Elefantenhintern, mein erstes eigenes Auto und grausige Funde – 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟒 (Teil 2)

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Da der Beitrag etwas länger geworden ist, als geplant, hier eine kleine Übersicht der Themen. Nur für den Fall, dass euch nicht alles interessiert (was ich mir überhaupt gar nicht vorstellen kann 😅).

#1 Autokauf
#2 Auckland Zoo
#3 Leon’s erster Geburtstag
#4 Aufräumaktion und erste Probleme mit dem neuen Auto

Warum gerade Neuseeland?

Deutlich besser als die Jobsuche verlief die Suche nach einem passenden Auto. Schon in Deutschland habe ich mir sämtliche Campervans angeschaut, wobei viele davon aber viel zu teuer für mich allein gewesen wären, der Rest komplett abgerockt und raparierbedürftig und noch dazu potthässlich. Nur eins hat mir komplett zugesagt, ein Toyota LiteAce, Baujahr 1993, und das sowohl vom Aussehen und von der ‚Einrichtung‘ her, als auch vom Preis, der stimmte.  Nachdem ich mit dem Verkäufer, der zu meinem Glück auch noch deutsch war, einen Treffpunkt und eine Zeit ausgemacht hatte (sogar noch an meinem Geburtstag) um mal ein Auge auf das gute Stück zu werfen, habe ich mich in dem Moment, in dem ich es das erste Mal live gesehen habe, schockverliebt. Auch nach meiner ersten Probefahrt, die zugegebenermaßen etwas unkontrolliert ablief (mit links zu schalten sieht nämlich viel einfacher aus, als es ist), war ich mir sicher: das wird es sein, mein erstes eigenes Auto. An diesem Tag, an dem ich das Auto zum ersten Mal gesehen habe, habe ich dem Verkäufer die Hand darauf gegeben, es zu kaufen.

 

Es dauerte nicht lange, da wurde mir meine rosarote Brille abgenommen. Als er mir gesagt hat, dass er mit dem Auto noch den Norden der Nordinsel bereisen wollte und es danach wahrscheinlich nicht nur noch ein paar Kilometer mehr auf dem Buckel haben wird, sondern ich es auch erst 10 Tage später als geplant überreicht bekommen würde, kamen bei mir erste Zweifel auf. Geblendet von der Schönheit und des anscheinend guten Zustands des Autos habe ich auch dem zugestimmt. Auf den Kauf haben wir dann gemeinsam ein Bier getrunken (er nimmt es wahrscheinlich nicht so ernst, dass man hier bis zum Alter von 21 Jahren nur mit 0 Promille ins Auto steigen darf) und ich bin glücklich und zufrieden mit der Bahn nach Hause gefahren, mit dem Gedanken im Kopf, mir das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt gemacht zu haben: mein erstes eigenes Auto. ☺️ Dass sich später herausstellte, wie ungepflegt und kaputt die Blechkiste war und wie viel Arbeit ich hinein stecken müssen würde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, denn das musste ich (leider) mit der Zeit selbst herausfinden.

Warum gerade Neuseeland?

In den Tagen, in denen ich auf mein Auto gewartet habe, um es noch einmal zu putzen und fertig zum Start zu machen um dann meine Reise endlich zu beginnen, habe ich die Zeit genutzt, um mir noch ein paar Dinge in Auckland anzuschauen, die mich interessiert haben. Dazu gehörte auf jeden Fall der Zoo, der zwar den Leipziger Zoo nicht übertreffen konnte, aber doch ganz schön war und mir vor allem die Möglichkeit geboten hat, das erste Mal in meinem Leben einen Kiwi zu sehen. Yay! Das Bild ist zwar nicht das beste, eigentlich ist es kompletter Müll, aber man kann das süße, flauschige Etwas doch ganz gut erkennen und für ein Bild, was in kompletter Dunkelheit gemacht wurde (Kiwis sind nachtaktiv), ist es ein Meisterwerk. 😁

Trotz dass der Zoo sehr schlecht ausgeschildert ist, und man eher einfach irgendwo landet, anstatt den Zoobesuch richtig planen zu können, haben wir doch alles gesehen, was wir sehen wollten, inklusive dem Tasmanischen Teufel, den Wallabys und den unglaublich fotogenen Löwen, die geposed haben, wie Models. Komischerweise habe ich beim aussortieren der Bilder gemerkt, wie viele Tiere mir eigentlich nur ihren Hintern präsentiert haben, weswegen ich hier neben den üblichen Zoo-Schnappschüssen auch eine kleine Arsch-Bilderreihe für euch habe: (Ja, der Vogel hat mir ungefähr 3 Sekunden später vor die Füße gekackt.)


 


 

Warum gerade Neuseeland?

Nachdem wir noch ein paar weitere Tage damit verbracht haben, am Strand die Sonne zu genießen, das ein oder andere weitere Eis zu essen und zum Schluss schon unsere Hosenknöpfe aufmachen mussten, weil wir während der letzten 3 Wochen gefühlt 5 Kilo zugenommen haben, stand der erste Geburtstag von Kristins kleinem Sohn Leon an und der sollte natürlich anständig gefeiert werden. Und da (wer mich kennt, weiß es) Partyplanungen, Dekoration und Backen mein absolutes Spezialgebiet sind, den wird es nicht wundern, dass ich bereits über eine Woche vorher genaue Vorstellungen hatte, wie die Geburtstagsparty(s) des Kleinen aussehen sollten, von den passenden Farben bis hin zur Gestaltung. Da alle Beteiligten (also seine Eltern 😁) mit meinen Plänen einverstanden waren, konnten die Vorbereitungen losgehen und ihr macht euch kein Bild, wie viel Arbeit wir in die Dekoration, (die wir alle zusammen 3 Abende lang gebastelt, gefaltet und geklebt haben und zum Schluss jeder seine ganz bestimmte Aufgabe in unserer Bastelstraße zugeteilt bekommen hatte) und in die Vorbereitung der Kuchen gesteckt haben. Da es zwei Partys geben sollte, eine am Tag seines Geburtstags und eine am Sonntag darauf, mussten wir zwei Mal backen, und das auch noch zuckerfrei. Letztendlich haben wir uns aber so perfekt ergänzt, dass am Ende super leckere Brownies, Kekse und andere Leckereien dabei heraus gekommen sind und wir nach dem Stress der letzten Tage endlich auch Ergebnisse sehen konnten. Letztendlich haben wir viel Lob eingeheimst, Leon hatte super viel Spaß und ist am Ende des Tages todmüde und zufrieden eingeschlafen. Mission completed, würde ich mal sagen.

Es war schön, bei so einem großen Ereignis, wie dem ersten Geburtstag, dabei gewesen sein zu können und mithelfen zu können, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat und vor allem das Gefühl gegeben hat, etwas beigetragen zu haben. Und das ist nur eine Sache, für die ich während dieser ersten drei Wochen sehr dankbar gewesen bin. Angefangen überhaupt von der Möglichkeit, eine Zeit lang in Onehunga wohnen zu dürfen, über den unbestreitbaren Fakt, dass ich während dieser Zeit ein Teil der Familie gewesen bin und mir vertraut wurde, auch was das Baby angeht, bis hin dazu, dass ich einfach sehr dankbar dafür bin, dass mir das „Einleben“ so einfach und schön gemacht wurde, da wir so viel Spaß zusammen hatten und es mir schlussendlich schwer gefallen ist, einfach zu gehen und mich alleine auf Reisen zu begeben.

Warum gerade Neuseeland?

Bevor es aber überhaupt Zeit für den Abschied war, stand noch eine einzige Sache an. Die Jobsache hatte ich inzwischen abgehakt und habe einfach für mich entschieden, so lange zu reisen, bis sich mein Geld langsam dem Ende zuneigt, also hat mich nur noch eine Sache davon abgehalten, endlich zu starten: das für-die-Abfahrt-bereit-machen von Betty, meinem Campervan und ersten eigenen Auto.

Von außen einen ganz soliden Eindruck machend, (ein paar kleine Dellen und Kratzer gehören zu einem 25 Jahre alten Van einfach dazu) hat mich beim genauen Hinschauen ins Innere fast der Schlag getroffen. Aus dem anfänglichen Plan, Betty einfach etwas aus zu saugen und nur einen neuen Bettbezug zu kaufen, wurde nichts, denn letztendlich habe ich das ganze Ding renovieren müssen. Und zwar von vorne bis hinten. Hier einmal die 5 stündige Aufräumaktion kurz zusammengefasst:

Ich bin

  1. zur Tankstelle gefahren, um das muffige Ding zu saugen und von jeglichem Dreck zu befreien (natürlich mit dem Geruch „new car“)
  2. zum Warehouse gefahren, um mir Ekelblasen und das Einfangen von irgendwelchen Krankheiten zu ersparen, die ich beim genaueren inspizieren des Bettes befürchten musste und um Matratzenschoner, Bettbezug, Kissen und Decke zu kaufen
  3. fast durchgedreht, als ich gesehen habe, wie dreckig und verstaubt das ganze Geschirr gewesen ist, was ich somit alles per Hand noch einmal aufwaschen musste
  4. zum Schluss mit gefühlt 12 Müllsäcken nach Hause gekommen
  5. Volltanken gefahren um das Ganze abzurunden und meine Generalüberholung nach 5 Stunden endlich zu beenden (natürlich war der Tank auch leer, als ich das gute Stück bekommen habe)

Und hier noch ein paar Fun-Facts:

Der Verkäufer hat sich 3 Stunden verspätet, mit der Entschuldigung, er hätte das Auto noch sauber gemacht, damit ich gleich los kann. Der Blitz soll ihn treffen.

Ich habe Dinge gefunden, die niemand gerne in der Hand halten will, nachdem er ein Auto für über 4000 Dollar gekauft hat. Meine Top 3 dabei waren: ein benutztes Taschentuch, eine einzelne Socke und ein Milchzahn. (oder zwei?) Und nein, das ist nicht normal, auch wenn zwei Jungs in dem Van gewohnt haben. Und nein, ich bin auch nicht pingelig was sowas angeht, aber das ging echt zu weit. Damit ihr mir auch glaubt, hier ein paar kleine Einblicke. Vergleicht die Bilder auch gerne mal damit, was mir und allen anderen potenziellen Käufern, „versprochen“ wurde. Mahlzeit.

Eine Woche später musste ich feststellen, dass mein Vorgänger es nicht für nötig gehalten hat, die Dieselsteuer zu bezahlen, für dessen Nichtbesitz man eine Anzeige kassieren kann und danach nie wieder nach Neuseeland einreisen darf. Was darauf hinaus gelaufen ist, dass ich 7000 km aufkaufen musste, um alles wieder auf den neuesten und legalen Stand zu bringen und mich noch mit meinem Verkäufer anlegen musste, weil ich meine 250 Dollar gerne wieder haben wollte, die ich für ihn zahlen durfte. (inklusive Drohung mit der Polizei)

Ein paar Tage darauf habe ich eine unbezahlte Rechnung von 200 Dollar gefunden und ihm erneut mit der Polizei gedroht. Und weil ich noch nicht genug hatte, habe ich kurz darauf eine Nachricht bekommen, ich solle doch die Mautgebühr, die für die Benutzung des Highways anfällt, endlich zahlen. Da ich aber nur bis zur 2 km entfernten Tankstelle und zurück gefahren bin und ich eher unwahrscheinlich dafür aus versehen den Highway benutzt habe, war auch das das Vergehen des Typen, mit dem ich mittlerweile in sehr engem Kontakt stand.

Glücklich darüber, in den Folgetagen weder offene Rechnungen, noch weitere Teile des menschlichen Gebisses gefunden zu haben und mir gleichzeitig sicher war, dem Typen seine Zähne wieder zurück in den Mund zu stecken, wenn ich ihn jemals wieder sehen würde, konnte ich mich endlich auf die Reise begeben. Leider hielt mein Glück aber nicht lange an und ich musste feststellen, dass das Auto nicht nur völlig schäbig hinterlassen wurde, sondern auch noch ganz andere Probleme hatte, die mir später noch den größten Spaß beschert haben. Es wird ein Stück dauern, bis ich meine Betty wieder so hergerichtet habe, wie ich es gerne haben will und wie sie es verdient, trotzdem habe ich innerhalb weniger Stunden aus einem Wrack ein nach Kirsche duftendes, gemütliches Zuhause gezaubert, das, mit der nötigen fehlenden Dekoration und ein paar Feinschliffen, ein wunderschönes Haus auf Rädern für mich abgeben wird. Trotz der schlechten Erfahrung mit dem Käufer bin ich froh, dieses Auto gekauft zu haben und ich werde es zu meinem Eigenen machen und hoffentlich viele schöne Abenteuer damit erleben.

Was mich dann auf meinem ersten Roadtrip von Nord nach Süd noch so für Überraschungen erwartet haben und wie sich das Vanlife so lebt, erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag. Bis dahin,

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