Was stellt ihr euch unter Slowenien vor? Hohe Gipfel, türkisblaue Bergseen und grüne Täler? Irgendwie habe ich alles erwartet, nur nicht das. Aber schon als ich mit dem Zug von Wien nach Ljubljana gefahren bin und beim Blick aus dem Fenster diese vernebelten, hohen Berge gesehen habe, war mir klar, dass mich Slowenien überraschen wird. Und das mehr als positiv.

Slowenien scheint bei Reisenden oft übersehen zu werden; Nachbarländer, wie Österreich oder Kroatien bekommen da irgendwie weitaus mehr Aufmerksamkeit. Auch für mich war es bis vor kurzem nur das Land, das auf dem Weg nach Kroatien durchfahren werden musste; im besten Fall war ich die ganze Zeit am Schlafen und habe davon nicht wirklich viel mitbekommen. Schande über mich.

Jetzt weiß ich, dass Slowenien, trotz, dass es nur knapp 47 Kilometer Küste hat und deshalb auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so attraktiv für diejenigen ist, die den Urlaub am Meer verbringen wollen, so viel mehr zu bieten hat, dass man es sich eigentlich wirklich nicht entgehen lassen kann. Zwischen den Alpen und der Adria findet man alles, was man sich als Naturmensch wünschen könnte, von 10 000 Kilometern angelegter Wanderwege über smaragdgrüne Flüsse und tiefe Felsschluchten bis hin zu schneebedeckten Gipfeln. Selbst Stadtmenschen kommen nicht zu kurz, auch, wenn die Städte in Slowenien vergleichsweise klein sind, können diese definitiv mit viel Geschichte, abwechslungsreicher, guter Küche und hinreißender Architektur punkten.

 

Ljubljana – die Hauptstadt Sloweniens

Sauber, gepflegt und grün kommt sie daher, die Hauptstadt und gleichzeitig größte Stadt Sloweniens. Man merkt, dass den Slowenen etwas am Umweltschutz liegt, Müll auf den Straßen gibt es einfach nicht.

Die Stadt liegt direkt an der „Ljubljanica“, einem Fluss, über den zahlreiche schöne Brücken führen und an dem sich die meisten Menschen tummeln, vor allem in all den Cafés, Restaurants und Bars.

Dort kann man wirklich gut essen, es gibt eine große Auswahl an Gerichten, oft auch in Kombination mit Meeresfrüchten. In Ljubljana habe ich zusammen mit einer Zimmernachbarin das wahrscheinlich beste Risotto überhaupt gegessen. Und ich träume immer noch davon.

Leider sind die Restaurants direkt am Fluss oft überteuert, weshalb man ein bisschen Außerhalb des Zentrums mit Sicherheit günstiger und mindestens genau so gut essen kann. Börek, Laško und Pršut muss man übrigens auch einmal probiert haben!

Romantische Gässchen, Blumenampeln wohin das Auge reicht und Slowenen, die mit ihrem Akkordeon am Straßenrand sitzen und deren Lieder man in jeder Ecke der Stadt hören kann. Eine Stimmung, die man irgendwie nicht wieder vergessen kann.

Die Menschen sind so nett und so unbeschwert – kein Wunder, sie leben in einem wunderschönen Land, das wahrscheinlich gerade wegen all dieser Dinge noch immer als echter Geheimtipp gilt. Und obwohl besonders die Bauwerke und Häsuer ein bisschen an Österreich erinnern, ist doch das Lebensgefühl sehr mit dem der Italiener zu vergleichen. 

Einen wirklich schönen Rundumblick über die Stadt hat man übrigens vom Ljubljana Castle aus, vor allem dann, wenn man den Weg zurück in die Stadt nimmt, der hinter der Festung beginnt. Mit der Seilbahn kann man ganz entspannt für nur rund 2€ zur Burg fahren, den Ausblick genießen oder sich für einige Zeit in dem riesigen Komplex verlieren und dann entweder wieder hinunterfahren oder eben -laufen.

Maskenpflicht bei über 30 Grad – sehr angenehm!

 

Der Triglav Nationalpark

Auch außerhalb der Hauptstadt gibt es eine Menge zu sehen, denn auch wenn Slowenien meistens nur mit Ljubljana oder Lake Bled in Verbindung gebracht wird, gibt es so viel mehr zu entdecken.

Da wäre zum Beispiel der Triglav Nationalpark, der größte und einzige Nationalpark Sloweniens, benannt nach dem höchsten Gipfel des Landes, dem 2864 Meter hohen Triglav. Der Nationalpark erstreckt sich über den gesamten Bereich des slowenischen Teils der Julischen Alpen und ist ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderfreunde – hier gibt es neben unzähligen Wanderwegen mit verschiedensten Längen- und Schwierigkeitsgraden sogar Braunbären, Steinböcke und Gämse.

der perfekte Picknickspot

Leider kommt man sehr schwer direkt in den Nationalpark allein mit Bus oder Bahn, weswegen sich auf jeden Fall ein Auto empfiehlt, wenn man etwas tiefer in den Park gelangen möchte. Im Gebiet Kranjska Gora und Vogel, dem Hauptschutzgebiet des Nationalparks, fahren vereinzelt Busse, zwar etwas langsam und natürlich weitaus seltener als in der Stadt, es lohnt sich aber trotzdem, die lange Reise auf sich zu nehmen.

Ich wollte in jedem Fall einmal den höchsten Berg Sloweniens sehen und da ich nicht ganz so viel Zeit für eine groß angelegte Wanderung hatte, bin ich ganz einfach mit der Vogelbergbahn auf den 1534 Meter hohen Vogel gefahren und hatte von da aus einen fantastischen Ausblick auf die Julischen Alpen inklusive des Triglavs und Lake Bohinj.

der Triglav – Slowenien höchster Berg

Für 21 € wird man mit der Seilbahn fast senkrecht in nur 4 Minuten bis ganz nach oben befördert, wo man sofort nach dem Aussteigen von einer wunderbaren Briese frischer Bergluft empfangen wird. An der Bergstation beginnen viele Wanderwege, es gibt viele kleine Hütten und Wiesen voller bunter Alpenblumen zu entdecken und es gibt sogar Alpakas, die dort oben wahrscheinlich ihr bestes Leben leben. Kurzgesagt kann man hier eine Menge Zeit verbringen, das Panorama genießen und vor allem der Hitze im Tal im Sommer einfach entfliehen. Große Empfehlung!

ein kleiner Alpengarten mit vielen verschiedenen Blumen, so niedlich!

 

Lake Bled – ein Ort wie aus dem Märchen

Lake Bled ist wahrscheinlich diese eine Sehenswürdigkeit, die fast jeder kennt. Eine kleine Insel inmitten eines türkisblauen Sees, umgeben von Bergen und Wäldern. Er ist mittlerweile schon so etwas wie das Wahrzeichen Sloweniens. Und obwohl ich früher im Beitrag schon erwähnt habe, dass Slowenien eigentlich so viel mehr als diese Touristenspots ist, ist Lake Bled eine dieser Sehenswürdigkeiten, die es sich trotzdem lohnt, zu besuchen, ganz und gar nicht überbewertet und auch gar nicht so überlaufen ist, wie man vielleicht zuerst denkt.

Am besten nimmt man den Bus von Ljubljana nach Bled, denn mit dem Auto wollt ihr wirklich nicht an den See fahren. Drei Worte: Stau, Parkplatzmangel, Parkgebühren.

Mit dem Linienbus seid ihr da um einiges besser dran, dieser fährt stündlich in beide Richtungen vom Hauptbahnhof in Ljubljana; man kauft sich einfach ein Ticket am Schalter (ich glaube es waren um die 12€ hin- und zurück) und wird in 90 Minuten direkt vor den See gebracht. Einfacher geht es nicht.

Bled Castle in der Morgensonne

Es empfiehlt sich, einen der ersten Busse zu nehmen, am besten sogar bei Sonnenaufgang, da der See an einem heißen Sommertag natürlich ziemlich viele Menschen zum Baden anlockt und es dann schnell unangenehm voll werden kann. Ich mag es da eher ruhiger und bin deshalb um 6 Uhr losgefahren, um vor den Massen dort zu sein.

Und was soll ich sagen? Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn als ich am Lake Bled angekam, war weit und breit, außer ein paar Joggern und Anglern, keine Menschenseele zu sehen. So konnte ich in aller Ruhe und (noch) ohne die extreme Sommerhitze, auf die berühmten Aussichtspunkte wandern und den Ausblick auf den schönen Bergsee ohne Gedränge genießen. Sogar meine Drohne konnte ich so kurz steigen lassen, ohne jemanden zu stören. Es war so ruhig und idyllisch da oben. Einfach toll.

Gegen Mittag wurde es dann tatsächlich schon sehr voll, denn scheinbar ganz Slowenien versammelt sich an einem heißen Tag um den See herum. Mir gefällt die früher-Morgen-Variante da schon um Einiges besser und es gibt doch kein besseres Gefühl, als auf dem Rückweg am Stau vorbeizufahren. Lake Bled ist in meinen Augen auf jeden Fall einen Trip wert und wirklich etwas Besonderes, was ich so noch nirgends auf der Welt gesehen habe. Es ist einfach ein Ort wie aus dem Märchen.

 

Werde ich wiederkommen?

Es gibt kaum ein Land, dass mich so überraschen konnte, wie es Slowenien geschafft hat. Je mehr Tage vergingen, desto mehr habe ich es geliebt, ich bin der Natur, den Menschen, dem Lebensgefühl verfallen und hätte gerne noch so viel mehr von dem kleinen, grünen Land gesehen. Ich hatte eine tolle Unterkunft, habe richtig liebe neue Leute kennengelernt und das erste Mal das Gefühl gehabt, ein Land zu besuchen, von dem ich keine Ahnung habe, was mich dort erwartet. Und es war einfach wundervoll!

Die Antwort ist also ja, ich werde wiederkommen! Dann aber definitiv mit dem Auto und mehr Zeit im Gepäck.

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