe von knapp 3000 Metern angekommen war, wurde es angenehm ruhig und man konnte den Flug über das Riff und die Whitsundays einfach nur genießen.

der kleine Flughafen in Airlie Beach – mitten im Nirgendwo

Während des 60-minütigen Fluges konnte man, neben unzähligen Inseln und versteckten Buchten, den kilometerlangen Whitehaven Beach und nach kurzer Zeit schon in der Ferne den Beginn des Great Barrier Reefs erkennen. Eins der wahrscheinlich schönsten Dinge, die ich jemals gesehen habe.

das gigantische Great Barrier Reef

Vorbei am Whitehaven Beach ging es zuerst einmal Richtung Hill Inlet, einem Strudel aus weißem Sand und türkisfarbenem Wasser; immer weiter Richtung Riff, wo das Flugzeug dann für einige Zeit über das riesige, labyrinthartige Great Barrier Reef kreiste.

der Whitehaven Beach – sieben Kilometer weißer Sand

So hatte man die Möglichkeit, das Riff aus allen vorstellbaren Winkeln zu bestaunen und wurde sich der eigentlichen Größe erst einmal bewusst, die das Great Barrier Reef eigentlich einnimt. Es ist gewaltig, beeindruckend und wunderschön. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

unschwer zu erkennen: das Heart-Reef

ohne Worte, einfach wunderschön.

Auch die Windböe, die das Flugzeug auf dem Rückweg erfasste und uns alle kurz aus den Sitzen hob, konnte mich nicht mehr beeindrucken. Auch wenn ich kurz dachte, ich muss sterben.

der Moment, bevor wir von einer starken Sturmböe erfasst wurden

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Ocean Rafting zum Whitehaven Beach

Nach der Landung, die glatter ablief, als gedacht, und der nächsten Tour lagen knapp 5 Minuten. Danach wurden wir mit einem Shuttle zum Hafen von Airlie Beach gebracht, wo bereits ein großes, gelbes, überdachtes Gummiboot bereitstand, dass uns mit über 70 km/h zum Whitehaven Beach befördern sollte. Auch dieser Trip war wieder etwas ruckelig und ziemlich flott, aber noch lange nicht so schlimm wie der zum Schnorcheln am Great Barrier Reef.

Wenigstens war die Crew nett, stellte sicher, dass es allen gut ging (Nein, ging es uns nicht) und erklärte viele interessante Dinge über die Whitsundays, an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann.

90 Minuten ist man unterwegs, bevor das Boot am 7 Kilometer langen Whitehaven Beach anlegt. Der Sand war ungewöhnlich weiß und fühlte sich ‚quietschig‘ an, fast wie Mehl unter den Füßen. Im Nachhinein weiß ich, dass das an seinem Quarzgehalt von nahezu 99 % liegt und der Strand damit als einer der weißesten der Welt gilt.

dicke rote Wanzenbisse überall – sehr ästethisch

Bewaffnet mit Sonnenbrille und einem Handtuch wanderte ich durch das warme Wasser, entlang am traumhaften Strand und genoss das schöne Wetter, bevor es mit dem Gummiboot zum nächsten Spot ging, dem Hill Inlet.

Eine kurze Wanderung durch den Busch führte zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die volle Schönheit des Inlets bewundern konnte. Selbst die umliegenden Inseln und die kleinen Stachelrochen im flachen Wasser konnte man beobachten – wenn das nicht das Paradies ist, dann weiß ich auch nicht.

Glück gehabt: bei Flut verschwindet der weiße Sand völlig im Meer

Leider war das dann auch der letzte Stopp der Tour, bevor es wieder zurück Richtung Airlie Beach ging, worüber ich wirklich ein bisschen traurig war. So viel an einem Tag sehen zu können war toll und die Tour, die ich gemacht habe, absolut empfehlenswert. Der Kulturschock war weg und ich einfach nur begeistert von der Schönheit Australiens, total gespannt auf das, was ich davon noch sehen würde.

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