Europa mit dem Zug. Das sind 30 verschiedene Länder mit nur einem Ticket, unendlich viele Möglichkeiten, unvergessliche Erlebnisse, wunderschöne Städte. Manchmal muss man eben nicht unbedingt ans andere Ende der Welt fliegen, um etwas (richtig viel!) zu sehen.

Das Interrail-Ticket ist wahrscheinlich der perfekte Weg, Europa zu entdecken – schnelle Verbindungen, wenig Emissionen und tausende Möglichkeiten, besser geht es nicht. Genau deswegen bin ich gerade selbst auf einer zwei Monate langen Reise durch Mittel-, Süd- und Westeuropa und kann euch jetzt schon versichern, dass das Reisen mit der Bahn so viel besser ist, als mit dem Flugzeug oder Auto!

Erster Halt: Prag.

Denkt man an Europas Hauptstädte, fallen einem wahrscheinlich als Erstes die Metropolen London, Paris, Amsterdam oder Berlin ein – Prag rückt dabei oftmals in den Hintergrund. Völlig zu unrecht wie ich finde, denn die Hauptstadt Tschechiens ist eine der schönsten und historischsten Städte überhaupt!

die Jerusalem Synagoge – leider gerade eine Baustelle

Nur knapp 3 Stunden ist man aus (Ost-)Deutschland unterwegs, bis man am Praha hl.n. ankommt. Innerhalb der Stadt gibt es unfassbar viel zu entdecken, von mittelalterlichen Burgen, über romantische Gässchen, bis hin zu gutem, günstigem Essen. Dafür sind 2 Tage eigentlich viel zu wenig, denn um die Stadt wirklich kennenzulernen, sollte man sich schon etwas mehr Zeit nehmen. Um die berühmtesten Bauwerke, die schönsten Ecken und zumindest ein paar der unzähligen Stände mit leckerem Street-Food zu besuchen, reicht die Zeit aber aus und in 48 Stunden konnte ich mir immerhin einen kleinen Eindruck über die Stadt verschaffen und war überrascht, was Prag alles zu bieten hat!

Mit den Öffis durch die Stadt: schnell und für kleines Geld

Auch, wenn man sich erstmal daran gewöhnen muss, dass Hinweise und Infotafeln oftmals nicht in Englisch sondern nur in Tschechisch ausgeschrieben sind, kommt man schnell dahinter, wie das Leben in Prag funktioniert.

Für den öffentlichen Nahverkehr gibt es für einen bestimmten Zeitraum gültige Fahrkarten, wie zum Beispiel 30 oder 90 Minuten. In dieser Zeit kann man dann jegliche Verkehrmittel (Metro, S-Bahn, Bus) beliebig oft benutzen. Der Preis liegt hier bei weniger als einem Euro (24Kč) pro Fahrkarte (für 30 Minuten) und ca. 4,20€ (110Kč) für eine Tageskarte für ganz Prag. Busse fahren aller 5 Minuten, Metros in noch geringeren Abständen, genau wie die Straßenbahnen, die noch dazu total niedlich aussehen. Entwerten nicht vergessen und dann steht dem Trip durch Prag nichts mehr im Weg!


48 Stunden in Prag: meine persönlichen Highlights

Obwohl ich von meinem 80l Rucksack Blutergüsse auf beiden Schultern und am Morgen darauf höllische Nackenschmerzen hatte, war ich sehr gespannt auf Prag und konnte es kaum erwarten, die Stadt zu entdecken.

Als allererstes musste ich in einen tschechischen Supermarkt gehen (es gibt nichts Besseres als die Supermärkte in verschiedenen Ländern mit denen in Deutschland zu vergleichen) und war direkt überrascht von den günstigen Angeboten, und dass ich für mein „Mittagessen“ (ein Stück Pizza und eine große Limo) nur umgerechnet 1,16€ gezahlt habe. 1:0 für Tschechien.

Danach ging es mit der Metro in die Innenstadt.


Die Prager Burg – Rekordhalter und Must-See in Prag

Pražský hrad  hält den Rekord für das größte geschlossene Burgareal DER WELT und ist eine der Sehenswürdigkeiten, die man in Prag gesehen haben muss. Der Veitsdom ist mit seinen knapp 100 Metern Höhe die größte Kathedrale Tschechiens und ist wirklich beeindruckend, vor allem wenn man direkt davor steht. Der ganze Burgkomplex ist riesig und der Eintritt kostenlos, man kann also wenn man möchte stundenlang auf dem Gelände der Burg umherwandeln und sich in der Geschichte Prags verlieren.

Mit der S-Bahn kann man den Hügel zur Prager Burg gemütlich hinauffahren, den man sonst per Treppe besteigen müsste. Geht man dann die Treppen auf der anderen Seite wieder herunter, hat man von ganz oben einen wunderschönen Ausblick auf Prag.

der Ausblick reicht bis zur Karlsbrücke und darüber hinaus

Die St. Nicholas Church

Nur wenige Gehminuten entfernt inmitten der Altstadt steht die St. Nicholas Church, eine sehr prachtvolle barocke Kirche, die nicht nur von außen, sondern auch von innen atemberaubend schön ist. Möchte man das prunkvolle Innere, die vergoldeten Statuen und das riesige Deckenfresko sehen, bezahlt man 4€. Meiner Meinung nach ist die Kirche definitv einen Besuch wert und zählt zu den schönsten, die ich jemals besucht habe.


Die Prager Altstadt – historisches Zentrum und UNESCO – Welterbe

Auf der anderen Seite der Moldau, verbunden durch die Karlsbrücke, befindet sich das Herzstück Prags – das historische Zentrum mit dem Altstädter Ring.

Auf dem ältesten und bedeutendsten Platz Prags versammeln sich täglich hunderte Menschen, um das Glockenspiel der Rathausuhr zu hören. Spannender finde ich aber die Geschichte und Sagen hinter der astronomischen Uhr:

„Nach dem Ständeaufstand in Böhmen wurden am 21. Juni 1621 siebenundzwanzig böhmische Adlige vor dem Prager Rathaus exekutiert. (Ihre Köpfe wurden in Drahtkörben am Altstädter Brückenturm zur Abschreckung aufgehängt.) Die Legende besagt, dass sich jedes Jahr am Tag der Exekution alle siebenundzwanzig Geköpften vor dem Rathaus treffen, dann langsam und still zum Südportal gehen und die astronomische Uhr beobachten. Geht die Uhr gut und genau, dann wird es dem tschechischen Volk gut gehen, und alle gehen im Frieden auseinander. Geht die Uhr falsch oder steht sie sogar, dann kommen schlechte Zeiten auf das tschechische Volk zu. Dann gehen alle traurig in die dunklen Gassen der Prager Altstadt und müssen solange in den Gassen warten, bis wieder ein Jahr vergangen ist.“ (Quelle: Wikipedia)

Rund um den Platz findet man außerdem unzählige wunderschöne Häuser, Cafés, Restaurants und verschiedene Läden, unter Anderem auch kleine Stände, die leckeres Street-Food verkaufen. Auf jeden Fall mal probiert haben sollte man Trdelník, ein auf Stöcken gebackenes Gebäck, das eigentlich aus der Slowakei stammt, in Tschechien aber oftmals fälschlicherweise als traditionelle Spezialität verkauft wird. Schmeckt aber eben trotzdem gut.

Kleiner Tipp: „The Dogfather“ verkauft womöglich die besten Hotdogs in Prag, aber lasst euch nicht wie ich zur scharfen Sauce verleiten, denn die ist wirklich richtig scharf und brennt definitiv zwei Mal.

Ein bisschen weiter außerhalb der Altstadt befinden sich außerdem einige Denkmäler und ulkige Bauwerke, wie etwa der „Kopf des Franz Kafka“ oder die „Tanzenden Häuser“.

ein schönes Restaurant direkt vor der Jirásek-Brücke

Der beste Ausblick auf Prag – der Rathausturm

Für umgerechnet knapp 9 Euro kann man vom Rathausturm aus den wohl schönsten Panoramaausblick auf Prag genießen – einem Meer aus terrakottafarbenen Dächern, engen Gassen und viel Gewusel auf dem Altstädter Ring. Eine wirklich schöne, herzliche und gemütliche Stadt!

Prag ist toll, vollgepackt mit Geschichte, man kann sich schwer verlaufen und findet trotzdem hinter jeder Ecke etwas Neues. Hier kommt man außerdem auch mit kleinem Budget sehr weit, die Unterkünfte entsprechen dem deutschen Standard, es gibt ein sehr gut ausgebautes Verkehrsnetz und auch die Einheimischen sind nett, hilfsbereit und entspannt.

Prag ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch, wenn man die Stadt an der Moldau vielleicht nicht direkt auf dem Schirm hat.

Mein Hostel: a&o Hostel Prague Rhea (Interrailer bekommen 15% Rabatt)

Write A Comment