Der Egmont Nationalpark – eine der schönsten Regionen Neuseelands

Vier Stunden brauche ich, bis ich die lange Fahrt von Auckland nach New Plymouth gemeistert habe. In meinem neuen Mietwagen, einem silbernen Suzuki Swift, lassen sich lange Fahrten gut aushalten und mit dem wendigen Flitzer über die einsamen, kurvigen Straßen Neuseelands zu düsen, ist fast schon ein eigenes kleines Abenteuer. Hat man dann einmal den Egmont Nationapark an der Westküste der Nordinsel erreicht, kommt man aus dem Staunen fast nicht mehr heraus.

Mount Egmont (oder besser bekannt als Mount Taranaki), der Vulkan, nach dem die Region und der Nationalpark benannt wurden, erhebt sich über dem kleinen New Plymouth und thront dort bereits seit etwa 120 000 Jahren. Schon von Weitem ist der einsame, kegelförmige Vulkan eine Erscheinung; kein Wunder also, dass der Berg die Menschen magisch anzieht, denn rund um „Neuseeland’s perfekt geformtesten Vulkan“ gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die Region zu entdecken und sich von dessen Natur verzaubern zu lassen.

 

Der Pouakai Track – die schönste Tageswanderung Neuseelands?!

Insgesamt hat man die Wahl zwischen knapp 300 Kilometern Wanderweg, die von kurzen Spaziergängen, bis hin zu mehrtägigen Wanderungen reichen. Wer Erfahrungen im Bergsteigen mitbringt, kann den Gipfel des Mt. Taranaki sogar selbst bezwingen, wobei die Betonung hier wirklich auf genügend Erfahrung liegt, da der Vulkan nicht nur zu Neuseelands meist bestiegenen Bergen, sondern auch zu denen, die die meisten Todesopfer forderten, gehört.

Einer der wohl bekanntesten Tracks der Umgebung, der wegen seiner atemberaubenden Ausblicke auf Mt. Taranaki eine enorme Anziehungskraft auf wanderfreudige Touristen hat, ist der Pouakai Circuit. Highlight des Tracks ist unter anderem der berüchtigte „reflective tarn“, ein kleiner See, in dem sich der Gipfel spiegelt und so für ein märchenhaftes Panorama sorgt.

Der Pouakai Circuit ist ein 24,5 Kilometer langer Rundwanderweg, der sowohl durch schlammige, rutschige Waldabschnitte, als auch über öde, weitläufige Büschelwiesenlandschaften bis in alpines Terrain führt. Allgemein kann man sagen, dass man innerhalb der knapp 1400 Höhenmeter, die während des gesamten Tracks zurücklegt werden müssen, vor allem klimatisch teilweise starke Unterschiede erwarten kann, weswegen die Wanderung zumindest einiges an Erfahrung, Ausdauer und vor allem eine gute Vorbereitung (und gute Wanderschuhe!) voraussetzt.

Wichtig ist es in jedem Fall, sich vorher genau über das Wetter zu informieren, da die Region zu den regenreichsten ganz Neuseelands gehört, sich die Wetterverhältnisse mitunter stündlich stark verändern können und es in höheren Lagen dann schon mal gefährlich kalt oder windig werden kann. Die besten Quellen für verlässliche Wettervorhersagen sind unter anderem:

https://www.metservice.com/
https://www.accuweather.com/en/nz/new-zealand-weather &
https://www.doc.govt.nz/parks-and-recreation/know-before-you-go/weather/

Ein großer Vorteil des Netzes aus Wanderwegen im Egmont Nationalpark ist die Möglichkeit, anzufangen und zu enden, wo man möchte. 13 Zugänge und Parkplätze in nahezu jeder Richtung geben einem die Freiheit, zu entschieden, welche Tagesetappe bei einer begrenzten Menge an Zeit am besten zu einem passt.

Ursprünglich startet die Wanderung am North Egmont Visitor Center und endet wieder an der Mangorei Road, ich selbst startete aber von der anderen Seite und lief die Etappe „Mangorei Road to Pouakai Hut“ des Mangorei Tracks entlang.

die ersten Sonnenstrahlen treffen auf Mt. Taranaki

Mangorei Road to Pouakai Hut oder erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Noch vor Sonnenaufgang machte ich mich also von meinem gemütlichen Hostel (sehr zu empfehlen!), etwas außerhalb der Stadt, auf den Weg zum Beginn des Tracks. Hat man sich dann einen sonnigen Tag ausgesucht und morgens bereits einen wolkenlosen Himmel, kann man sich, noch bevor man den eigentlichen Trailhead erreicht hat, auf atemberaubende Ausblicke auf den Mount Taranaki, dessen weiße Kappe als allererstes von der Morgensonne angestrahlt wird, freuen.

Der Großteil der eigentlichen Wanderung führt durch dichten, dunklen Wald, und das vor allem bergauf. Auf unfassbar rutschigen Holztreppen entlang. Erst, nachdem man die 1200 Höhenmeter-Marke geknackt hat, kann man das erste Mal über die Baumkronen hinwegschauen die Aussicht auf die Küstenlinie New Plymouths genießen.

von oben kann man sogar Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu in Taupo sehen!

Ab diesem Punkt geht es nur noch leicht bergauf, man spürt aber deutlich, dass man sich bereits im subalpinen Bereich befindet. Die Luft wird klarer, dünner und vor allem kälter, vom üppig bewachsenen Wald ist nicht mehr viel übrig geblieben und stattdessen stehen nur noch einzelne Sträucher und Grasbüschel am Rand des Wanderweges herum.

Irgendwann tut sich dann in der Ferne endlich der weiße Zipfel des Mount Taranaki auf, und lässt einen plötzlich vergessen, dass man die letzten 5 Kilometer nur hechelnd bergauf gekrochen ist. Kurz nach der kleinen Pouakai Hut erreicht man eine große freie Fläche, von der aus man den perfekten Panormaausblick genießen kann. Und spätestens dann, wenn man den Vulkankegel, der sich vorher so schüchtern hinter der Pouakai Range versteckt hat, in voller Größe bestaunen kann, ist auch der Letzte mit Sicherheit davon überzeugt, dass Mount Taranaki wahrscheinlich der perfekt symmetrischste, melerischste Berg ist, den es überhaupt gibt.

Nach etwa einem weiteren Kilometer erreicht man dann endlich die berüchtigten Pouakai Tarns. Leider musste ich, als ich angekommen war, feststellen, dass sich eine dicke Eisschicht über den Teich gelegt hatte und eine perfekte Reflexion leider fast unmöglich machte. Trotzdem war der Ausblick von diesem Punkt aus mehr als wunderschön; Taranaki mit seinem verschneiten Gipfel, mitten im Nirgendwo stehend, umgeben von strahlend blauem Himmel. Was will man mehr?

Läuft man zeitig genug los, hat man die Aussicht nicht nur fast für sich allein, sondern befindet sich wahrscheinlich npch dazu am coolsten Frühstücksspot überhaupt. Ein nur wenige Meter vor uns landender Helikopter, der mir bei seiner Ankunft fast meinen Bagel aus der Hand fegte, setzte dem Ganzen schlussendlich noch die Krone auf. Die beiden Mitarbeiter des DOC (etwa der neuseeländische Naturschutz) fragten freundlich, wie es uns heute so geht, kontrollierten ein paar Dinge und flogen 5 Minuten später wieder davon.

Typisch Neuseeland, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Der Mythos dahinter – eine herzzerreißende Liebesgeschichte

Fast so schön, wie der erloschene Vulkan selbst, ist übrigens die Legende, die dahinter steckt:

„Te Maunga o Taranaki, ein Berggott, der für viele Jahrhunderte friedlich im Zentrum der Nordinsel mit den anderen Göttern Tongariro, Ruapehu und Ngauruhoe zusammenlebte, geriet durch seine Liebe zu Pihanga in einen heftigen Streit mit Tongariro, der ebenfalls in sie verliebt war. Die Erde bebte, der Himmel wurde schwarz und letztendlich stellte sich Pihanga auf Seite von Tongariro. Der tieftraurige Taranaki verließ die anderen Berge, um sich in Richtung der Sonne an der Küste niederzulassen, wo er im Schlaf von der Pouakai-Gebirgskette eingeschlossen wurde und für immer dort verblieb. Die Tränen, die er während der Zeit seines Kummers und seines Schmerzes weinte, bildeten gemeinsam mit seinen tiefen Wunden einen Strom klaren Wassers, der den heutigen Whanganui River darstellt. Erst, wenn sich die zerstrittenen Götter wieder vetragen haben, wird Frieden auf Erden herrschen und Taranaki wieder in die Nähe der anderen Götter zurückkehren. “ (Quelle: Wikipedia)

Auf dem Rückweg ist kein Ende in Sicht…

Da ich mich gegen den gesamten Rundwanderweg entschieden hatte, durfte ich auf dem Rückweg jede einzelne Treppenstufe, die ich zuvor nach oben gelaufen war, wieder herunterlaufen. Wie zu erwarten konnte ich nach 10 Minuten keine Treppen mehr sehen und freute mich umso mehr, als ich nach knapp zwei Stunden das Licht am Ende des Tunnels und mein Auto auf dem Parkplatz stehen sehen konnte. Und das ohne, dass die Scheiben eingeschlagen worden waren.

Der Track ist perfekt für alle diejenigen, die den Gipfel in voller Pracht erleben wollen, sich aber keine 8 Stunden Wanderung plus Übernachtung in einer kalten Holzhütte antun möchten. Obwohl sie eher zu den Kürzeren gehört, gehört sie auch eindeutig zu den Schönsten, die ich während meiner Zeit in Neuseeland gemacht habe.

Insgesamt habe ich für die gesamte Wanderung gut 4 Stunden gebraucht, und obwohl ich 3 davon von Dunkelheit und riesigen Farnen umgeben war, hat sich der Aufstieg für mich tausendfach gelohnt, sodass ich letztendlich sogar behaupten kann, dass die Taranaki Region definitiv eines meiner Highlights der Nordinsel war und sie guten Gewissens zu den sehenswertesten Regionen Neuseelands zählen kann.

Ein wirklich gelungener Abschluss meiner Reise.

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