Ölprobleme, sexy Polizisten und Camping direkt am Meer – Roadtrip von Nord nach Süd 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟓

Nachdem ich meine Betty wieder richtig auf Vordermann gebracht hatte und mein Plan, erst einmal auf die Südinsel zu reisen, um dort Arbeit zu suchen (und hoffentlich auch schnell zu finden, da mein Geld kontinuierlich weniger wurde, und das nicht gerade langsam 😁), war es nach etwa 3 wunderschönen Wochen in Onehunga Zeit, mich von meiner „Übergangsfamilie“ zu verabschieden und mich auf die über 600 Kilometer lange Reise Richtung Süden zu machen. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es ist, sich wieder los zu machen, wenn man sich doch gerade erst richtig eingelebt hat und angekommen ist. Sehr schwer. Am Tag vor meiner Abreise hatte ich so ein komisches Gefühl und war so traurig und unmotiviert, dass es sich fast angefühlt hat, als würde ich mich von meiner richtigen Familie verabschieden müssen. Zum zweiten Mal. Aber gerade diese Art von Gefühl zeigt doch auch wieder, wie willkommen und sicher ich mich während dieser Zeit in Auckland gefühlt habe, weswegen ich schlussendlich mit einem lachenden und einem weinenden meinen Solo-Roadtrip angetreten bin.

Geplant hatte ich 3 Zwischenstopps nach jeweils etwa 200 Kilometern, den ersten an der Ostküste in Matata, den Zweiten etwa in der Mitte der Nordinsel in Tongariro und den Dritten und Letzten so nah wie möglich an Wellington, wo dann meine Fähre nach Picton abfahren sollte. Mit vollem Tank, einem sauberen und gemütlichen Auto und mit der Ungewissheit, was mich erwartet, bin ich dann also etwa Mittags gestartet, der vollen Überzeugung, dass ich definitiv vor Sonnenuntergang meinen ersten Stopp erreichen würde.

Nach etwa 1 1/2 von 3 Stunden Fahrt ging mein Alptraum dann los und die Hoffnung, nicht im Dunkeln auf unbeleuchteten Landstrassen fahren zu müssen, löste sich ganz schnell in Luft auf, als meine Öllampe auf einmal zu blinken anfing. Natürlich habe ich erst mal Panik geschoben, wer will schon mitten im Nirgendwo liegen bleiben, ohne genügend Ersatzöl und vor allem, ohne einen blanken Schimmer, wo man es überhaupt einfüllen muss. Ich auf jeden Fall nicht. Nach einer unfreiwilligen Notpause (ich musste pinkeln und dachte, dass ich die anderthalbe Stunde noch locker durchhalten wuerde, wenn ich durchfahre) und mehr als einer halben Stunde verzweifelter Suche nach dem Hebel, der die Motorhaube öffnet, kam dann endlich mein Retter angefahren. In einem Polizeiauto.

Ich, völlig abgerockt, verschwitzt und dreckig habe dann dem (übrigens unglaublich süßen) neuseeländischen Polizist dabei zusehen dürfen, wie er mit weniger als zwei Handgriffen den Beifahrersitz angehoben und das Öl eingefüllt hat. Gut, dass ich jetzt weiss, dass es überhaupt gar keine Motorhaube gibt. Leider 😉 war er danach total dreckig und ich durfte ihm noch helfen, seine Hände mit meiner Küchenrolle sauber zu machen, bevor er weiterfahren konnte. Polizei, unser sexy Freund und Helfer, würde ich mal sagen.

Natürlich bin ich der Dunkelheit nicht mehr entkommen und durfte die letzte Stunde im Stockdunklen Fahren, immer in der Angst, ein Opossum könnte über die Straße rennen und mir unter die Räder geraten.
Passiert ist letztendlich nichts (mehr), aber durch meine sehr vorsichtige Fahrweise bin ich dann doch erst nach 7 Uhr Abends auf dem Campingplatz angekommen. Der Stress der letzten Stunden hat sich ab da aber schnell wieder in Luft aufgelöst, da ich meinen Platz direkt am Meer gebucht hatte und das eine der Besten Enscheidungen meines Lebens (dramatisch, ich weiß) war. Mit dem Meeresrauschen einzuschlafen und damit genau so wieder aufzuwachen ist eines der schönsten Dinge, die es gibt. Zumindest für mich. 😁 Wenn dann immer mal noch ein kleines Kaninchen vorbei hoppelt, ist meine Welt perfekt.

Obwohl ich meinen Posten ungern verlassen habe, ging meine Reise nach Süden etwa halb 10 am Morgen weiter, diesmal Richtung Tongariro. Obwohl ich dachte, dieses Mal sei ich auf alles (zumindest auf ein Ölproblem) vorbereitet, ereignete sich wieder auf etwa der Hälfte des Weges ein sehr ungewöhnliches und unvorhegesehenes Ereignis. Mein linker Außenspiegel flog ab. Bei 100km/h. Einfach so. Ich wusste, dass er nicht mehr wirklich lange halten würde, da er sich schon vorher beim kleinsten Lüftchen so nach unten gedreht hat, dass ich statt dem Verkehr hinter mir, nur meinen linken Scheinwerfer sehen konnte, aber dass es so schnell (und vor allem so passiert 😁), hätte ich nicht erwartet.

Diesmal habe ich aber nicht angehalten und mich stundenlang aufgeregt, sondern bin einfach weitergefahren. Ein neuer Spiegel wird mich zwar einiges kosten, aber bis mich die Polizei anhält und mich darauf anspricht, habe ich ja zum Glück noch meinen Rückspiegel und 3 Fenster. 😁 Trotzdem, falls zufälligerweise gerade jemand in Neuseeland ist und vorhat, mich links zu überholen, rate ich euch davon ab. Dann könnte euer Spiegel nämlich der nächste sein, der wegfliegt.

In Tongariro angekommen, hatte ich diesmal zwar keinen Meerblick, dafür aber einen riesigen Vulkan und einen mit Schnee bedeckten Berg direkt vor mir. Genau wie der erste Campingplatz, war auch dieser wunderschön, ordentlich und sehr sauber. Da sich nur eine Familie dort hin verfahren hatte (was wahrscheinlich daran liegt, dass sich der Campingplatz direkt im Tongariro Nationalpark befindet), war es auch sehr ruhig und einfach herrlich. Gegen Abend habe ich dann natürlich Hunger bekommen und wollte mir auf meinem Gasherd Nudeln mit Salsabohnen aus der Dose kochen. Mehr oder weniger überraschenderweise war natürlich das Gas leer, das mit dem Campingkocher verbunden ist. Also habe ich den Abend damit verbracht, Netflix zu schauen und kalte Salsabohnen mit Toast zu essen. War eigentlich ganz lecker.

Die Nacht war zugegebenermaßen viel kälter, als ich gedacht hätte, da ich die hohe Lage doch etwas unterschätzt habe. Mit zwei Pullovern plus Decke konnte man es aber doch so semi-gut aushalten und dafür, dass ich am Morgen von der Sonne geweckt wurde und einen atemberaubenden Ausblick hatte, hat sich das Ganze hundertfach gelohnt. Auf meiner Einkaufsliste stehen jetzt immerhin noch eine Decke und ganz wichtig: eine Gasflasche, damit ich meine Bohnen das nächste Mal warm essen kann.

Zu meinem letzten Campingplatz musste ich dann am nächsten Tag wieder etwa 3 Stunden fahren, hatte dafür aber am Tag, an dem meine Fähre nach Picton startete, mehr Zeit zum Schlafen und musste so statt um 3 erst um 5 Uhr aufstehen. Leben am Limit. Auf der Hinfahrt ist diesmal (Gott sei Dank!) nichts passiert. So konnte ich auch endlich mal die schönen Landschaften genießen, die ich so durchfahren habe. Größtenteils waren das zwar nur Hügel mit hunderten von Schafen, aber selbst das wird irgendwie nie langweilig. Schafe sind halt einfach süß.

Auf dem Campingplatz angekommen, habe ich mir schon Gedanken gemacht, was ich (noch immer) ohne Gas essen soll. Letztendlich habe ich mich dann für einen Obstsalat aus der Dose entschieden, weil das das Einzige war, was man roh essen konnte, ohne Brechdurchfall oder Blähungen erwarten zu müssen. Nach diesem sehr nahrhaften Abendmahl bin ich dann auch direkt eingeschlafen.

Die Überfahrt von der Nord- auf die Südinsel Neuseelands war eher weniger spektakulär, es war sehr windig und kalt auf Deck, weswegen ich mehr Zeit drinnen als draußen verbracht habe. Der Ausblick auf die Malborough Sounds, während wir die Cook Straße durchfahren haben, war trotzdem total schön und jede Minute im -100 Grad kalten Wind wert.






In Picton angekommen, habe ich mich auf mein für 3 Nächte gebuchtes Hostel gefreut, das auf seiner Website einen sehr familiären Umgang, Schokopudding am Abend, gemeinsame Filmabende und ein All You Can Eat-Frühstück angepriesen haben. Schließlich wurde es auch mal Zeit, dass ich ein paar Backpacker kennenlerne. Herausgestellt hat sich das Ganze als ganz schön übertrieben, denn als ich im Hostel angekommen bin, wurde mir ein leeres 5-Bett Zimmer zugeteilt und auch sonst herrschte gähnende Leere. Denjenigen, der das „All You Can Eat“ Buffet als solches beworben hat, sollte man verklagen, denn auf dem Buffettisch standen lediglich Cornflakes, Milch, Marmelade und Butter. Was für ein Festmahl. Auch bei den wenigen Leuten, die im Hostel gewohnt haben, konnte ich persönlich keinen Drang dazu feststellen, zu irgendwem eine Freundschaft aufzuauen oder zumindest miteinander zu sprechen. Während dieser 3 Tage habe ich mich, trotz dass ich das Hostel eigentlich sowieso nur gebucht hatte, um etwas zu entspannen und meine Reise grob durch zu planen, teilweise etwas einsam gefühlt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich über Facebook jemanden gefunden habe, der genau den selben Plan wie ich hatte, nämlich zuerst die Süd- und dann die Nordinsel zu bereisen. 🎉

Und was bei meinen Roadtrip-Planungen herausgekommen ist und wie ich meinen Travelbuddy das erste Mal getroffen habe, erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen. Bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal,

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1 Kommentar

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