Nach unserem Rafting-Abenteuer in Rotorua ging es für mich, während sich Helena und Anna auf den direkten Weg nach Tauranga machten, wo wir uns am Ende des Tages treffen wollten, ins kleine Örtchen Matamata, wo sich eins der berühmtesten Filmsets der Welt befindet – Hobbiton. Auf dem Weg dort hin legte ich noch einen kurzen Zwischenstopp in Putaruru ein, wo ich ein Stück des Weges entlang lief, der an einer unglaublich klaren, reinen Quelle entlangführte, aus der ca. 70% des gesamten neuseeländischen Flaschenwassers stammt.

Trotzdem konnte ich an nichts Anderes mehr denken, als endlich in Hobbiton an zu kommen und die kleinen Hobbithöhlen einmal mit eigenen Augen zu sehen und machte mich deshalb nach kurzer Zeit weiter auf den Weg nach Matamata. Und ich war echt hardcore aufgeregt. 😄 Irgendwo auf dem Land befand sich dann am Ende einer ziemlich kurvigen Straße ein riesiger Parkplatz, von dem aus die eigentlichen Touren zum Filmset starteten. Ein großer grüner Bus brachte uns zum Set, das tatsächlich zwischen unzähligen, grünen Hügeln lag, auf denen überall Schafe grasten. Schon allein die Fahrt ins Auenland war so schön, dass ich mich von Minute zu Minute mehr auf das Filmset freute.

Irgendwie wurde mir aber meine Vorfreude spätestens dann genommen, als mir klar wurde, wie riesig die Tourgruppe eigentlich war, mit der ich gemeinsam durch Hobbiton gehen würde. Aus dem Bus stiegen mindestens 40 Leute aus und bereits von Weitem konnte man den Nächsten ankommen sehen, der die bestimmt schon 5. Tourgruppe ablud. Bei dem Gedanken, gemeinsam mit 39 laut schnatternden Asiaten (nichts gegen Asiaten, aber ich war leider nun mal eine der einzigen Europäerinnen der Gruppe 😄) für zwei Stunden unterwegs zu sein, zerstörte meine Vorstellung vom idyllischen, friedlichen Hobbiton schon ein wenig und das Ganze fühlte sich gleich etwas weniger magisch und etwas mehr wie extremer Massentourismus und Kommerz an. Inmitten der hübschen kleinen Gärten bewegten sich große Horden von Menschen, die sich am Besten noch vor die Häuschen legten, um das perfekte Foto zu bekommen. Der größte Witz an der ganzen Sache war aber, dass, bei der Frage, wer denn die Filme überhaupt gesehen hätte, nur knapp die Hälfte der Leute den Arm hoben. Der Rest habe die 84$ nur gezahlt, um die Familie Zuhause neidisch zu machen und wussten überhaupt nicht, wo sie sich überhaupt gerade befanden. Ruhig bleiben, Luca.

Ein Foto ohne einen der unzähligen Köpfe oder wild umherfuchtelnden Arme zu bekommen war zeitweise fast so unmöglich, wie zu verstehen, was der Guide gerade sagte, da seine Worte von dem Mix aus pausenlosem Gerede, Auslösergeräuschen und schreienden Kindern schlichtweg übertönt wurden. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch einfach mit einer etwas zu großen Erwartung nach Hobbiton gefahren, aber leider machten diese ganzen negativen Eindrücke das schöne, liebevoll eingerichtete und gepflegte Hobbiton schon etwas zu Nichte und ich hätte mir wirklich gewünscht, dass man diesem wunderschönen Ort und der ganzen Arbeit, die dahinter steckt, etwas mehr Respekt entgegengebracht hätte.

Ignoriert man diese ganzen Dinge aber und hört für einen Moment einfach mal auf zu meckern, bleibt trotzdem einer der schönsten Orte, den ich jemals besucht habe, übrig.

Die liebevollen Details, die an jedes Hobbit-Häuschen individuell angepasst wurden, der wunderschöne, üppige grüne Garten, die immer noch laufende Mühle und die überall baumelnden, bunten Lampions waren einfach nur magisch und man beginnt tatsächlich ein bisschen daran zu glauben, dieser Ort existiere wirklich und wartete nur darauf, dass jeden Moment ein kleiner Hobbit aus einer der runden Holztüren herausschauen würde.

Auch das Innere des Green Dragon Inns, dem Ort, an dem sich die Bewohner des Auenlandes (zumindest im Film) abends auf ein Bier und gutes Essen trafen, war total urig und gemütlich eingerichtet und das Ginger Beer, was einem am Schluss der Tour in einem großen Krug serviert wurde, unheimlich gut.

Von außen machten die kleinen Häuschen den Eindruck, als wären sie voll eingerichtet und bewohnbar; die aufgehangene, winzige Wäsche vor den Türen, das frisch gebackene Brot auf den Tischen und sogar der Blick ins Fenster erweckte den Anschein, in ein bewohntes Hobbit-Hole hinein zu schauen. In Wirklichkeit aber waren all die Häuser leer und all die Szenen, die in den Häuschen spielten, im Studio gedreht worden.

Letztendlich habe ich es nicht bereut, diesen Ort besucht zu haben und schwelge selbst jetzt noch gerne in den Erinnerungen an diesen Tag, der übrigens mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Auenland zu Ende ging.

Noch am selben Abend nahm ich den Weg nach Tauranga auf mich, wo ich mich wieder, wie abgemacht, mit Anna und Helena traf, um am nächsten Morgen direkt wieder aufzubrechen. Geplant hatten wir, uns den Sonnenaufgang auf Mt. Maunganui, einem knapp 230 Meter hohem ehemaligen Vulkankegel, anzuschauen.

Leider machte Betty unserem Vorhaben am nächsten Morgen einen Strich durch die Rechnung, da sich über Nacht so viel Feuchtigkeit im Van angesammelt hatte, dass wir durch die komplett beschlagenen Scheiben kaum etwas sehen konnten und gut eine viertel Stunde damit verbrachten, darauf zu warten, dass diese mithilfe der voll aufgedrehten Heizung endlich wieder frei wurden. Nach einer halben Ewigkeit konnten wir die Straße endlich wieder einigermaßen sehen und machten uns schließlich auf den Weg zum Fuße des Berges, wo gleichzeitig der Beginn des Wanderweges markiert war. Leider hatten wir bereits so viel Zeit verloren, dass der Sonnenaufgang mittlerweile schon in vollem Gange war und nach einigen Minuten mussten wir uns selbst eingestehen, dass es nichts brachte, den Berg hinauf zu sprinten, um den Beginn des neuen Tages oben bereits verpasst zu haben.

Trotz, dass der Ausblick auch von recht weit unten schon unfassbar schön und beeindruckend war, nahmen wir uns für den Abend vor, uns wenigstens den Sonnenuntergang von ganz oben anschauen zu wollen und dafür dann ganz sicher genügend Zeit einzuplanen. Nachdem wir den halben Tag in der kleinen Stadt verbrachte hatten, liefen wir also wieder nach oben und waren diesmal pünktlich – vielleicht sogar etwas zu überpünktlich – auf Mt. Maunganui und wurden Zeugen eines wunderschönen Sonnenuntergangs, der die gesamte Umgebung in die schönsten Farben hüllte.

Von oben konnte man die gesamte Halbinsel sehen; den ruhigen Ozean, die kleinen Inselchen und später, wie in der Stadt langsam alle Lichter angingen. Ein toller und vor allem so ruhiger und friedlicher Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.

Der nächste Stopp auf unserer Liste war Whakatane und wie es war, auf einem der aktivsten Vulkane Neuseelands herum zu laufen und warum wir großes Glück haben, noch am Leben zu sein, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Bis dahin,

Write A Comment