Gigantische Gletscher, traumhafte Sonnenuntergänge und Silvester mit Fremden – South Island Solotrip (Wanaka, Glaciercountry, Hokitika) 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟏𝟎 (Teil 3/4)

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Meine Route:

So schnell konnte ich gar nicht gucken, da war auch schon der letzte Tag des Jahres 2018 angebrochen und für mich wurde es Zeit, mich auf den Weg nach Wanaka zu machen, um Silvester auf dem größten Festival der Südinsel zu verbringen, auf dem über 10 000 Menschen im Sommer ins neue Jahr tanzen, wo sich sonst im Winter eines der populärsten Skigebiete Neuseelands befindet – dem Rhythm and Alps in Cardrona.

Aber bevor ich euch von all den verrückten Dingen erzähle, die in dieser Nacht passiert sind, möchte ich die Gelegenheit, dass viele meiner Leser zu den Menschen gehören, die mir sehr am Herzen liegen, nutzen und mich besonders bei den Menschen bedanken, die mein Jahr zu dem gemacht haben, was es war – abenteuerlich, aufregend und wunderschön. Vor allem meiner Familie bin ich unfassbar dankbar für das, was sie mir ermöglicht haben und ermöglichen werden, für all die Unterstützung und Liebe, mit der ich überschüttet werde. Ich kann nicht in Worte fassen, wie glücklich ich bin, umgeben von so vielen tollen Menschen zu sein und mein Leben so leben zu können, wie ich es jetzt gerade tue. Natürlich bin ich auch all meinen Freunden dankbar, die ich, ganz nebenbei gesagt, schrecklich vermisse, mit denen ich Freude, Glück und so viele schöne Erinnerungen teilen und auf die ich mich immer verlassen kann.

Und zu guter Letzt bin ich auch den Menschen dankbar, die mein Auslandsjahr bis jetzt geprägt haben, ganz egal, ob flüchtige Bekanntschaften oder Fremde, aus denen Freunde geworden sind. Jeder Einzelne hat dazu beigetragen, dass ich genau jetzt in diesem Moment hier sitze und strahle, weil ich mir nicht vorstellen könnte, wie es überhaupt möglich sein könnte, noch glücklicher zu sein. Und genau deswegen sage ich Danke und auf das 2019 ein Jahr wird, an das wir uns alle ein Leben lang gerne zurück erinnern werden.

Ich bin unfassbar glücklich, euch zu haben.

 

Cardrona

Nach einer ziemlich kurvigen, aber landschaftlich wunderschönen Fahrt in Cardrona angekommen, durfte ich mir als aller erstes in einem der Zelte mein Festival- und mein Camper-Bändchen abholen (was doch tatsächlich ein dabbendes Strichmännchen auf dem Chip hatte 😄) und hatte so Zugang zu einem Stellplatz auf dem großen Campingplatz.

Nachdem ich erstmal von einem Mann (von dem ich dachte, er hätte Ahnung von dem, was dort ablief, so sah er zumindest aus) auf den Angestellen-Parkplatz gelotst wurde, von dem aus ich dann von einem weiteren Mann zum richtigen Campingplatz geführt wurde, konnte ich mich noch ein paar Minuten entspannen und die letzten Vorbereitungen treffen, bevor ich mich auf den Weg aufs Festivalgelände machte. Dort angekommen, heizten schon die ersten Bands die Menge an, mehr oder weniger erfolgreich, da aus den Boxen eher Alternative, irgendwie außerirdische Musik plärrte. Und da ich mich, als armes kleines Würstchen, was alleine auf ein Festival geht, anpassen und eher weniger auffallen wollte, gab es auch für mich kurz darauf den ersten Drink und ich gesellte mich zu den anderen Festivalgängern, von denen viele schon um 6 Uhr abends ihr Maximum erreicht hatten und einfach nur wie Bratheringe in der Sonne lagen.

Als das Gelände voller wurde, platzierte sich eine Gruppe britischer Mädchen vor mir, die mich keine 5 Minuten später einluden, mit ihnen zusammen ins neue Jahr zu feiern. Unsere kleine Gruppe, die anfangs nur aus mir, den zwei absolut verrückten Britinnen und einer Schottin bestand, war ein Selbstläufer, denn minütlich kamen mehr und mehr Leute dazu: Alleinreisende, Pärchen, Gruppen. Letztendlich waren wir ein bunter Mix aus allen möglichen Teilen der Welt, von Lettinnen und Australiern, bis hin zu einem anderen Schotten, der unter seinem Kilt nichts drunter hatte, war alles dabei. Und ja, ich musste leider Zeuge des Beweises werden. Und es war ein langer Beweis.

Den Rest des Abends kann man ganz gut relativ kurz zusammenfassen –  wir haben getanzt, gelacht, geredet und einfach die letzten Stunden des alten Jahres genossen. Auch, wenn mir die Musik auf dem Festival leider eher weniger zugesagt hat und das extra Ticket, was ich dafür bezahlen musste, um überhaupt in meinem Auto schlafen zu dürfen (was fast $80 gekostet hat) es absolut nicht wert war, da es nicht mal richtige Toiletten gab, hatte ich eine tolle Zeit mit extrem lieben und verrückten Menschen, die alle die selbe tolle Einstellung teilten, nämlich, dass wir alle gleich sind, egal wo man herkommt und an was man glaubt und wir einfach nur lieb zueinander sein sollten.

Das Ganze war eine richtig schöne und interessante Erfahrung, das Neujahrsfeuerwerk war wunderschön und dieses Silvester wahrscheinlich bis jetzt das verrückteste und coolste, was ich jemals verbracht habe.

 

Wanaka/Roys Peak

Für die nächsten Tage, die ich in Wanaka verbringen wollte, habe ich mir eine Bleibe in der Nähe der Stadt gesucht. Heraus kam dabei ein Stellplatz auf einem völlig überfüllten Campingplatz am Lake Hawea, 20 km außerhalb von Wanaka, da dort natürlich über Silvester jeder Fleck restlos ausgebucht war. Von Hawea aus habe ich dann auch den ein oder anderen Tag in Wanaka selbst verbracht, um am schönen blauen Lake Wanaka entlang zu schlendern, Eis zu essen und einfach das schöne Wetter am See zu genießen, denn der Sommer war zu diesem Zeitpunt auch endlich auf der Südinsel angekommen. Da ich mehr an der Natur Wanakas und den verschiedenen Möglichkeiten, diese zu erkunden, als an den Menschenmassen im Zentrum (wobei offensichtlich halb Neuseeland ihre Sommerferien in Wanaka verbracht hat) interessiert war, habe ich mir für einen Abend vorgenommen, den Roys Peak Track entlang zu wandern, der auf dem Gipfel des Berges enden sollte, um mir Wanaka auch einmal von oben anzuschauen und den Sonnenuntergang auf dem Berg zu genießen.

Da der Tag, für den ich die Wanderung geplant hatte, ziemlich heiß gewesen war und sich die Luft auch am späten Nachmittag noch nicht wirklich abgekühlt hatte, bin ich ziemlich spät los gegangen und hatte trotz, dass es ziemlich windig war, eine unfassbare Hitze im Nacken und bin bei gefühlt 100 Grad in der prallen (Abend-)Sonne meine zweite Bergbesteigung angetreten. Woohoo!

Der Weg nach oben war eine ziemliche Qual, steil, steinig und ging im Zickzack immer weiter Richtung Gipfel. Während ich mich relativ langsam und keuchend fortbewegte, begleiteten mich fast die ganze Zeit Schafe, die entweder mitten auf dem Weg standen und mich angestarrten, oder aus der Ferne laut blökten, wahrscheinlich um mich an zu feuern. Je später es wurde, desto kühler wurde es, was auch im ersten Moment eine totale Erleichterung war, als die Sonne aber dann plötzlich hinter den Bergen verschwand, wurde es schlagartig eiskalt. Da ich total verschwitzt war, wurde mir noch kälter und ich konnte sie schon spüren, die gute alte Influenza.

Einfacher wurde der Track deswegen aber nicht, und so war ich auch nach 4 Stunden noch weit entfernt von der Spitze des Berges und damit vom Ende des Tracks und habe mich, einerseits, weil ich einfach nicht mehr konnte und die Luft unheimlich dünn wurde, je höher ich den Berg hinaufkletterte, und andererseits, weil die Sonne langsam unterging, dazu entschieden, an einem (wahrscheinlich genau so schönen) Aussichtspunkt etwa auf Dreiviertel des Weges Halt zu machen und von da aus der Sonne zu zu schauen, wie sie langsam unterging und so die komplette Landschaft in die schönsten Farben hüllte. Das ganze Spektakel endete schließlich in einem Himmel, der aussah, wie wunderschöne, pastellfarbene Zuckerwatte.

Kurz, nachdem die Sonne völlig untergegangen war, machte ich mich wieder auf den Weg nach unten, diesmal in absoluter Dunkelheit. Zuerst war es ziemlich unheimlich, immer wieder in reflektierende Augen zu sehen, die mich von allen Seiten anstarrten, als ich dann aber meinen Blick zufällig nach oben richtete, haute es mich fast aus den Socken.

Denn obwohl ich dachte, dass diese wunderschöne, idyllische Abendstimmung, wie über den Bergen und dem Lake Wanaka langsam der Tag zu Ende ging und alles in eine friedliche, Stille gehüllt wurde, nicht mehr übertroffen werden konnte, wurde ich bei dem Blick in den Himmel vom Gegenteil überzeugt. Tausende Sterne glitzerten über mir in einer kristallklaren Nacht, in Wanaka gingen langsam alle Lichter an, die Stadt erwachte zum (Nacht-)leben und wenn man genau hinschaute, konnte man am Nachthimmel sogar die Milchstraße erkennen. Kaum noch fähig, irgendwo anders, als in den Sternenhimmel, zu schauen, musste ich aufpassen, dass ich nicht einen falschen Schritt machte und den Rest des Weges hinunterrollte. Oder über einen der Schafböcke stolperte.

Auch, wenn alles in meiner Umgebung so magisch und wunderschön war und man, wenn man für einen kurzen Moment stehen blieb, nichts als eine beruhigende Stille und das Kauen der Schafe hören konnte, war der Schmerz, den ich inzwischen vom permanenten bergab laufen in meinen Füßen und Beinen spürte, allgegenwärtig und bald konnte ich es einfach nicht mehr ignorieren, oder schön reden und wollte einfach nur wieder unten ankommen. Gegen 12 Uhr Nachts hatte ich es endlich geschafft und kam total erschöpft wieder am Carpark an. Von dort aus ging es dann wieder zurück zum Campingplatz und obwohl ich leider nicht mehr weiß, wann und wie ich eingeschlafen bin, bin ich mir bei einer Sache sicher: ich war auf jeden Fall glücklich und zufrieden. Und todmüde.

 

Westland Nationalpark/

Fox Glacier & Franz Josef Glacier

Nachdem ich mir den nächsten Tag dafür frei gehalten hatte, um mich einfach nur zu entspannen und meinen Serienmarathon auf Netflix endlich fort zu setzen, machte ich mich am Tag darauf auf den Weg zum etwa 140 km entfernten Westland Nationalpark, mit dem kleinen Örtchen Fox Glacier der direkt, wie der Name schon sagt, am Fox Gletscher gelegen ist, als ersten Halt auf meiner Route. Die Fahrt, wie auch eigentlich der komplette Tag, waren völlig verregnet, fast schon apokalyptisch und das Einzige, was ich tun konnte, war, den Sturm abzuwarten und darauf zu hoffen, dass es nicht die ganze Zeit, die ich an den Gletschern verbringen wollte, regnen würde. Nachdem ich nachts sogar mit Oropax schlafen musste, weil der Regen so stark und laut auf mein Autodach prasselte, sah der nächste Tag schon wieder ganz anders aus. Trotz des schönen, warmen Sonnenscheins konnte ich mich aber nicht so recht damit abfinden, dass die Luftfeuchtigkeit bei genau 100% lag, wodurch mit so ziemlich jeder kleinsten Bewegung ein Schweißausbruch einherging und meine Fenster im Auto schon seit 24h dauerhaft angelaufen waren. Willkommen an der Westküste.

Trotz der unbequemen Wetterverhältnisse war ich schon beim ersten Blick am Morgen aus dem angelaufenen Fenster total hyped, die Umgebung endlich erkunden zu können, da ich jetzt endlich auch sehen konnte, wo ich mich eigentlich gerade befand: nämlich mitten in den Bergen. Ohne einen wirklichen Plan machte ich mich dann auf, um die Region um den Gletscher herum zu erkunden und landete schließlich etwas außerhalb des Ortes, von wo aus viele Short Walks durch den Wald zu Aussichtspunkten, über Moränen oder einfach nur durch üppigen Regenwald führten. Nachdem ich einige davon entlang gelaufen war und zwar viele grüne Pflanzen, aber noch nicht ganz das gesehen hatte, was ich unbedingt sehen wollte, was natürlich der Gletscher an Sich war, machte ich mich auf den Weg zum wohl populärsten Wanderweg, dem Fox Glacier Valley Walk.

Schon zu Beginn des Track wurde auf großen Tafeln vor einem steinigen Weg, möglichen Überflutungen nach dem Dauerregen und gefährlichen Steinfällen gewarnt, was mich, statt mich abzuschrecken, nur neugieriger gemacht hat, endlich mal die raue Seite der Landschaft am Fuße des Gletschers zu erleben, anstatt stundenlang durch den selben Wald zu marschieren.

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt, an dem man dem Gletscher „direkt ins Gesicht“ schauen konnte, musste man, wie erwartet, ein paar kleine Flüsse überqueren und sich ein paar steile Hügel hinauf quälen, wurde dafür aber mit einem spektakulären Ausblick auf das Gletschertor belohnt, bei dem einem, trotz der unfassbar klaren, frischen Luft an diesem Ort, glatt der Atem einfach ausblieb. Von allen Seiten konnte man die Wasserfälle plätschern, riesige Steine abbrechen und, wenn man wirklich leise war und genau darauf achtete, vielleicht sogar aus der Ferne eine der Lawinen hören konnte, die gerade auf dem Gletscher stattfand.

Ein magischer und zugleich einschüchternder Ort, da sich der Gletscher täglich über 40 cm bewegt (und damit 10-mal schneller als die meisten anderen Gletscher), sich dadurch täglich verändert und dabei alles unter sich begräbt, was ihm gerade im Weg ist. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Fleckchen Erde noch so unberührt und friedlich, zugleich aber auch unglaublich gefährlich und nicht einschätzbar ist, wollte ich unbedingt mehr von den Gletschern und diese vor allem aus nächster Nähe erleben. Nachdem ich also eine weitere Nacht in und am Fox Glacier verbracht hatte, fuhr ich am nächsten Morgen direkt weiter in den nächsten kleinen Ort, Franz Josef Glacier, und damit auch direkt ins bis jetzt größte Abenteuer meiner Reise, da ich nur wenige Stunden später in einem Helikopter saß und direkt auf den Gletscher geflogen wurde.

Bevor es aber überhaupt dazu kam, wurden alle, die sich an diesem Tag für den Heli Hike angemeldet hatten, in einem kleinen Raum über alle möglichen Gefahren auf dem Eis und darüber, wie man sich am besten verhalten und bewegen sollte, um unversehrt wieder unten anzukommen, aufgeklärt und ganz nebenbei mit wasserfesten Hosen, einer dicken Jacke, riesigen, klobigen Eisstiefeln und einer Bauchtasche ausgestattet, in der sich unter anderem auch die Spikes für die Boots befanden. Danach wurden wir in Gruppen eingeteilt und alle nacheinander auf den Franz Josef Glacier geflogen.

Wenn man noch nie zuvor mit einem Helikopter geflogen ist, könnte man meinen, dass man zuerst einmal ein klein wenig überfordert ist, wenn der Pilot das Gerät in einem Abstand von nur gut 5 Metern halb schräg an einem schroffen Berg entlangfliegt. Die views während des nur knapp 10 minütigen Fluges waren natürlich so atemberaubend, dass man sich auch hätte im Sturzflug befinden können und sich immer noch darüber gefreut hätte, wie schön diese Landschaft doch aussieht.

Auf dem Eis angekommen, konnte man schwer überhaupt fassen, wo man sich eigentlich gerade befand und wie wunderschön der Gletscher war. Strahlend blauer Himmel (was noch dazu das beste war, was uns passieren konnte, da das Wetter im Westland kaum mal so mitspielt, wie man es gerne hätte) und um uns herum eine dramatische Eislandschaft mit riesigen Eisbrocken und blauem Schmelzwasser, was in kleinen Flüssen den Gletscher herunterplätscherte – man hätte glatt denken können, man ist im Paradies angekommen.

Als auch der Rest oben angekommen war, wurden die Spikes, beziehungsweise die kompletten Steigeisen an unsere Stiefel angebracht und wir noch mit einen Trekkingstock ausgestattet, bevor wir dann endlich losliefen, um den Gletscher zu erkunden. Krsto, unser Guide, hat uns dabei, nachdem wir uns alle an die ungewöhnliche Art und Weise, wie man mit den Spikes an den Schuhen laufen musste, gewöhnt hatten, über die bereits schmelzende Schnee- und Eisdecke, vorbei an riesigen Eiswürfeln und durch enge Eisspalten geführt, durch die wir teilweise rutschen und uns hindurch quetschen mussten, um überhaupt weiter zu kommen.

Aus der Entfernung konnte man immer wieder im Augenwinkel unfassbar große Eisbrocken abbrechen, mit voller Wucht auf dem Gletscher aufprallen und hinunter rollen sehen, was jedes Mal mit einem enormen Knall und bebendem Boden einher ging und die Ganze Sache schon ziemlich aufregend machte. In solchen Augenblicken wurde klar, dass wir kleinen Männchen auf dem überdimensionalen Gletscher der Naturgewalt völlig ausgesetzt waren und im Falle einer Lawine einfach darunter begraben werden würden – und das in Sekundenschnelle.

Während der Wanderung gab es genügend Möglichkeiten, einfach kurz inne zu halten und die überwältigende Aussicht zu genießen, den ein oder anderen Schluck Gletscherwasser zu trinken (das kann ich auf jeden Fall von meiner Bucket-List abhaken 😄) und viele wirklich interessante Dinge über die Entstehung des Gletschers und die vielen negativen Auswirkungen, die der Klimawandel auf diese Naturwunder hat, zu erfahren.

Die zwei Stunden, die wir durch Schnee und Eis gestapft sind, fühlten sich letztendlich eher an, wie 10 Minuten und so ging der Trip über den Gletscher leider schneller, als es uns lieb war, zu Ende und so saßen wir wieder im Heli, auf dem Weg zurück ins Tal, wo die „reale Welt“, die nichts im Vergleich zu diesem Ort war, der sich trotz, dass er wirklich existierte, so surreal angefühlt hatte, bereits auf uns wartete.

Letztendlich war diese ganze Erfahrung eines der schönsten Dinge, die ich jemals erlebt habe und es war jeden Cent wert, den ich in diesen Tag voller atemberaubender Einblicke in Neuseelands unglaubliche Natur(-wunder) investiert habe. Und auch wenn ich hier versuche, alle Eindrücke und Gefühle so authentisch und detailliert rüber zu bringen, wie es geht, kann man sich nicht vorstellen, wie unfassbar großartig es ist, auf einem Gletscher zu stehen – man muss es einfach selbst gemacht haben.

Nach diesem Abenteuer ging es für mich, wie eigentlich geplant, aber noch nicht ins Bett, sondern auf direktem Wege in eine der hübschen Bars, die das kleine Städtchen so zu bieten hatte, um mit zwei anderen Deutschen, die ich während des Heli Hikes kennengelernt hatte, und einem lustigen Briten, der sich später mit zu uns setzte, den Abend noch richtig schön ausklingen zu lassen. Und das ist uns auch gelungen, denn besser, als mit gutem Cider, einem fetten Burger und in bester Gesellschaft, hätte man diesen wunderschönen Tag nicht hätte beenden können.

 

Hokitika

Zwei Tage später war ich auch schon an meinem nächsten Stop angekommen, einem kleinen Örtchen am Strand – Hokitika. Nachdem ich während der, zugegebenermaßen auch für mich etwas zu kurvigen, Fahrt, während der ich gefühlt alle fünf Klimazonen durchfahren hatte, war ich schließlich endlich wieder dort angekommen, wo es mir doch immer noch am allerbesten gefällt – am Meer.

Erst, als ich den weichen, warmen Sand wieder zwischen den Zehen spüren konnte und das Salzwasser, dass mir durch den Wind ins Gesicht gesprüht wurde, schmecken konnte, wurde mir klar, wie sehr ich den Ozean doch vermisst habe. Wenn ich ehrlich bin, brauchte ich nichts mehr, um wunschlos glücklich zu sein, weshalb ich alle 3 Tage, die ich in Hokitika war, am Strand verbracht habe. Und als wäre ein langer, verlassener Strand mit schwarzem Sand, nur 10 Meter von meinem Campingplatz entfernt, nicht genug, wurde ich am zweiten Abend Zeuge eines bezaubernden Westcoast-Sonnenuntergangs, völlig zu Recht zählend als einer der schönsten in ganz Neuseeland.

Und während ich da so am Strand saß und der Sonne zuschaute, wie sie langsam über dem Wasser unterging, kam, wie aus dem Nichts, ein Hund zu mir, der einen großen Stock im Maul hielt und offensichtlich nur darauf wartete, dass ihn jemand für ihn werfen würde. Wer kann einem kuscheligen Welpen denn schon widerstehen? Ich auf jeden Fall nicht, und so spielte ich mit ihm in der Abendsonne, bis der rote Feuerball völlig verschwunden war und es allmählich kühler wurde.

Mein neuer flauschiger Freund kam noch ein paar Mal an mir vorbei und verschwand dann irgendwo hinter den Dünen. Dieser Abend war wirklich etwas ganz Besonderes, leider musste ich aber, während ich mich darüber freute, endlich mal wieder einen Hund streicheln zu können und mit ihm herum zu toben, wieder einmal schmerzlich feststellen, wie sehr ich mein kleines Fellwürstchen zu Hause doch vermisse und wie gerne ich hin manchmal bei mir hätte. Trotzdem genoss ich noch die letzten Farbspiele am Himmel, bevor die Nacht einbrach und ich mich wieder auf den Weg zurück zum Campingplatz machte.

Wie man so schön sagt, kam nach der Ruhe der Sturm und der nächste Tag begann damit, dass erst riesige Tropfen auf mein Autodach fielen, die sich dann in prasselnden Dauerregen verwandelten. Zum Glück hatte ich diese Situation aber genaustens vorhergesehen und für diesen Tag eine Jade Carving Class gebucht, um in einer Schleifwerkstatt mein eigenes kleines Schmuckstück aus echtem Jade her zu stellen. Während es draußen schüttete, stand ich also an meiner Schleifmaschine, in einem kleinen Hinterstübchen irgendwo am Highway, und habe einen Silverfern aus Jade geschliffen, der letztendlich nach gut einer Stunde Arbeit als hübsches Armband mein Handgelenk zierte. Eine schöne Erinnerung.

Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, die letzten Tage meine Roadtrips auf der Südinsel zu planen, bevor es zurück auf die Nordinsel gehen würde. Es ist einfach viel zu verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und trotz dessen, dass man versucht, jeden Tag so sehr zu genießen, wie es nur möglich ist, rasen die Tage und Wochen nur so an einem vorbei und so muss ich leider feststellen, dass schon so gut wie die Hälfte meiner Reise hinter mir liegt. Aber verdrängen wir das einfach mal. 😄

Im letzten Teil meiner Solotrip-Reihe erfahrt ihr dann, wie meine Reise auf der Südinsel endete, wie die Überfahrt auf die Nordinsel war und wie es für mich danach weiter ging.

Bis zum nächsten Mal,

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