Bergbesteigung, Naturwunder und französische Häppchen – South Island Solotrip (Te Anau, Milford Sound, Queenstown) 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟏𝟎 (Teil 2)

Hier geht’s zum Teil 1!

Meine Route:

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Te Anau

Nachdem ich Stewart Island verlassen hatte und wieder auf dem Festland der Südinsel angekommen war, verbrachte ich noch eine Nacht auf einem Campingplatz in Bluff (auf dem es tatsächlich richtige Duschköpfe in der Dusche gab), um mich am nächsten Tag auf den Weg nach Invercargill zu machen um aufzutanken, einzukaufen und mich somit für den nächsten Roadtrip in den Fiordland Nationalpark vorzubereiten.

Invercargill an Sich hat mich dabei eher weniger angesprochen, da ich mich, nachdem ich an mindestens 3 Dildoläden vorbeigelaufen bin, irgendwie fehl am Platz gefühlt und diesen komischen Ort dann doch lieber direkt wieder verlassen habe. Von dort aus bin ich etwa 180 Kilometer gefahren, bevor ich an meinem nächsten Stopp ankam: Te Anau. Empfangen wurde ich von Sonnenschein und einer angenehmen Hitze, die mir das erste Mal hier in Neuseeland das Gefühl gegeben hat, dass der Sommer nicht mehr weit enfernt sein würde. Also habe ich es mir auf einer schönen Bank mit Aussicht auf die Berge und auf den Lake Te Anau gemütlich gemacht, um dort bis spät Abends mit Landkarte und Stift zu sitzen und die nächsten Tage, inklusive Weihnachten, zu planen.

 

Queenstown

Da ich schon ein paar Tage eher in verschiedene Facebook-Gruppen hineingefragt hatte, ob es außer mir noch andere Alleinreisende gibt, die mit anderen Backpackern aus aller Welt ein paar schöne Tage in einem Airbnb in der Nähe von Queenstown verbringen wollen würden und mein Postfach danach voll war mit Nachrichten von total coolen Leuten, die genau die selbe Idee hatten, war ich nun auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft, die nicht allzu weit von der Innenstadt Queenstown entfernt sein würde. Natürlich musste auch der Preis dem Backpacker-Budget entsprechen und so suchte ich stundenlang, auf sämtlichen Plattformen, bis ich schließlich ein hübsches Häuschen in Cardrona, was ungefähr zwischen Queenstown und Wanaka liegt, gefunden und es der inzwischen aus 8 Backpackern bestehenden Gruppe vorgestellt hatte.

Da alle mehr als zufrieden mit meiner Auswahl waren, habe ich also angefangen, von jedem schon mal die Hälfte des Geldes einzufordern, was eigentlich auch wirklich gut funktioniert hat. Dann ging es an’s Buchen, wobei man bei Airbnb zuerst einmal ein Anfrage senden muss, die dann vom Inhaber bestätigt oder im Schlimmsten Fall abgelehnt wird. Und ratet mal, was passiert ist.

„Es tut uns leid, aber wir wollen an keine Backpacker vermieten.“

Nachdem sich langsam aber sicher bei allen eine gewisse Ratlosigkeit breit gemacht hatte, da es wirklich so aussah, als gäbe es keine andere Unterkunft, für die man nicht 100 Kilometer weit fahren oder eine Niere verkaufen musste, verabschiedete sich zu allem Übel auch noch jemand, kurz nachdem ich die wirklich allerletzte Unterkunft ausgemacht und bereits gebucht hatte. Da von meinem Konto bereits über $2000 abgebucht worden waren, ich vorher mehrmals gefragt hatte, ob jeder zufrieden ist, es auch keinem zu teuer ist UND ich nicht nur einmal Links der Unterkunft in die Gruppe geschickt hatte, so dass sich auch jeder den Preis pro Person selbst hätte ausrechnen können, war dieses ganze Theater für mich absolut nicht nachvollziehbar. Glücklicherweise ließen mich die anderen nicht im Stich und waren bereit, sich den Anteil, den sie nicht zahlen wollte, mit mir zu teilen und so konnten wir 7 Backpacker uns letztendlich auf 4 Tage in einem wunderschönen Haus mit Kamin, großen Fenstern und riesiger Küche unweit vom Stadtzentrum Queenstowns entfernt, freuen, um die Weihnachtszeit mit Filmen, Plätzchen und vielen coolen, neuen Leuten zu verbringen.

 

Kepler Track

Für den nächsten Tag hatte ich etwas Besonderes geplant, nämlich ein Stück des Kepler Tracks entlang zu wandern, einer der Great Walks Neuseelands. Insgesamt bin ich etwa 10 Kilometer durch angenehm kühlen und üppigen Regenwald gelaufen, entlang am Waiau River (einer der Drehorte von Herr der Ringe!) und wieder zurück. Das Ganze war nicht gerade nicht anstrengend und ich habe wirklich großen Respekt vor den Leuten, die diesen eigentlich 60 km langen Track in wenigen Tagen durchziehen. Letztendlich wäre so eine Mehrtageswanderung aufgrund meiner fehlenden Erfahrung wahrscheinlich eher nichts für mich, weswegen ich lieber die Wanderwege ein paar Kilometer „anlaufe“, die mich interessieren, anstatt mich mehrere Tage mit Kiloweise Klamotten, Essen und Wasser auf dem Rücken, Neuseelands Wanderwege entlang zu quälen und so in Punkto die-Natur-in-vollen-Zügen-genießen höchstwahrscheinlich Abstriche machen zu müssen. Letztendlich war diese Wanderung nichts Besonderes, aber einfach ein schöner Tagestrip, der mir das erste Mal die Möglichkeit gegeben hat, in Neuseelands Regenwald und dessen unglaublich vielseitige Farnwelt einzutauchen.

 

Milford Sound

Da der Plan für die nächsten Tage nun fest stand, ging es gleich früh am nächsten Tag los, und zwar Richtung Milford Sound. Schon kurz nachdem ich aufgewacht war, hatte ich mich schon damit abgefunden, wahrscheinlich nicht viel vom „achten Weltwunder“ sehen zu können, da die Wolken so tief hingen, dass ich nicht mal die riesigen Berge direkt vor meiner Nase erkennen konnte. Nachdem ich mir Kaffee und ein Croissant eingeworfen hatte, begann ich die etwa 100 km weite Reise und es dauerte nicht lange, da kam doch glatt die Sonne heraus. Diese im Zusammenspiel mit ein paar Wolken hoch in den Bergen machte schon alleine die Hinfahrt zu einem absoluten Traum und ich frage mich immer noch, wie ich nicht gegen einen Baum fahren konnte, wo ich doch aller 3 Sekunden aus dem Fenster gucken musste, weil es einfach so verdammt schön war. Aus den geplanten 1 1/2 Stunden Fahrt wurden ganz schnell 3, da ich natürlich jede Gelegenheit genutzt habe die es gab, um ein paar Schnappschüsse von dieser herrlichen Landschaft zu machen.

Auf einem der Rastplätze habe ich dann auch das erste Mal eine Horde Keas (nur in Neuseeland vorkommende Alpenpapageien) gesehen, die auf meinem Autodach herumhüpften und nur darauf warteten, dass ich mein Fenster ein Stück zu weit aufmachte, um etwas zu stehlen. Zum Schluss sind mir die Keas mit Taschentüchern, Babysocken (ich hoffe der Vogel hat dem Baby die Socke nicht direkt vom Fuß gezogen) und Autoteilen entgegen gerannt, woraufhin ich mich doch lieber vom Acker machte, bevor ich noch von einem der Vögel beklaut werden würde.

Nachdem ich noch mindestens 3 Mal scharf abgebremst und angehalten hatte, um die wunderschönen, schneebedeckten Berge, die klaren, eisblauen Flüsse oder die Gletscher-Wasserfälle auf Foto fest zu halten (sonst glaubt mir das ja keiner), bin ich tatsächlich am Parkplatz für den Milford Sound Cruise angekommen, natürlich ein kleines bisschen später, als geplant. Da das eigentliche Terminal einen halben Kilometer vom Carpark entfernt war, musste ich mich ziemlich zügig zum Check-In Schalter begeben, wo ich die Letzte war und gerade richtig kam, um nur wenige Minuten später mit all den anderen Leuten auf’s Boot gebeten zu werden. Schwein gehabt, würde ich mal sagen. 😄

Auf der Poleposition direkt vorne auf dem Boot ging es durch den wunderschönen Milford Sound, am Mitre Peak, riesigen Wasserfällen und mysteriösen Höhlen vorbei, was so schön war, dass es sich einfach nicht real angefühlt hat. Oben drauf sind wir so nah an einen Wasserfall herangefahren, dass man fast hätte hineinfassen können und definitiv mindestens 5 Liter Wasser abbekam.

Neben dem Boot schwammen die ganze Zeit Delfine entlang, Seelöwen wälzten sich auf den Felsen in der Sonne und verschneite Bergkappen lugten hinter den Gipfeln der Berge im Fjord hervor. Man kann es wirklich kaum beschreiben, aber es war einfach unfassbar schön.

Die Nacht habe ich auf dem einzig „richtigen“ Campingplatz in der Nähe vom Milford Sound verbracht, ohne Empfang und umzingelt von einer Millarde Sandfliegen, die ihre Brutstelle offentsichtlich genau dort hatten, wo sich mein Platz befand. So aß ich also meine Nudeln 50 Meter vom Van entfernt. Im Stehen.

Nach einer eher schlaflosen Nacht, da es unglaublich feuchtwarm und ich etwas aufgeregt war, weil ich für den nächsten Morgen geplant hatte, schon sehr früh los zu fahren, um einen ganz besonderen Plan in die Tat um zu setzen, bin ich mit dem Morgengrauen gegen 6 Uhr aufgewacht und habe noch im Halbschlaf ein paar Meter vor meinem Van ein kleines Tierchen gesehen, etwa so groß wie ein Hühnchen, braun und auf Futtersuche. Ein Kiwi. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich meine Kamera in der Hand und stand in Socken (obwohl sich die Kiesel schon wie Legosteine in meine Fußsohlen hineinbohrten) vor einem Busch, nur um fest zu stellen, dass es, wieder einmal, nur eine Weka(-ralle) war, die dem Kiwi zumindest von hinten verdammt ähnlich sieht. Da ich nach diesem Vorfall sowieso hellwach war, bin ich, nachdem ich etwas gegessen und mich angezogen hatte, direkt losgefahren, und zwar Richtung Lake Marian, einem Gletschersee, nur zu erreichen über einen ziemlich langen und versteckten Wanderweg durch dichten Regenwald. Schon auf der Fahrt dort hin wurde mir klar, wie gut die Entscheidung gewesen war, schon so früh los zu fahren. Nicht nur wegen der noch nicht vorhandenen Hitze und Feuchtigkeit oder der vielen Zeit, die mir so auch nach der Wanderung noch blieb, um nach Queenstown zu fahren, sondern auch, weil ich so durch riesige Nebelschwaden vorbei an mit Wolken umhüllten Bergen vorbei fuhr, das alles während die ganze Landschaft in ein warmes violett gehüllt war und die ersten Sonnenstrahlen auf die höchsten Spitzen der Berge trafen. Man kann es gar nicht oft genug sagen, aber Neuseeland ist nicht von dieser Welt.

 

Lake Marian

Am Parkplatz vor dem Track angekommen, habe ich mir meinen Rucksack, gefüllt nur mit dem Wichtigsten, wie einer Menge Wasser, ein paar Nudeln vom Vorabend, meiner Kamera und einer Jacke geschnappt und bin direkt aufgebrochen, in ein Abenteuer, wie ich es so definitiv nicht erwartet hätte.

Nach 10 Minuten kam ich an einem eisblauen, tosenden Wasserfall an, den ich noch weitere 30 Minuten sehen und auch später noch hören konnte, obwohl ich schon meterweit entfernt war. Nach diesem relativ einfachen Teil des Weges ging es dann richtig los, über Felsen, umgefallene, überdimensionale Bäume die den kompletten Weg fast unpassierbar machten, einen „steady climb“ (so wurde es zumindest beschrieben) kilometerweit, durch dunklen Regenwald. Ein tatsächlicher Wanderweg war dabei nur selten vorhanden, meistens musste man sich den einfach selbst suchen, während man bei dem Versuch, über mit Matsch bedeckte, abnormal große Wurzeln und glitschige Steine ganz galant hinweg zu gleiten, versuchte, sich nicht beide Beine zu brechen. Und als ich dachte, dass es definitiv nicht noch schlimmer und steiler werden konnte, stand ich vor einem Stück, bei dem man vertikal an einem Wurzelgeflecht hinaufklettern musste, um weiter zu kommen.

Als aber auch das geschafft war und ich so gut wie keine Kraft mehr in den Beinen und Armen hatte, die mich schon mehrere Kilometer bergauf getragen und gezogen hatten, fasste ich den Entschluss, mir auf meiner Offlinekarte anzuschauen, wie weit ich noch vom eigentlichen Ziel, Lake Marian, entfernt war. Als mir klar wurde, dass ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte, hätte ich glatt anfangen können, zu heulen. Da ich aber den ganzen Weg nicht nur gegangen (oder eher geklettert) bin, um dann wieder umzukehren, habe ich mich auch die zweite Hälfte des Berges hinaufgequält und bin dabei definitiv auch ein paar Mal fast an meine Grenzen gekommen. Mein Ziel verlor ich dabei aber trotzdem nicht aus den Augen, denn letztendlich war der Weg das Ziel, wie man so schön sagt. Aber auch der Ausblick den ich hatte, als ich endlich am Ziel angekommen war, war nicht schlecht. Ein dunkelblauer Alpensee, indem sich die hohen Gipfeln spiegelten, welche den See umringten, umgeben von steilen Felswänden in denen noch der Morgennebel hing. Einfach atemberaubend.

Die pure, klare, kühle Luft und die Gewissheit, es tatsächlich geschafft zu haben, über 2 Stunden durch’s Nirgendwo zu kraxeln und am Ende mit einem völlig abgelegenen, glasklaren See und einem bombastischen Panorama belohnt zu werden, war Grund genug für mich sagen zu können, dass es sich gelohnt hat. Aber tausendfach.

Der Rückweg war nochmal eine Nummer für sich, denn, obwohl dieser eher weniger körperlich anstrengend war, musste man verdammt aufpassen, wo man jeden einzelnen Schritt hinsetzte; wo es sicher war, herunter zu springen ohne sich ernsthaft zu verletzten und wo man seinen Rucksack lieber absetzte, ihn hinunterwarf und hinterher kletterte. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass der ganze Abstieg nicht auch in die Oberschenkel ging, aber die mentale Herausforderung war bei dieser Strecke definitiv um einiges größer. Zum Schluss konnte ich es gar nicht fassen, als ich wieder auf meinem plötzlich unfassbar gemütlichen, eigentlich total abgerockten Autositz saß und es würde mich nicht wundern, wenn meine Beine demnächst aussehen würden, wie die von Arnold Schwarzenegger. In jungen Jahren natürlich.

 

Queenstown

Nach einem kleinen Schläfchen am Straßenrand habe ich mich dann auf den Weg nach Queenstown gemacht, wobei ich über 300 Kilometer durch herrliche, grüne Hügellandschaft und das letzte Stück am strahlend blauen Lake Wakatipu mit Blick auf Devil’s Staircase entlang gefahren bin, um letztendlich in mein Bett im Jucy Snooze, einem Hostel, in dem man seine eigene kleine Kapsel mit Spiegel, Steckdosen, Licht und einem abdunkelnden Rolladen hat, gefallen und zwar völlig übermüdet, aber überglücklich, eingeschlafen.

In den nächsten 3 Tagen, die ich in diesem Hostel verbracht habe, hat sich herausgestellt, dass diese Art von „wohnen“ nur was für Menschen ist, die weder Sauerstoff noch Tageslicht benötigen. Mir wurde es schon nach einem Tag in der Kapsel, völlig isoliert von der Außenwelt (ich wusste nicht mal, wie das Wetter gerade ist) und ohne Frischluft einfach zu bunt und als ich die Jalousie meiner Kapsel geöffnet und den Geruch von Füßen, Schweiß und altem Mann einmal tief inhaliert hatte, war klar: ich muss hier raus. Also bin ich ein bisschen durch Queenstown geschlendert, habe einen Kaffee bei Starbucks, den berühmten Fergburger und eine große Portion Eis mit Cookie Dough und warmen Keksen on top gegessen und währenddessen die Paraglider beobachtet, die über den Remarkables umherflogen. Zurück in meinem persönlichen Alptraum, dem Hostelzimmer, wurde ich von einem lauten Schnarchen begrüßt, dass sich von halb 6 bis morgens um 3 durchzog, bis es jemandem anders zu viel wurde und derjenige mit aller Kraft gegen die Wand des Schnarchers hämmerte. Idyllisch.

Gott sei Dank konnte ich am Morgen darauf endlich meine Sachen packen und verschwinden, und zwar Richtung Lower Shotover, wo sich unsere Unterkunft für die nächsten Tage befand, denn Weihnachten rückte immer näher.

Dort angekommen, erwartete mich ein Ehepaar, was mich einmal durch das gesamte Haus führte, mir zeigte, wo sich was befindet und nachdem sie mir den Schlüssel übergeben hatten, mir viel Spaß wünschten und verschwanden. Ich, völlig überwältigt von der tatsächlichen Größe und dem Luxus des Hauses, musste diesen Anblick, gepaart mit dem absolut tollen Ausblick auf die Berge und Queenstown erstmal sacken lassen. Viel Zeit hatte ich aber nicht, denn wenig später trafen auch schon die ersten beiden Franzosen ein, Pierre und Baptiste. Genauso begeistert von unserer „Lindmore Lodge“, wie ich, freuten sich die beiden vor sich hin und begrüßten mit mir gemeinsam nur wenige Minuten später Franziska und Fabian aus Deutschland, mit denen wir dann gemeinsam die nächsten Tage durchplanten, zumindest, was das Essen angeht.

Dabei herausgekommen ist eine lange Einkaufsliste, die alle Zutaten für sowohl vier Tage Frühstück, Mittag und Abendessen, als auch für einen Grillabend umfasste, den wir für ein authentisches Kiwi-Weihnachten fest eingeplant hatten. Ein paar Minuten später trafen auch schon die letzten beiden ein, Iris und Collin, ein unglaublich sympathisches Pärchen aus den Niederlanden. Jeder verstand sich auf Anhieb mit jedem total gut und so sind wir, total motiviert und gespannt, auf das was in den nächsten Tagen kommen wird, in unsere große Einkaufstour gestartet, was sich als die erste Hürde entpuppte, die es gemeinsam zu überwinden galt.

Keine 2 Minuten im Supermarkt, brach das totale Chaos aus. Die erste Challenge war, ziemlich genau einzuschätzen, wie groß die Menge an Lebensmitteln und Getränken ist, die man für 7 Personen und 4 Tage braucht. Nicht zu viel und nicht zu wenig durfte es sein. Die Zweite, auch die persönlichen Wünsche von jedem Einzelnen zu berücksichtigen (Pierre zum Beispiel war „Flexitarier“, was die Fleischauswahl stark beeinträchtigte) und die Dritte, einfach die Nerven zu bewahren in einem Supermarkt, in dem die halbe Bevölkerung Neuseelands gerade noch die letzten Weihnachtseinkäufe tätigte. Letztendlich sind wir nach gut 2 Stunden mit einer Rechnung von fast $600, einem randvollen Einkaufswagen und dem guten Gewissen, jedenfalls definitiv nicht verhungern oder verdursten zu müssen, wieder aus dem Supermarkt herausgekommen.

Wieder in unserem neuen Zuhause angekommen, ging es daran, unser erstes gemeinsames Abendessen vorzubereiten. Während die Frauenfraktion gemütlich mit einem kühlen Cider an der Bar saß und wir uns das erste Mal so richtig unterhalten und kennenlernen konnten, waren die Männer damit beschäftigt, Crêpe Française zu machen, wobei die beiden Franzosen dabei definitiv genau in ihrem Element waren. Am Ende kamen dabei unglaublich leckere Crêpes, getoppt mit Schokolade, Frischkäse oder Schinken heraus und obwohl es irgendwie komisch war, mit einem Haufen Fremder am Tisch zu sitzen und zu Abend zu essen, wurde die Stimmung doch von Minute zu Minute lockerer und während wir da so saßen und lachten, hinter uns der Sonnenuntergang in den Bergen, stellten wir fest, was für eine coole Truppe wir doch sind und dass uns die nächsten Tage auf jeden Fall eine Menge Spaß bringen würden.

Den 24. Dezember haben wir größtenteils damit verbracht, das schöne Wetter im großen Garten zu genießen, ein paar Brettspiele zu spielen und später gemeinsam Kekse zu backen, diese zu verzieren und nebenbei die besten und nervigsten Weihnachtsklassiker auf voller Lautstärke zu hören. Das Abendessen entpuppte sich am Ende als französische Feinkost-Erfahrung, da Pierre und Baptiste all ihre Kochkünste und ihr Auge fürs Detail in die kleinen Häppchen, die aus geröstetem Brot, belegt mit Hummus oder frischem Räucherlachs, getoppt mit einer Kombination aus Brie oder Blauschimmelkäse mit Konfitüre bestanden, steckten, und die zum Schluss mit selbstgemachter Pizza und einem französischem Cocktail als unser Weihnachtsessen (zumindest am deutschen „Heiligabend“) auf dem Tisch standen.

Dazu passend eine kleine Geschichte zu dem Cocktail: das Getränk durchläuft eine unheimlich lange Vorbereitungszeremonie, wobei der Alkohol, der bereits mit einigen anderen Zutaten vermischt wurde, ein paar Stunden ziehen muss, bevor er serviert wird. Als wir also am Abend davor den Abwasch machten, habe ich alles, was aussah, als würde es nicht mehr gebraucht werden, in den Abfluss geschüttet, inklusive der Mischung für den Cocktail mit etwa einem Dreiviertel der winzigen $50 Flasche Cointreau, die in einer Metallschüssel neben dem dreckigen Geschirr stand. Herzlichen Glückwunsch. Obwohl ich nach dem Vorfall im Supermarkt, bei dem ich eine Flasche Wasser ungewollt auf eine Packung Croissants gelegt hatte und mir sofort böse Blicke von der französischen Fraktion zugeworfen wurden und ich sofort ein „bitte nicht auf die Croissants“ zu hören bekam, hatte ich ein großes Gewitter erwartet, wurde aber letztendlich nur die restlichen Tage mit dem Verlust des guten Alkohols aufgezogen und durfte mich der neuen Flasche bis auf 10 Meter nicht mehr nähern.

Während wir uns während des Essens über die Weihnachtskulturen und Bräuche in unseren Heimatländern austauschten, war Collin damit beschäftigt, den Kamin zum Laufen zu bringen, vor dem wir uns dann, als das Feuer gemütlich vor sich hin knisterte, mit Marshmallows bewaffnet versammelten und den Abend mit 90ern, Weißwein aus dem Tetrapack und einer Runde unseres neuen Lieblingsspiels „Cranium“ ausklingen ließen. An diesem Abend haben wir nicht nur festgestellt, wie cool es ist, Menschen anderer Nationalitäten kennen zu lernen, da man so unglaublich viele neue Dinge lernt, Einblicke in andere Kulturen und Sichtwesen bekommt und diese auch lernt zu akzeptieren und zu verstehen, sondern auch, das man, mit dem französischen Essen, niederländischen Weihnachtsliedern und einem guten deutschen Bier zum Nachtisch, den Christmas Eve nicht diverser und schöner hätte verbringen können.

Nach einer weiteren Nacht in meinem unglaublich gemütlichen Bett wurde ich am eigentlichen Christmas Day (in Neuseeland natürlich der 25. Dezember) von der Sonne geweckt, die mir schon morgens mit über 20 Grad direkt in mein Gesicht schien. Da kommen doch glatt Weihnachtsgefühle auf – nicht. 😃 Um das so schon für uns Europäer ziemlich ungewöhnliche Weihnachtsfest, bei dem man doch tatsächlich mit Flipflops und einem eisgekühlten Getränk auf der Terrasse sitzen kann, sich bei über 30 Grad sonnt und braun wird wie ein Stück knuspriges Bacon, auch so zu feiern, wie es die Kiwis tun, hatten wir für diesen Tag ein BBQ geplant. Die Stunden vor unserer Weihnachts-Grillparty haben wir damit verbracht, gemeinsam auf der Wiese vor unserem Haus Boule zu spielen, mit einem megamäßigen Ausblick auf die Berge und natürlich mit einer trällernden Mariah Carey im Hintergrund.

Am Nachmittag gab es dann Würstchen, Burger, Kartoffeln und Baguette vom Grill, und so haben wir uns unser neuseeländisches Weihnachtsessen in unserer gemütlichen Runde schmecken lassen, mit einem „Santé!, einem „Cheers!“ und einem „Prost!“ auf Weihnachten angestoßen und saßen so noch bis spät Abends draußen, haben gelacht, geredet und den letzten Tag gemeinsam einfach genossen.

Mit völlig fremden Leuten aus den verschiedensten Nationen mit den verschiedensten Hintergründen und Traditionen ein Weihnachten auf die Beine zu stellen, was uns letztendlich allen eine tolle Erfahrung und viel Spaß beschert hat, war zwar nicht das Einfachste, aber mit Abstand das beste, was ich machen konnte und ich hätte mir keine lustigere, herzlichere und schrägere Gesellschaft für mein erstes Weihnachtsfest weit weg von Zuhause und mitten im Sommer, vorstellen können. In diesen wenigen Tagen sind aus Fremden Freunde geworden und ich bin total glücklich darüber, diese Idee in die Tat umgesetzt und diese tollen Menschen kennengelernt zu haben. Dieses Weihnachten war wahrscheinlich das außergewöhnlichste und gleichzeitig das coolste, was ich jemals erlebt habe.

Da nur Iris und Collin direkt weiter gefahren sind und Pierre, Franziska, Fabian und Baptiste genau wie ich noch ein paar Tage in Queenstown geplant hatten, sind wir nicht wirklich lange getrennte Wege gegangen und waren etwa 20 Minuten später, nachdem wir uns von den anderen beiden verabschiedet hatten, auf einem schäbigen, aber dem einzigen noch verfügbaren Campingplatz in Queenstown (die Weihnachtszeit generell war, bezüglich der Unterkunftssuche, der absolute Horror) wieder vereint.

Von dort aus sind wir noch am selben Abend in die Stadt gelaufen, ein bisschen am Lake Wakatipu entlang geschlendert, haben uns ein fettes Eis aus einer ziemlich noblen Gelateria bei Sonnenschein am Ufer gegönnt und später den vorläufig letzten Abend gemeinsam am Grill verbracht, um uns noch die letzten Überreste der Weihnachtsparty schmecken zu lassen, uns eine gute Weiterreise zu wünschen und wieder unseren eigenen Reiseplänen nach zu gehen.

 

Ben Lomond

Am Tag darauf hatte ich eine Wanderung geplant, oder viel besser eine Bergbesteigung, wenn man so will.

Gestartet bin ich um 8 Uhr morgens, indem ich den Bus in die Stadt (ich hatte panische Angst, dass mir während meiner Abwesenheit jemand meinen Stellplatz wegnehmen würde – deswegen Bus) und eine der ersten Gondeln genommen habe, um, statt die ersten 45 Minuten des Tracks auf meinen Ausgangspunkt, den Bob’s Peak, zu laufen, die Aussicht auf Queenstown aus dem Inneren einer Gondel zu genießen und die dreiviertel Stunde somit in drei Minuten zu verwandeln. Faulheit siegt.

Die Fahrt nach oben war schnell, wackelig und hat nach Knoblauch gerochen, wobei Letzteres definitiv an den 3 Asiatinnen lag, mit denen ich mir die 1x1m Gondel teilen durfte. Oben angekommen, hatte ich von einer 360 Grad Plattform aus einen wunderschönen Panoramablick auf Queenstown, sämtliche Paraglyder, die minütlich an mir vorbei flogen und sogar auf den ein oder anderen mutigen – oder auch komplett wahnsinnigen – Bungeespringer. Nachdem ich den Ausblick schon viel zu lange genossen hatte und doch eigentlich schon längst gestartet sein wollte, machte ich mich dann endlich auf den Weg, meinen ersten Berg zu besteigen.

Der Track führte erst durch ein Stückchen Wald, dann einen Weg entlang, auf dem man einen tollen Ausblick auf Lake Wakatipu hatte und kam dem Berg nach gut 2 1/2 Stunden immer und immer näher. Mehr oder weniger glücklicherweise hatte ich mir für diese Wanderung einen wunderschönen Tag ausgesucht, wobei es mir die unfassbar heiße Sonne unglaublich schwer machte, mehrere hundert Meter am Stück zu laufen, ohne am Rande eines Hitzekollaps zu stehen. Mühsam habe ich mich so also schwitzend und keuchend Stück für Stück vorgearbeitet, bis ich, nach zahlreichen Pausen, die ich natürlich nur eingelegt hatte, um die wunderschöne Landschaft zu bewundern und nicht etwa um meiner fehlenden Fitness nachgeben zu müssen, endlich auf dem Sattel des Berges angekommen war und nach dem permanent steilen Anstieg einfach nur auf Erlösung hoffte.

Bis zum Summit, also zur Spitze des Berges, waren es, laut des Weigweisers, noch etwa eine Stunde, was sich letztendlich in fast weitere 2 Stunden verwandelte. Während ich den unfassbar steilen „Weg“, der eigentlich nur aus großen Steinen und ein bisschen Staub bestand, und man kaum sehen konnte, ob man sich überhaupt noch in die richtige Richtung bewegte und sich direkt am Abgrund entlangschlängelte, nach oben kroch (im wahrsten Sinne des Wortes, ich war völlig am Ende) wurde mir erstmal richtig klar, was ich da überhaupt gerade machte, nämlich EINEN BERG BESTEIGEN. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht kurz davor gewesen, aufzugeben und mit meinen schlackrigen Gummibeinen den Rückweg wieder anzutreten, habe es letztendlich aber tatsächlich geschafft und bin nach über 4 Stunden, die mich absolut an meine äußerste Grenze gebracht haben (ich dachte schon, der Track zum Lake Marian wäre anstrengend gewesen), oben auf der Spitze des 1.748 m hohen Ben Lomond angekommen. Und mal davon abgesehen, dass ich es nicht erwarten konnte, mich endlich hin zu setzen und am liebsten nie wieder aufzustehen, war die Aussicht von oben natürlich atemberaubend schön, aber das Gefühl, komplett aus seiner Comfort-Zone ausgetreten zu sein und etwas für mich bis jetzt total außer Reichweite scheinende, geschafft zu haben, war noch viel schöner.

Nachdem ich meinen sentimentalen Moment überstanden und wieder auf einen normalen Puls zurück gekommen war, konnte ich die Freude auch mit den anderen teilen, die völlig verschwitzt an der Spitze ankamen und den Aufstieg als „as painful as giving birth“ beschrieben.

Während des ganzen Trubels auf der Spitze des Berges bin ich mir einer Schwedin ins Gespräch gekommen, die, genau wie ich, diesen Aufstieg allein auf sich genommen hat. Gemeinsam haben wir dann den Rückweg wieder angetreten, der nicht nur fast noch anstrengender für die Beine war, als der Hinweg, sondern auch unglaublich gefährlich, steil und schmerzhaft, da man keine Kontrolle darüber hatte, welcher Stein sich unter den Füßen löste und wir so gezwungen waren, den größten Teil des Weges auf allen vieren hinunter zu rutschen.

Nach 7 Stunden, 21,7 Kilometern, 28 207 Schritten und 1438 m Höhengewinn bin ich schließlich glücklich und zufrieden eingeschlafen, wenn auch ohne Gefühl in den Beinen.

Der nächste Tag war einer der dunkelsten in der Geschichte der körperlichen Schmerzen, denn ich konnte – wer hätte es gedacht – kaum laufen, geschweige denn mich hinsetzen, ohne mich aus dem Stand fallen lassen zu müssen und lag so den ganzen Tag in einer Position im Bett.

Und wie meine letzten Tage auf der Südinsel ausgesehen haben, welche verrückten Dinge mir während dieser Zeit passiert sind und wie meine Reise danach weitergehen wird, erfahrt ihr im nächsten Beitrag!

Bis dahin,

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