Schroffe Klippen, tropische Strände, Abschied und Wiedersehen – South Island Solotrip (Westport Region, Abel Tasman National Park, Nelson) 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟏𝟎 (Teil 4/4)

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Meine Route:

 

Pancake Rocks & Cape Foulwind

Am nächsten Morgen habe ich mich auf den Weg nach Westport gemacht, meinem letzten Halt an der Westküste. Dort hin habe ich die Great Coast Road genommen, die konstant an der Küste entlang führte und, bis auf ein paar Berg- und Regenwald Passagen, auch bis nach Westport nicht davon abließ. Eins der Must-See’s lag direkt auf dem Weg, wobei ich schon auf dem Parkplatz vor dem Track, der zu den für ihre ungewöhnliche Form berühmt-berüchtigten Pancake Rocks führte, von einer Horde Touristen und einer unsagbar schlechten Parksituation empfangen wurde.

Während des 30-minütigen Loop-Tracks gaben verschiedene Aussichtsplattformen einen kleinen Einblick in die Welt dieser faszinierenden Felsformationen (die tatsächlich aussehen, wie übereinander gestapelte Pfannkuchen), die Blowholes, durch die das Wasser mit voller Kraft an die Felswände donnerte und meterhoch in die Luft geschleudert wurde und die schroffe, wilde Westküste, die eher weniger zum schwimmen und mehr, um sie nur aus der Nähe zu beobachten, eingeladen hat.

Weiter ging es Richtung Cape Foulwind, was nur noch wenige Kilometer von Westport entfernt lag und eine Vielzahl von Möglichkeiten bot, eine ganz andere Seite der Westküste zu entdecken: ruhige, windgeschützte Strände und sich friedlich sonnende Seebären. Aber auch, wenn mir beides mittlerweile definitiv nicht mehr neu war, war dieser Ort völlig unvergleichbar mit dem, was ich bis jetzt schon gesehen habe und hatte etwas ganz Eigenes, Besonderes. Der Wanderweg, dem ich gefolgt bin, führte an steilen Abhängen entlang, von denen man einen perfekten Ausblick auf die isolierten Buchten des Kaps hatte, über Weidelandschaften, wobei die Pflanzen durch den orkanartigen Wind schon so stark geneigt waren, dass es aussah, als wäre man auf einem anderen Planeten gelandet. An diesem Ort wächst das Gras waagerecht und es lassen sich Seebärenbabies dabei beobachten, wie sie versuchen, das erste Mal alleine von Fels zu Fels zu robben. Das Highlight für mich war letztendlich aber das große Fernglas am Ende, mit dem man bis nach Wall Island schauen und so noch mehr planschende Robben beobachten konnte. Ein unglaublich idyllischer, friedlicher und schöner Ort, der mir aufgrund seiner Einzigartigkeit als einer der Schönsten in Neuseeland in Erinnerung bleiben wird.

(leider hatte ich Fettfinger auf der Linse, weswegen die Fotos unscharf geworden sind, deswegen hier ein paar random Bilder von Palmen, einem Oldtimer und Hortensien. 😄)

 

Abel Tasman Nationalpark

Nachdem ich zwei Nächte in Westport verbracht hatte, ging es Richtung Nelson, ein Mal quer rüber in den nördlichen Teil der Südinsel. Die Fahrt dort hin war öde, anstrengend und lang und nachdem ich endlich in Richmond, einem Ort nur ein paar wenige Minuten von Nelson entfernt, angekommen war, war ich ziemlich froh, einfach nur schlafen und mich auf den nächsten Morgen freuen zu können, an dem es schon ziemlich früh in den Abel Tasman Nationalpark gehen sollte.

Um den Nationalpark auf so viele verschiedene Arten wie möglich erleben zu können, habe ich mir für den ersten der drei Tage, die ich im kleinsten (aber wahrscheinlich paradiesischsten) Nationalpark Neuseelands verbringen wollte, vorgenommen, den Park zu allererst vom Wasser aus zu erkunden, da die türkisblaue, glasklare See das wohl größte Markenzeichen des Abel Tasman darstellt.

Im kleinen Kaiteriteri, direkt am goldgelben Strand gelegen, startete ich am ersten Morgen mit dem Kajak und paddelte mit sechs anderen Leuten für gut drei Stunden an den Buchten und an der Küste des tasmanischen Meers entlang. Auf dem Weg konnte man die schönste Aussicht überhaupt genießen: rechts das scheinbar unendliche, blaue Meer und die Silhouette des anderen Endes der Insel im Hintergrund, und auf der linken Seite sämtliche abgelegene, menschenleere, traumhafte Buchten, die einen glatt hätten denken lassen können, man hätte kurz einen Ausflug in die Südsee gemacht.

Das Wasser am Morgen war unglaublich ruhig, es ging so gut wie kein Lüftchen und der Himmel war strahlend blau – eine perfektere Voraussetzung für eine Runde Kajaking gibt es wohl kaum. Nachdem mein Hintermann (oder -frau), ein gleichaltriges deutsches Mädchen, sich an die etwas gewöhnungsbedürftige Lenkung des Kajaks gewöhnt hatte, ging es ziemlich gleichmäßig und gemütlich voran und nach über einer Stunde Non-Stop paddeln, taten uns schon ziemlich die Arme weh und das erste Mal konnte ich nachvollziehen, warum man das ganze als Paddelsport bezeichnet. Als wir den perfekten Strand gefunden hatten, den wir komplett für uns allein haben konnten, hatten wir dort die Möglichkeit, eine kleine Lunchbreak einzulegen (unser Guide hatte sogar Tassen, eine Thermoskanne mit Kaffee und Kekse dabei – total niedlich) und einfach den Ausblick zu genießen, vielleicht sogar einen Sprung ins Meer zu wagen. Von da aus konnte man auch den Split Apple Rock wunderbar betrachten, den wir zuvor dicht umpaddelt und von jeder Seite bewundert hatten.

Von unserem kleinen Privatstrand ging es dann wieder Richtung Ausgangspunkt, diesmal saß ich hinten im Kajak und durfte, mehr oder weniger erfolgreich, die Lenkung übernehmen. Nachdem wir ungefähr 50 Meter in die falsche Richtung abgedriftet und endlich wieder auf den richtigen Weg gekommen waren, wurde es zu allem Übel auch noch total windig und mit dem Wind gingen natürlich auch ziemlich große Wellen einher. Total überfordert versuchten wir also, das Kajak auszubalancieren und schon mal all unsere Sachen in einem der DryBags zu verstauen dass, falls wir über Brod gehen sollten, wenigstens die Kamera und das Handy trocken bleibt.

Kurz nachdem wir uns schon gefreut hatten, den Wellengang ohne zu kentern überstanden zu haben, kam eine überdimensionale Welle und schlug einmal direkt über uns ein, schwappte über das Kajak und ließ uns und unsere kleinen Sitzlöcher klitschnass zurück. Das Ganze war letztendlich aber eigentlich viel lustiger, als es sich vielleicht anhört und wir haben die kleine Erfrischung einfach nur genossen, und generell während der ganzen Tour eine Menge Spaß gehabt. Mir hat diese Art, den Park kennen zu lernen, total gut gefallen, es war eine coole Erfahrung und vor allem für mich, eine Kajak-Jungfrau, auch ein bisschen aufregend. Die Aussicht war toll, unser Guide total sympathisch und die Stimmung ausgelassen – einen besseren Start in meine Reise durch den Abel Tasman Nationalpark hätte ich mir nicht vorstellen können.

Die Nacht habe ich auf einem Campingplatz (der Weg dort hin war wahrscheinlich bis jetzt der schlimmste, den ich jemals gefahren bin und fahren werde, siehe Karte) mitten im Nirgendwo, ohne Empfang und Strom aber dafür direkt am Strand verbracht. Wenn dann noch aller 5 Minuten ein Pukeko schreiend vorbei rennt, ist das ich-befinde-mich-gerade-mitten-in-der-Wildnis-Feeling komplett.

Den nächsten und letzten Tag, an dem ich den Nationalpark erkunden wollte, habe ich damit verbracht, dies zu Fuß zu tun, indem ich einen Teil des populärsten Tracks der Region gelaufen bin – den Abel Tasman Coastal Track. Da dieser zu den Great Walks Neuseelands gehört, ich aber ungern mehrere Tage am Stück unterwegs sein wollte, habe ich mir einfach ein Stück heraus gesucht, in meinem Fall die Strecke vom Totaranui Campground zur Anapai Bay. Ein relativ kurzer, aber ziemlich steiler Wanderweg führte mich also bei 30 Grad und, mal wieder, 100% Luftfeuchtigkeit, durch einen Wald voller riesiger Nikau-Palmen, Farnen und permanent durchzogen von einem unbeschreiblich frischen, blumigen Geruch und endete schließlich an einem Strand, an dem weit und breit nichts und niemand, außer klares Wasser und goldener Sand zu sehen war.

Mir ziemlich sicher, dass ich noch nie eine so perfekte und malerische Bucht gesehen habe, blieb mir nichts anderes übrig, als mich in den warmen Sand zu legen, Vitamin D zu tanken, dem Rauschen der großen, schaumigen Wellen zu zu hören und habe so bestimmt den halben Tag am Strand verbracht. Ich hätte auch gern dort übernachtet. Letztendlich hätte ich auch locker noch zur nächsten Bucht wandern können, entschied mich aber dann aufgrund des unangenehmen Klimas und dem Fakt, dass ich mir sicher war, dass keine der anderen Buchten noch schöner sein könnte, dafür, gegen Abend den Rückweg wieder an zu treten und nochmal die frische Regenwald-Luft zu genießen, bevor ich mich vom Abel Tasman Nationalpark und bald auch von der Südinsel verabschieden musste. Doch bevor dieser Moment überhaupt kommen konnte, wartete noch ein großer Zipfel nördlich der Golden Bay darauf, von mir erkundet zu werden.

Am nächsten Morgen habe ich den Campingplatz früh verlassen. So früh, dass ich genügend Zeit hatte, die insgesamt 5 Stunden Fahrt zurück nach Nelson zu meistern und so viele Zwischenstopps einlegen zu können, wie ich wollte. Ganz oben auf meiner Liste standen die Te Waikoropupū Springs, eine der klarsten Süßwasserquellen der Welt. Ein kurzer Weg führte vom Parkplatz aus an die Quellen, wobei man sich fühlte, als hätte man innerhalb 10 Minuten eine komplett andere Welt betreten. Da der Ort in der Maori-Kultur heilig und deswegen das Berühren oder Trinken des Wassers streng verboten ist, herrschte an den Quellen eine beruhigende Stille, was man sonst von einer Touristenattraktion eher weniger gewohnt ist.

Nachdem ich die Ruhe und die wunderschönen Blau- und Grüntöne eine Weile genossen hatte, machte ich mich auf den Weg zum nächsten Halt: Cape Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel. Nach unzähligen einspurigen Brücken, die ich auf dem Weg dort hin überqueren durfte und nachdem mich der starke Wind 10 Mal fast in den Seitengraben getrieben hatte, kam ich endlich am Kap an. Was am Ende einer 10 km langen Schotterstraße lag. Ich liebe es.

Bevor ich aber zum eigentlichen Cape Farewell lief, entdeckte ich nur ein paar hundert Meter weiter einen Weg, der zum für Robbenbabies und seine unendliche Dünenlandschaft bekannten Whararaki Beach führte. Nach einer halben Stunde Fußweg stand ich auch schon auf einer der Dünen und konnte auf den gesamten Strand herabschauen. Nach einer ziemlich anstrengenden Dünenwanderung war ich endlich am Strand angekommen, umgeben von riesigen Felsen und schneeweißem Sand. Nach ein paar Minuten entdeckte ich auch schon den ersten Seebären, der in einer der von der Flut mit Meerwasser gefüllten Pools spielte. Außer ein paar einzelnen Menschen war weit und breit keiner zu sehen und man konnte den Strand ungestört von Anfang bis Ende ablaufen und dabei das ziemlich warme Wasser und den warmen Sand genießen. Am Wharariki Beach habe ich ein bisschen Zeit verbracht, bevor ich mich schließlich auf den Weg zum Cape Farewell machte. Auf einem Hügel, umgeben von hunderten, blökenden Schafen, hatte man eine atemberaubende Aussicht auf das letzte bisschen Land der Südinsel, bevor man nur noch in die scheinbar unendlichen Weiten der Tasmanischen See blickte. Steile Klippen, ungezähmte Wellen und wilde Seevögel – an diesem Punkt hat man sich wirklich gefühlt, wie am Ende der Welt.

 

Nelson & Cook Strait Ferry

Da es mittlerweile schon ziemlich spät war, beschloss ich, den Rückweg vom Kap wieder ganz nach unten Richtung Nelson anzutreten und kam dort, nach über 3 Stunden Fahrt und nachdem ich mich irgendwo auf dem Weg in einem kleinen Örtchen selbst auf einen Kaffee und Fish and Chips eingeladen hatte, auch endlich an.

Die letzten Tage bevor meine Fähre wieder auf die Nordinsel übersetzen sollte, habe ich in Nelson verbracht, die meiste Zeit davon aber eigentlich auf dem Campingplatz, oder besser gesagt, im angebauten Pool. Es wurde jeden Tag wärmer und eigentlich war ich einfach zu faul, irgendetwas abenteuerliches zu unternehmen. Trotzdem wollte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, auch die Stadt ein bisschen kennen zu lernen, was ich mir dann auch für meinen vorletzten Tag auf der Südinsel vorgenommen hatte. Eines der coolsten Dinge, die es dort zu sehen gab, war das Juweliergeschäft des Goldschmiedes, der sowohl für die Trilogie Herr der Ringe, als auch für den Hobbit, „den Ring“ hergestellt hat, dessen Replikat dort auch ausgestellt war.

Ein anderer Ort, der einen wunderschönen Blick über ganz Nelson und den Tasman Bay bis hin zum Abel Tasman Nationalpark versprach, war das nur durch eine kurze aber extrem steile Wanderung erreichbare Centre Of New Zealand. Oben angekommen, wurde die Tortur mit einem wirklich wunderschönen Ausblick und einer angenehmen Brise belohnt und langsam wurde mir auch klar, dass ich mich langsam aber sicher von der Südinsel und all ihren schönen Seiten verabschieden musste, denn schon am Abend dieses Tages kam ich im kleinen Hafenörtchen Picton an, wo am nächsten Morgen früh zeitig meine Fähre zurück nach Welington abfahren sollte und wo meine Reise vor gut 4 Monaten begann.

Bei der Suche nach einem Plätzchen, an dem ich meine letzte Nacht auf der Südinsel verbringen konnte, landete schließlich im Hinterhof eines mehr oder weniger abgewrackten Hostels im Zentrum von Picton. Schon die Dame an der Rezeption war ganz klar nicht mehr ganz knusper, hatte wahrscheinlich auch schon die ein oder andere Line gezogen und führte mich zu meinem Parkplatz, wo ich in meinem Van schlafen und für nur $15 Toiletten, Duschen und die Küche benutzen durfte. Der Stellplatz befand sich direkt an der Hauswand eines Alkoholikers, den die Besitzerin nett grüßte, als würden sich die Beiden schon ewig kennen. Meine Nacht war demzufolge unruhig und mir war es ziemlich unangenehm, so nah an seinem Haus stehen. Noch dazu hüpfte ständig eine dreibeinige, schwarze Katze über den Hof, was die ganze Situation nicht wirklich weniger gruselig machte. Gott sei Dank war meine Nacht sowieso um 6 schon vorbei, da das Check-In für die Fähre schon um 7 Uhr losging.

So wurde es also allmählich Zeit, mich von der Südinsel zu verabschieden. Trotz, dass ich mich unheimlich sehr freue, die Nordinsel kennenzulernen und dort die nächsten Monate zu verbringen, fiel es mir doch schon ziemlich schwer, die Küste langsam verschwinden zu sehen, während ich da so auf der Fähre stand und beobachtete, wie die ersten Sonnenstrahlen auf die wunderschöne Insel fielen. Da soll mir mal einer sagen, wie man da nicht sentimental werden soll.

Meine Reise durch die komplette Südinsel war wunderschön, ich habe Dinge gesehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, Freunde für’s Leben gefunden und einfach die beste Zeit überhaupt gehabt. All die schneebedeckten Gipfel der Southers Alps, die schroffen Küsten an der Westküste, das blaue Wasser auf Stewart Island, die goldenen Strände des Abel Tasman Nationalparks und den grünen Regenwald im Fiordland werde ich unheimlich vermissen und bin gleichzeitig unfassbar froh, die Möglichkeit und die Zeit gehabt zu haben, jede Ecke der Südinsel zu erkunden und sie von ihrem südlichsten, bis hin zu ihrem nördlichsten Punkt in vollen Zügen genießen und zu einem Teil von mir selbst werden lassen konnte. Ich habe jede Sekunde genossen und lasse dieses wunderschöne Stückchen Land mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück und freue mich auf das, was mich auf der Nordinsel Neuseelands erwartet!

 


 

Hier noch einmal die komplette Route, der ich während meiner Reise durch die Südinsel gefolgt bin:

(Natürlich konnte ich aufgrund der begrenzten Anzahl an Stopps nicht alle besuchten Orte einzeichnen, beispielsweise die Überfahrt nach Stewart Island, die Tranzalpine Journey von Christchurch nach Greymouth oder kleine Details konnte ich nicht mit aufnehmen, totzdem wird die Idee hinter der geplanten und umgesetzten Route denke ich klar und wer wissen möchte, wo ganz genau ich entlanggefahren bin, findet eine detaillierte Karte am Anfang jedes Beitrages.)

Und damit verabschiede ich mich und hoffe, wir lesen uns das nächste Mal wieder,

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