Nach einer knapp 200 Kilometer langen, sehr kurvenreichen aber wunderschönen Fahrt entlang der Küste, kamen wir im kleinen Örtchen Te Araroa an, wo wir in einem Backpacker’s die Nacht verbringen wollten. Das große, alte Haus hatte mit all seinen religiösen Bildern, den mit Teppich verkleideten Wänden (wer weiß schon, was sich eigentlich dahinter befand) und den ungewöhnlich vielen Türen, die sich alle am Ende von langen, dunklen Gängen befanden, eher etwas von einem Haunted House und wir waren uns einig, dass uns eine Nacht völlig ausreichen würde. So schlimm, wie wir anfangs dachten, war es dann aber zum Glück doch nicht und nachdem wir uns beim Abendessen in der Gemeinschaftsküche noch ewig mit einem Neuseeländer und einer Britin unterhalten hatten, die uns die coolsten Geschichten erzählten und uns wertvolle Tipps für unseren geplanten Sonnenaufgangs-Trip gaben, blieb uns nichts Anderes übrig, als uns hinzulegen, den Wecker auf 4 Uhr zu stellen und zu versuchen, zumindest noch ein paar Stunden zu schlafen, bevor es für uns zum östlichsten Zipfel Neuseelands gehen würde.

Schon die Hinfahrt am frühen Morgen war eine echtes Abenteuer, der der Großteil des Weges nicht, wie eigentlich erwartet, aus feinem Schotter bestand, sondern aus großen, spitzen Steinen, die offensichtlich gerade erst neu auf den Weg geschüttet worden waren und uns beide gut 45 Minuten ordentlich durchschüttelten. Von links kam dabei den ganzen Weg über ein gefährlich lautes Rauschen, dass wir erst dann richtig zuordnen konnten, als es langsam dämmerte und wir feststellen mussten, dass wir die ganze Zeit in völliger Dunkelheit auf einer verdammt schmalen Straße direkt an den Klippen entlang gefahren waren. Ich hätte tatsächlich auch ohne diese Info gut weiterleben können. Und als wir dachten, wir hätten das Schlimmste überstanden, erwarteten und am Ende der Sackgasse (means: wir mussten den ganzen Weg wieder zurück fahren) 800 (!) Stufen, die zum Leuchtturm führen sollten. Ich glaube so viel Action hatte ich zu so früher Stunde schon lange nicht mehr. 😄

Entsprechend erschlagen kamen wir oben an, wo wir dann aber endlich die absolute Ruhe und die unheimlich friedliche Atmosphäre an diesem Ort genießen konnten, bevor die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages auf das ruhige Meer trafen und uns direkt ins Gesicht schienen. Und wir waren tatsächlich einige der ersten Menschen, die den neuen Tag begrüßen durften.

Auch, wenn sich die Sonne relativ schnell wieder hinter einem Schleier dicker Wolken versteckte, saßen wir eine Zeit lang einfach nur da und genossen die klare Luft, den wunderschönen Ausblick und die Stille, bevor wir uns schließlich wieder auf den beschwerlichen Weg nach unten machten, um die Fahrt nach Gisborne anzutreten, wo wir erst einmal zwei Nächte verbringen und uns, ein weiteres Mal, nach einem Job in der Nähe umschauen wollten.

das kleine Inselchen heißt übrigens „East Island“

Auf dem Rückweg hatte man das Gefühl, man wäre vorher ganz wo anders entlang gefahren, denn die hucklige, unheimliche Straße hatte sich mit dem Tageslicht in eine wunderschöne, grüne Hügellandschaft verwandelt, auf der fluffige Kälbchen und Wildpferde grasten. So beschwerlich war der Weg insgesamt dann also doch nicht. Mit dem Meer auf der rechten Seite und der Morgensonne im Rückspiegel ging es gut 200 km nach Süden, wo wir ziemlich spät am Nachmittag, völlig übermüdet und total fertig in einem hübschen kleinen Hostel in Gisborne ankamen.

Dort verbrachten wir die nächsten beiden Tage damit, nach einem Working-Hostel zu suchen, dass uns im besten Fall innerhalb der nächsten Woche einen Job versorgen würde. Geplant war, ein paar Wochen in Hastings zu arbeiten und dann vorübergehend getrennt weiter zu reisen, bevor wir uns im kleinen Surferstädtchen „Raglan“ wieder treffen wollten. Mit diesem Plan machten wir uns auf den Weg nach Hastings, wo wir ein schönes Working-Hostel gefunden hatten, dass eine schnelle Jobvermittlung versprach und noch dazu unschlagbar gute Wochenpreise hatte. Dachten wir zumindest. Mehr dazu im nächsten Beitrag. 🤫

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