Diesel-Lecks, Surferboys und meine ganz private Inseltour – South Island Solotrip (Dunedin, The Catlins & Stewart Island) 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟏𝟎 (Teil 1)

Dunedin

Nachdem Merle aus dem Hostel, in dem wir die letzte Woche verbracht hatten, „ausgezogen“ war und ich eine Menge Freizeit hatte, da es permanent regnete (doch dazu musste ich einige Tage später eine nicht ganz so angenehme Erfahrung mit einer Tsunami-Warnung machen, die aufgrund eines Erdbebens in Neukaledonien ausgerufen wurde) nutzte ich die Zeit, um mich und meinen Van auf den nächsten Roadtrip vorzubereiten. Dazu gehörte natürlich ein Großeinkauf, der mich auf einige Zeit irgendwo in der Pampa vorbereitete, das Besorgen von Dingen, die noch fehlten und, was eigentlich schon längst nötig gewesen wäre, Betty wiedermal von Kopf bis Fuß, oder eher von der Frontschürze bis zum Heck, durchchecken zu lassen, da sie schon längere Zeit ständig eine nicht mehr übersehbare Menge Öl verlor.

Da der WOF (ähnlich wie der deutsche TÜV) sowieso in ein paar Wochen fällig gewesen wäre, hatte ich, das direkt zu erledigen, auch mit eingeplant und habe mich ein paar Tage, bevor mein erster großer Solotrip beginnen sollte, auf den Weg zum nächsten Auto Centre gemacht. Nachdem ich meine Sorge um Betty und ihr Öl-Leck geschildert hatte, durfte ich im Warteraum Platz nehmen und wartete dort ziemlich genau eine Stunde. Währenddessen war gefühlt die ganze Belegschaft an meinem Fall dran und ich habe ständig mitfühlende Blicke und viele „Oh, Dear“s bekommen, wenn die Mechaniker an mir vorbei liefen. Ganz schlechtes Zeichen. Gefasst auf das Schlimmste, hörte ich mir dann das Ergebnis, was bei dem Check herausgekommen war, an, und wer hätte es gedacht (ich nicht), es war schlimmer als das Schlimmste: kein Öl, sondern Diesel tropfte aller 30 Sekunden aus dem Motor heraus. So gut wie unbezahlbar. „Schau‘ dich lieber gleich nach einem neuen Auto um.“

Natürlich war ich völlig hinüber und so gar nicht auf eine Situation wie diese vorbereitet und so fuhr ich total geknickt zurück zum Hostel, nachdem ich bereits einen neuen Termin für den Tag darauf hatte um, gemeinsam mit den Mechanikern, auf Grundlage des Preises der Reparatur zu entschieden, ob ich meine Betty behalte, oder eben nicht. Die Nacht habe ich kaum geschlafen, obwohl mir all die Leute, mit denen ich danach gesprochen habe, und insbesondere meine Eltern, versichert hatten, gemeinsam schon eine Lösung zu finden und mir rieten, einfach erstmal abzuwarten. Was definitiv leichter gesagt, als getan war. Wie sollte ich mir auch ein neues Auto besorgen, wo ich doch schon so viel Mühe, Zeit und Geld in Betty investiert, mir ein Zuhause eingerichtet und mich daran gewöhnt hatte? Wie sollte ich ein 25 Jahre altes Auto auch kurzfristig loswerden und daran noch wenigstens etwas verdienen? Und wo sollte ich thousands of Dollars“ herbekommen, ohne danach völlig Pleite zu sein?

Am nächsten Morgen bin ich total aufgeregt und voller Angst wieder in die Werkstatt gefahren, diesmal wirklich gefasst auf das ALLERSCHLIMMSTE. Herausgestellt hat sich dann, dass die Kraftstoffpumpe (ich hoffe, dass das die richtige Übersetzung für „injector pump“ ist, if not, don’t blame me, I’m not a mechanic) undicht war, sowie der Zahnriemen ausgetauscht, die Wasserpumpe ersetzt werden musste UND mein Auto nicht durch den WOF käme, wenn nicht eines der Fernlichter, mein abgeflogener linker Außenspiegel, das abgefahrene Blinklicht und die defekte Batterieklemme ersetzt, ausgetauscht oder repariert werden würde. Und das alles zu einem Schnäppchenpreis von $2352. Perfekt.

Trotz, dass ich bei tausenden Dollarn mit deutlich mehr gerechnet hätte, war das doch schon eine große Menge Geld, die ich zudem nur zahlen musste, da mein bescheuerter Vorgänger nichts, aber absolut GAR NICHTS an dem Auto hat machen lassen und es einfach verkommen lassen hat, um es in einem grottenschlechten Zustand an mich weiterzuverkaufen. Ganz im Gegensatz zu mir waren meine Eltern am anderen Ende der Welt wiederum auf genau so eine Situation, in der ich in kurzer Zeit einen Batzen Geld brauchte, vorbereitet und hatten mir tatsächlich für solche Momente noch etwas Kleingeld zurückgelegt. Noch dazu kam, dass mir auch der Rest der Familie etwas dazu beigesteuert hat. Wenn ihr das lest, wovon ich stark ausgehe: ihr seid einfach die Besten.

Und so konnte ich Betty mit gutem Gewissen in der Werkstatt zurücklassen und mich auf ein danach hoffentlich sicheres, repariertes Auto freuen, was ich einerseits am Ende meiner Reise für mehr Geld verkaufen können würde und andererseits gewappnet ist für alle Roadtrips, die während meines Ausalndsjahres noch kommen werden. Zurück zum Hostel gebracht hat mich Shawn, einer der Mechaniker (ich wünschte, es wäre Mendes gewesen), mit dem ich mich einfach total gut verstanden habe und so wusste, dass mein Auto und mein Vertrauen bei ihm in guten Händen wären. Total erleichtert und dankbar bin ich dann in mein Hostelzimmer (was ich ganz nebenbei gesagt über eine Woche ganz für mich alleine hatte) gekommen und habe die anschließenden Tage zwar ohne Betty, aber diesmal wenigstens mit Sonnenschein verbringen können.

Diese Gelegenheit habe ich natürlich genutzt und bin ein bisschen durch Dunedin gelaufen, habe mir den hübschen Bahnhof, ein bisschen Street Art, die alte Kirche, die Chinese Gardens und die Innenstadt Dunedins angeschaut. Um auch die Gegend außerhalb des Stadtzentrums ein bisschen zu erkunden, habe ich mir an einem der 6 Tage, in denen ich auf mein Auto warten musste, ein Fahrrad ausgeliehen, um auf die Halbinsel Dunedins zu radeln. Mein Fahrrad wurde mir Morgens direkt vor mein Hostel geliefert und an einem Pfahl angeschlossen, woraufhin ich eine Nachricht bekam, in der stand, ich solle das Rad bitte Abends wieder an der selben Stelle anschließen und viel Spaß haben. Easy as.

Mit meinem Handy im Rucksack und Google Maps im Ohr bin ich also losgeradelt und musste wenig später feststellen, dass ich mir den wohl windigsten Tag in der Geschichte der Menschheit ausgesucht hatte. Zu meinem Glück führte der Weg auf die Halbinsel auch direkt an der Küste entlang und so wurde ich teilweise so nah an den Rand gedrängt, dass ich mich dazu entschied, lieber zu schieben, als zu sterben. Nachdem mich schon die Bauarbeiter fragten, ob ich einen Platten hätte und eine Mitfahrgelegenheit bräuchte, habe ich mich dann doch wieder auf meinen Drahtesel geschwungen und bin trotz, dass mir die Räder vom Wind förmlich weggezogen wurden, noch ein ganzes Stück weitergefahren. Nachdem ich mich dann einen extrem steilen Berg heraufgequält hatte und mittem im Wald am Ende des Schotterweges stand, musste ich mir selbst eingestehen, dass es eine beschissene Idee war, mir so viel vorzunehmen UND dass ich mich verfahren hatte. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Google Maps, good job.

Obwohl ich absolut keinen Nerv mehr hatte und mir schon alles weh tat (zu diesem Zeitpunkt bin ich schon gut 20 km gefahren), wollte ich nicht wirklich einfach wieder nach Hause radeln und habe mir ein neues Ziel gesucht. Einen Strand, der sich in der Nähe befand (so sah es zumindest auf der Karte aus) und zu dem auch tatsächlich ein Weg hinführte. Dass dieser aber durch einen riesigen Friedhof führte, hatte mir davor keiner gesagt und so radelte ich an hunderten Gräbern vorbei, bis ich endlich und nach fast 30 Kilometern, an einem wunderschönen Strand mit türkisblauem Wasser und weißem Sand angekommen war. Dort habe ich dann natürlich erstmal ein Weilchen vebracht, wurde Zeuge eine ziemlich molligen Paares das, aufgrund ihrer Faulheit an den Strand zu laufen, mit ihrem Auto im Sand stecken blieb. In diesem Moment ist mir mal wieder klar geworden, wie gut spontane Dinge, die passieren, ohne dass man es überhaupt wollte, sein können und wie verdammt angstrengend diese Fahrt eigentlich war. Am Ende des Tages bin ich über 40 Kilometer gefahren, habe wahrscheinlich 30 Fliegen eingeatmet und hatte 5 Nahtoderlebnisse, war aber trotzdem unheimlich glücklich, Dunedin auf diese Art und Weise kennengelernt und so viel von dieser schönen Stadt gesehen zu haben.

Nach insgesamt 6 Tagen hatte das Warten endlich ein Ende und ich konnte meine Betty wieder aus der Werkstatt holen. Und glaubt mir Leute, ich habe mich noch nie so sehr über einen Außenspiegel gefreut. 😄 Generell war es ein tolles Gefühl, endlich sagen zu können, dass an meinem Van nichts mehr fehlt, kaputt oder gefährlich ist (die Reaktion, die stattgefunden hätte, wenn der Diesel auf eine heiße Oberfläche getropft wäre, hätte auch einfach das ganze Auto inklusive mir selbst in die Luft jagen können, es war also absolut nicht mehr spaßig) und somit stand dem nächsten Roadtrip nichts mehr im Wege. Außer vielleicht, das schimmlige Toast aus dem Regal zu entfernen, was nach drei Tagen in der prallen Sonne langsam Anfing, Beine zu bekommen. Und so bin ich in mein nächstes Abenteuer gestartet, nämlich die Ostküste, den Süden und das Fiordland zu bereisen.

meine Route für die Ostküste (natürlich nur grob eingezeichnet)

 

East Coast

Los ging’s mit einem Trip zum Tunnel Beach, der sich nur wenige Minuten außerhalb von Dunedin befindet und wo riesige Wellen an steile Kliffhänge schlagen. Der Wind an diesem Ort war heftig und hat mich fast aus meinen süßen Gummistiefeln gehoben, aber trotz Sturm und Regen war der Strand wirklich total schön, irgendwie aber auch bedrohlich und schon bei dem Gedanken daran, am Abgrund zu stehen und 10, 15 Meter in die Tiefe fallen zu können, wurde mir ganz anders.

Weiter ging’s Richtung Nugget Point Lighthouse und Slope Point, wobei Letzteres einen ganz besonderen Ort darstellt, nämlich den südlichsten Punkt der Südinsel. Auf dem Weg zum Nugget Point konnte man aus der Höhe Robben unten im Wasser beobachten, die ihre Runden drehten oder sich sonnten und oben angekommen, hatte man eine tolle Aussicht auf riesige Felsbrocken, die einfach so aus dem Wasser zu ragen schienen, die sogenannten „Nuggets“. 

Später am Tag bin ich dann am eben genannten Slope Point angekommen, ein Ort, der mich wirklich extrem in seinen Bann gezogen hat. Man muss sich nur vorstellen, dass nach diesem Stückchen Land, auf dem ich tatsächlich auch stand, nichts mehr kommt, außer der Pazifik und irgendwann die Antarktis. Man muss dort gewesen sein, um diese Stimmung, die dort herrscht, den Sturm, der es einem schwer macht, überhaupt gerade zu stehen und das Gefühl, dass man hat, wenn man am Hang, der 20 Meter tief abfällt, steht, nachempfinden zu können. Das coolste an der ganzen Sache war aber immer noch, dass ich eine Art Bucht entdeckt habe, die exakt aussah, wie die Südinsel Neuseelands. Wie cool ist das bitte?!

Natürlich habe ich mir auch einen kleinen Abstecher in den Catlins Forest Park nicht nehmen lassen, an dem die meisten Touristen einfach vorbeifahren. Dort habe ich mehrere kleine Wanderungen zu majestätischen Wasserfällen, wie zu den McLean oder Purakanui Falls unternommen, die mir mal wieder vor Augen geführt haben, wie unglaublich schön und einzigartig Neuseelands Natur ist und wie klein ein 1,70 m großer Mensch scheint, wenn er vor einem 22 m hohen Wasserfall steht, von dem sekündlich hunderte Liter Wasser mit einer ungglaublichen Kraft tosend in die Tiefe fallen. Je südlicher ich fuhr, desto bemerkbarer machte sich auch der Fakt, dass ich mich mittlerweile nicht mehr weit weg vom regenreichsten Gebiet Neuseelands befand, da es mir täglich mehr als 97% Luftfeuchtigkeit anzeigte und es dementsprechend auch einfach nur unfassbar unangenehm feucht und warm war.

Die Nacht zwischen den zwei Tagen, die ich in den Catlins verbracht habe, bevor ich im Süden in Bluff angekommen bin, habe ich auf einem DOC-Campingplatz direkt am Meer verbracht, auf dem sich morgens zwischen all den Autos und Zelten hunderte Schafe tummelten. Direkt am Strand schlafen zu können ist immer noch mein Favorit, auch wenn es nur ein Plumsklo gab und nur eine 9 Kilometer lange Schotterpiste zum abgelegenen Campingspot führte. Wenigstens konnte ich direkt aus dem Auto süße Surferboys beobachten und konnte meinen Tag mit einem Apple Cider bei Sonnenuntergang am Strand verbringen, 10 Schritte von meinem Bett entfernt. Ohne Empfang und Internet. Nur ich, mein Cider, das Blöken der Schafe und das Meeresrauschen. Life at it’s best.

 

     

Stewart Island

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht (es war ziemlich kalt im Van), ging es für mich auf die drittgrößte Insel Neuseelands – Stewart Island. Da ich erst ziemlich spät gemerkt habe, um exakt 9.40 Uhr, wenn ihr es genau wissen wollt, dass ich den Campingplatz bis um 10 Uhr verlassen haben musste, blieb weder Zeit zum Frühstücken, noch um meinen Rucksack richtig zu packen. Beides habe ich dann auf den Parkplatz vor dem Supermarkt verschoben, wo ich erstmal genüsslich ein warmes, buttriges Croissant und ein Chicken Sandwich verspeist habe, während ich darauf wartete, dass die Zeit schneller herum ging, da meine Fähre nach Stewart Island erst nach Mittag abfahren sollte. Wie es Gott wollte, hat auch der Nachtisch nicht lange auf sich warten lassen, da auf einmal ein kleines Mädchen einer Kindergartengruppe an meine Autoscheibe klopfte, um mir einen kleinen Beutel mit selbstgemachten Keksen und Süßigkeiten zu geben und mir Happy Holidays zu wünschen. Ich liebe Neuseeland einfach.

Nachdem ich dann auch endlich meinen Backpack komplett vollgepackt hatte (der, obwohl ich nur 2 Nächte auf Stewart Island geplant hatte, fast genauso schwer war, wie als ich nach Neuseeland gekommen bin), habe ich mich langsam auf den Weg zum Terminal gemacht, mein Auto abgeparkt, eingecheckt und darauf gewartet, dass es endlich losgeht. Die Fähre an sich war eher ein etwas größerer Katamaran, mit gemütlichen Sitzen und riesigen Fenstern. Nachdem ich einen Fensterplatz ergattert hatte, was nicht schwer war, da wir sowieso nur 5 Personen waren, ging der Ritt auch direkt los, und wenn ich Ritt sage, dann meine ich einen einer Achterbahnfahrt gleichenden Horrortrip. 😄 Wie sich später herausstellte, war die Hinfahrt nichts im Gegensatz zur Rückfahrt, bei der riesige Wellen auf extremen Wind von der entgegengesetzten Seite trafen, das Boot sich so starkt neigte dass man sich schon fragen musste, wie sowas überhaupt möglich ist und sich die Hälfte der Leute schon auf die Sitze legte, um dieses Spektakel überstehen zu können, ohne die ganze Sitzreihe voll zu reihern. Es wäre verständlich gewesen. Letztendlich sind wir alle, ohne, dass sich irgendjemand übergeben musste, zwar etwas verängstigt aber glücklich auf Stewart Island angekommen. Da sich Luftdruck und Wetter über diese Stunde sehr stark geändert haben und diese Tatsache bei mir wummernde Kopfschmerzen ausgelöst hat, bin ich mit meinem 50 Kilo Rucksack auf dem Rücken erstmal zu einem Hostel gelaufen, habe mir einen Campingplatz reserviert, mein Zelt aufgebaut und ein Nickerchen gemacht.

Kurz vor Sonnenuntergang habe ich mich dann auf Kiwisuche begeben, ausgerüstet mit Rotlichtlampe und 4 Klamottenschichten. So habe ich ungefähr 2 Stunden im Busch gewartet, dass sich eines dieser kleinen Tierchen blicken lässt, leider vergeblich. Schon auf dem Weg zurück zum Campingplatz wurde mir klar, dass ich die Nähe zur Antarktis deutlich unterschätzt hatte und mir der eiskalte Wind wahrscheinlich eine eher ungemütliche Nacht bescheren könnte. Und genau so war es dann auch. Trotz vieler Schichten Pullover, Shirts und Jacken plus Decke, Mütze und Schlafsack war es so unfassbar kalt, dass ich Nachts aufgewacht bin, und das nicht nur einmal. Dazu kam noch das extrem laute Schnarchen aus dem Zelt neben mir und der andauernde Regen, der bei mir schon Zweifel hat aufkommen lassen, ob ich mir die richtigen Tage für diese Reise ausgesucht hatte.

Am Morgen darauf war ich zwar nicht wirklich ausgeschlafen, aber trotzdem motiviert und aufgeregt, da mir der Tag bevor stand, an dem ich Stewart Island endlich richtig erkunden wollte. Trotz, dass für eine gefühlte Ewigkeit das Wasser und der Strom am Morgen abgestellt wurden und ich mich nicht wirklich gut auf meinen Trip vorbereiten konnte, habe ich mir dann ein paar Minuten später meinen Rucksack geschnappt und mich auf die Socken zu meinem ersten Halt gemacht: einem Motor Scooter Verleih. Da Oban, die einzige kleine Siedlung auf der Insel, auf der übrigens nur knapp 400 Menschen leben, ziemlich überschaubar ist, brauchte ich dafür nur ein paar Minuten und war auch nur ein paar Minuten im Verleih, um direkt wieder weggeschickt zu werden. Der Grund dafür: zu wenig Erfahrung (mit Automatikrollern.)

Ein ganz klein wenig genervt bin ich dann zu einem Elektrofahrradverleih gelaufen der, wie hätte es auch anders sein können, gerade nicht besetzt war. Zum Glück bin ich aber ja in Neuseeland und so hat ein kurzer Anruf genügt und ein paar wenige Minuten später kam ein Kiwi (kein Vogel, sondern ein Einheimischer) in Gummistiefeln um die Ecke um mir eines der Fahrräder zu überreichen. Nach einer ersten kleinen Runde die ich mit dem Teil gedreht hatte war klar, dass das nicht nur was für Omis ist, die nicht mehr richtig in die Pedale treten können, sondern diese Drahtesel ein richtiges Upgrade bekommen haben und man damit mit gut 40 Sachen durch die Straßen düsen kann. So bin ich dann also für ziemlich genau 2 Stunden einmal über die komplette Insel geradelt (vielleicht habe ich auch permanent nur das Gas benutzt und auf volle Power geschalten, wer weiß?), vorbei an wunderschönen Stränden, durch Regenwald und hoch auf tolle Aussichtspunkte. Letztendlich war das das Beste, was ich hätte machen können, da ich fast genauso schnell war, wie ich es mit einem Roller gewesen wäre, aber einfach ständig anhalten und auch Wege entlangfahren konnte, die für normale Fahrzeuge unzugänglich sind. So konnte ich mir von Stewart Island einen ersten Eindruck verschaffen und musste feststellen, dass diese kleine Insel so wunderschön, idyllisch und frei von störenden Verkehrsgeräuschen ist, dass es einfach total ungewohnt ist, nur Vogelgezwitscher und Meeresrauschen hören zu können. Es war einfach paradiesisch.

Nachdem meine 2 Stunden um waren, hatte ich noch genau 1 1/2 Stunden Zeit, um mich auf das nächste Abenteuer vorzubereiten: eine Fahrt auf Ulva Island, einer Insel, die größtenteils komplett unberührt ist und das Neuseeland wiederspiegelt, das es vor vielen tausenden Jahren mal war. Meiner Deutschen Pünktlichkeit verschuldet, war ich natürlich wieder eher da, als alle anderen und habe mir auch nichts dabei gedacht, als 15 Minuten vor Abfahrt noch niemand, außer eben ich, im Warteraum saß um auf’s Boot geholt zu werden. Aber auch nach weiteren 15 Minuten war ich noch die Einzige. Als dann die Frau, die später dann mein Guide für den Trip auf Ulva Island war, in den Raum kam, war es offiziell: ich hatte eine komplette Fahrt auf einem nicht ganz so unluxuriösen Katamaran ganz für mich allein.

Nachdem ich mich auch mit dem lustigen Kapitän und einem anderen Skipper bekannt gemacht hatte, ging sie auch schon los, meine private Bootstour auf eine abgelegene Insel. Während der Katamaran noch in der Bucht vom Golden Bay Richtung offenen Ozean schipperte, wurde ich gefragt, was ich denn gerne sehen würde und wo mich mein ganz persönlicher Kapitän hinchauffieren sollte. Da ich mich bei dieser Entscheidung ganz auf die Einheimischen verließ, ging es Minuten später zu einem kleinen abgelegenen Strandstück auf einer Insel, die zwar nicht mit zur eigentlichen, sondern eher zur ‚verbotenen‘ Route gehörte, auf der aber nur wenige Tage davor Seelöwen gesichtet wurden. So stand ich also mit einem Latte in der einen und einem Fernglas in der anderen Hand auf Deck und konnte riesige, sonnenbadende Seelöwen beobachten, die später sogar so nah ans Boot kamen, wie es Kapitän, Skipper und Guide so nur selten erlebt haben.

Vorbei an Zwergpinguinen, Albatrossen und Kormoranen ging es dann zum eigentlichen Ziel: Ulva Island. Nachdem das Boot angelegt hatte, haben wir uns auf den Weg gemacht, die Insel zu erkunden. Es brauchte wirklich nicht lange und es war klar, dass dieser Ort einer der beruhigendsten, schönsten und artenreichsten ist, den ich jemals besucht habe. Hunderte verschiedene Vogelgesänge (die mein Guide einfach so und ohne viel Anstrengung einem bestimmten Vogel zuordnen konnte), Pflanzen und Geschichten gab es zu hören, zu sehen und zu erzählen und man wusste gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte, da sich hinter jeder Ecke etwas neues, exotisches und seltenes versteckte. Zu all den coolen Geschichten, wie Maoris ihre Nahrung und ihr Werkzeug aus den verschiedensten Pflanzen hergestellt haben, gab es auch die ein oder andere Kostprobe von Gewächsen, die man früher fest in die eigene Ernährung eingebaut hat. Obwohl wir schon unglaublich viele verschiedene, nur in Neuseeland vorkommende Vogelarten in den Bäumen entdeckt hatten, gehörte zu den Wekas, Kakas, Tuis, New Zealand Robins (wahrscheinlich die freundlichsten Vögel überhaupt, die aber auch schnell zum Stalker werden können) und Saddlebacks (um nur mal ein paar aufzuzählen) auch der Yellowhead, ein kleines Vögelchen mit, wie der Name schon sagt, knallgelbem Kopf. Das war selbst für meinen Guide ein Highlight, da man diesen kleinen Gesellen wohl nicht so oft zu Gesicht bekommen würde, schon gar nicht so nah, um ihn vor die Linse zu bekommen und zu fotografieren.

Obwohl wir schon deutlich im Verzug waren (was wahrscheinlich auch daran lag, dass wir teilweise Minutenlang einfach nur gespannt da standen und der absoluten Ruhe gelauscht haben), haben wir uns, nachdem wir ein wunderschönes, paradiesisches Stückchen Strand, mit goldenem Sand passiert haben, auf dem sogar frische Kiwispuren zu sehen waren, dazu entschlossen, auf den höchsten Punkt der Insel zu sprinten, um noch einmal die Aussicht zu genießen, bevor es wieder Richtung Oban gehen sollte.

Ich muss wirklich sagen, dass mir dieser Tag richtig gut gefallen hat und ich unheimlich glücklich war, so viel von Stewart Island und generell von Neuseelands Tier- und Pflanzenwelt gesehen zu haben weil das, was man hier zu sehen und von den Locals entgegengebracht bekommt, mit keinem anderen Ort auf der Welt vergleichbar ist. Noch dazu waren mir die Leute an Bord alle so sympathisch, dass das Ganze einfach nochmal doppelt so viel Spaß gemacht hat. Man konnte einfach spüren, wie leidenschaftlich mein Guide, der Kapitän und der Skipper waren, wie viel Ahnung sie hatten und wie viel Freude ihnen selbst die ganze Sache bereitet hat. Nach einem gemütlichen Cruise zurück auf Stewart Island wurde ich dann wieder zurück zum Campingplatz gebracht, ganz herzlich verabschiedet und habe mich dann wieder auf den Weg zu meinem Zelt gemacht, wo ich auf den Sonnenuntergang gewartet habe, um noch einmal auf Kiwisuche zu gehen, was leider auch diesmal wieder ohne Erfolg blieb. Letztendlich war mir das aber egal und ich bin überglücklich ins Bett (oder eher auf meine steinharte Isomatte) gefallen und eingeschlafen. In dieser Nacht war es aber wieder so verdammt kalt, dass ich so gut wie kein Auge zubekommen habe und mit einem total geschwollenem Gesicht aufgewacht bin. Zu allem Übel musste ich auch, wie immer eigentlich, um 10 Uhr vom Campingplatz verschwunden sein und so wartete ich dann fast 5 Stunden in eisigem Wind und bei Temperaturen nur knapp über 10 Grad auf meine Fähre zurück nach Bluff.

Da ich noch dazu hungrig und total übermüdet war, hatte ich demzufolge auch nicht die beste Laune und habe mich nach einem Kaffee, einem Sandwich und 2 Twix an den Strand gelegt, so weit wie möglich entfernt vom Rest der anderen Touristen. Wie es der Umstand wollte, bin ich nach 10 Minuten eingeschlafen, lag fast 2 Stunden ungeschützt in der Sonne (die natürlich gerade dann auch nach 100 Jahren mal wieder herauskam) und bin mit einer schmerzenden, roten Nase aufgewacht, wie ich es davor noch nie erlebt hatte. Wenigstens war ich nach meinem kleinen Nickerchen ausgeschlafen und hatte mich endlich mal wieder etwas aufgewärmt. Und auch die Zeit verging so viel schneller und so saß ich nicht viel später wieder im Boot, dass mich dann, mehr oder weniger angenehm, wieder zurück auf die Südinsel brachte, wo wir wieder am Anfang der Geschichte von meinem Trip auf Stewart Island angekommen wären. Und selbst wenn ich jetzt nach einer Woche zurück auf meine 2 Tage auf Stewart Island zurückschaue, bin ich immer noch überwältigt von der Schönheit und der Viefalt der Dinge, die diese kleine Insel zu bieten hat und die ich in dieser Zeit sehen und erleben durfte.

Und wie mein Solotrip auf der Südinsel weiter verlief, erfahrt ihr im zweiten Teil!

Bis dahin,

print

Das könnte dir auch gefallen

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.