Saugen, morgens, mittags, abends, ich will saugen – Horrorjobs, Alpacas und Erdbeben in Akaroa 𝐍𝐞𝐮𝐬𝐞𝐞𝐥𝐚𝐧𝐝 #𝟕

#1 das erste Zusammentreffen mit meinem Travelbuddy
#2 unser erster Job, aus dem dann doch nichts wurde
#3 unser erster Job, diesmal aber wirklich
#4 unser zweiter Job
#5 unser dritter und schlimmster Job
#6 mein ungeplanter Ausflug durch Akaroa
#7 Delfine, Pinguine und Robben – Harbour Nature Cruise
#8 unser Highlight: die Alpacafarm
#9 Goodbye Akaroa

Warum gerade Neuseeland?

Nachdem das alleine Reisen für mich fast schon normal geworden ist, habe ich mich an die Straßensituation mehr oder weniger gewöhnen können und mich damit auch bereit gefühlt, jemanden auf dem Beifahrersitz zu haben, ohne ihn mit mir in den Tod zu stürzen 😄. Nach all diesen ersten Erfahrungen und Erlebnissen, die ich sammeln konnte, war ich nun tatsächlich in Neuseeland angekommen und habe mich wirklich angefangen, wohl zu fühlen. Somit wurde es Zeit, mich in das nächste Abenteuer zu stürzen, nämlich die neuseeländische Arbeitswelt. Und das lässt sich bekanntlich besser aushalten, wenn man zu zweit ist.

Nach einer sehr windigen und weiteren kurvigen Fahrt in Christchurch angekommen, habe ich also dann das erste Mal Merle getroffen, mit der ich mich über Facebook verabredet habe, die Südinsel, oder zumindest einen Teil, zusammen zu bereisen, natürlich verbunden mit einem gewissen Risiko, dass man sich vielleicht statt sich wirklich zu mögen, nach kurzer Zeit gemeinsam lieber die Birne einschlagen will. Aber, was soll ich sagen? Wir haben uns von der ersten Sekunde an super verstanden, haben die selben Ansichten und konnten von Anfang an miteinander reden, als würden wir uns schon ewig kennen. Man kann sagen, die Chemie stimmte und es haben sich tatsächlich zwei Personen mit dem gleichen Grad an Dummheit getroffen, und das konnte kein Zufall sein.

Warum gerade Neuseeland?

Da wir beide aber vor hatten, zu aller erst ein Weilchen zu arbeiten, ging es direkt (wieder) los mit der Jobsuche und obwohl wir uns, (wahrscheinlich weil wir einfach viel zu verzweifelt waren, wenn nach ein paar Minuten noch keine Antwort kam) bei fast jedem verfügbaren Job in der Umgebung beworben haben, haben wir, auch nach einem kompletten Tag Suche, noch keine einzige Zusage bekommen. Kurz bevor uns auch unser letzter Funken Hoffnung verloren gegangen ist, haben wir dann doch noch einen Anruf bekommen. Der Chef der Firma, ein Unternehmen, dass an Haustüren klingelt, um Termine für kostenlose Beratungsgespräche zu Versicherungen zu vereinbaren, wollte uns kennenlernen und nach einem kurzen Bewerbungsgespräch hatten wir am selben Abend unser erstes „Training“ zusammen mit je einem erfahrenem an-Türen-Klingler. Die erste Skepsis gegenüber des Jobs (jeder hasst diese Leute, die einem beim Abendessen stören und irgendwelche Sachen andrehen wollen) hat sich nach ein paar Minuten gelegt, da diese Leute nichts verkaufen, sondern lediglich dem Problem entgegenwirken wollen, das in Neuseeland in unzureichenden oder sogar fehlenden Versicherungen besteht. Wurde uns zumindest so erklärt. Da die Bezahlung auf den ersten Blick auch den normalen Backpacker-Gehalt deutlich überboten hätte, waren wir mehr als euphorisch und bereitwillig, alles für ein bisschen Kleingeld in der Tasche zu tun.

Am nächsten Morgen, als die Sache ernster wurde und wir einen erneuten Termin und eine eindeutige Zusage für den Job bekommen haben, sah unsere Einstellung dazu plötzlich ganz anders aus. 😁 Weiß der Geier, warum wir am Anfang so scharf auf diesen Job gewesen sind, aber überlegt man sich mal ganz genau, was man am Ende des 4-Stunden Tages verdient, wenn man, pro erfolgreich vermittelten Termin, 50 Dollar bekommt, 99 Prozent der Leute einem aber einfach die Tür vor der Nase zu machen und nichts damit zutun haben wollen, wird einem ganz schnell klar, dass diese Art von Arbeit wohl eher nichts für jemanden ist, der ein stabiles Einkommen erwartet und sich auch darauf verlassen können will, dass er am Ende des Monats einen gewissen Betrag verdient hat und nicht leer ausgeht, weil keiner einen Termin mit irgendeinem Schnösel von der Versicherung haben will. Wäre verständlich. Somit hatte sich dieser Job also für uns auch erledigt und wir waren wieder da, wo wir gestartet sind: ohne Job, verzweifelt auf der Suche und willig, alles zu tun, (Zitat Merle): „außer zu Strippen.“

Warum gerade Neuseeland?

Nach weiteren 4 Nächten im Hostel in Christchurch, umgeben von Schulkindern und gesegnet mit zwei Zimmernachbarinnen, die beide geschnarcht haben wie Dampfer (eine von ihnen war selbsternannter Pokémon-Profi, die Frau war Ende 40), sind wir immer weiter an den Rand der Verzweiflung gerückt, da wir bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keinen Job gefunden hatten und gefühlt jeder Arbeit hatte, außer wir. Zu unserem Glück befand sich auch noch eine Baustelle direkt vor unserer Balkontür, die ruhe bei der Jobsuche fast unmöglich machte. Den Strom für die verschiedenen Maschinen durften wir aus unserem Zimmer bereitstellen. Ja, das Verlängerungskabel ging von der Baustelle, durch die Glastür unters Bett. Sowas gibt es auch nur hier in Neuseeland.

Da uns das Hostel auf Dauer aber auch zu teuer (und zu blöd 😄) wurde, haben wir uns dazu entschieden, einfach los zu fahren und irgendwo in der Nähe von Christchurch auf dem Campingplatz zu übernachten und dort weiter zu suchen. Auf der Suche nach kostenlosem Wlan, um die Zeit zwischen Check-out und dem Zeitpunkt, an dem wir uns auf den Weg machen wollten, tot zu schlagen, sind wir dann in der Art Gallery gelandet, wo wir es uns auf einem Ledersofa gemütlich gemacht haben und ohne viel Hoffnung noch ein bisschen auf Backpackerboard herumgestöbert haben. Ein paar Minuten später hatten wir einen gut bezahlten Job mit Unterkunft in der Tasche. Wie? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Merle bei einem Ehepaar in Akaroa angerufen hatte, was uns sofort zusagte und uns anbot, direkt am nächsten Tag anzufangen. Geschockt aber glücklich, die erste Zusage nach gefühlt 100 Absagen bekommen zu haben, ging es also dann für uns nach Akaroa, einem Ort auf einer kleinen Halbinsel, 1 1/2 Stunden von Christchurch entfernt, um als Zimmermädchen und Eisverkäuferinnen zu arbeiten. 😃

Eine hügelige Fahrt und sämtliche Jamming-Sessions später, sind wir in Akaroa angekommen, was auf den ersten Blick auch ein kleines Dorf mitten in Frankreich hätte sein können. Umgeben von französischen Flaggen, Cafés (LEscargot Rouge war unser Favorit, in dem wir immer dann gefrühstückt haben, wenn wir selbst nichts mehr im Haus hatten 😄) und unter Palmen, befand sich unser kleines Apartment, nur wenige Meter von unserem Arbeitsplatz entfernt, direkt am Meer. Und am nächsten Tag ging es auch schon direkt los, unser Arbeits-Abenteuer als Zimmermädchen.

 

Nachdem wir die ersten Tage nur Staubsaugen und -wischen durften, wurde uns später auch gezeigt, wie man die Betten richtig macht, was sich letztendlich als nicht ganz so einfach erweisen hat. 😃 Hier gibt es nämlich keine Spannbettlaken, sondern nur Bettücher, die man mit einer bestimmter Technik (gen. hospital corners) auf der Matratze anbringen muss. Über das erste Laken wird dann noch ein Weiteres gelegt, darüber meistens eine Tagesdecke und darüber wiederum eine Art Steppdecke mit Ecken, die genau so über das ganze Spektakel gelegt wird, dass man den Rest überhaupt nicht mehr sieht. Ihr denkt das wars? Falsch. Darüber befindet sich dann das finale Bettlaken, was man letztendlich auch wirklich sieht. Und das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass man die ganze Arbeit wieder zerstören muss, wenn man nicht wie ein altes Ehepaar in einem Schlafsack schlafen will. Wie wir in unserer ersten Nacht.

Mit der Zeit mussten wir dann auch der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass unsere Unterkunft im Gegensatz zu den riesigen Apartments, Flitterwochensuits und Studios, die wir jeden Tag putzen und herrichten mussten, ein Witz war. Nachdem wir unser Häuschen die ersten Tage noch mit Fernando, einem Argentinier, der es sogar geschafft hat, den Feueralarm auszulösen, während er sich ein Toast gemacht hat, teilen mussten, kam nach der seiner Abreise und der Ankunft von Simone und Lloyd, unseren beiden neuen Mitbewohnern, endlich etwas Leben in die Bude.

Von Simone hielten wir ehrlichgesagt am Anfang nicht sehr viel. Immer am Rauchen, eine sehr tiefe, männliche Stimme und lautes Schnarchen, so stellt man sich die perfekte Mitbewohnerin eher weniger vor. Doch nachdem wir sie zu einem Spaziergang zum Leuchtturm mitgenommen haben und an diesem Abend heraus fanden, dass sie in ihrer Heimatstadt auf der Nordinsel ihren Job geschmissen und sich einfach auf den Weg gemacht hat, um Neuseeland und die ganze Welt zu bereisen, haben wir sie ganz plötzlich mit anderen Augen gesehen. Mit der Zeit haben wir beide Simone ziemlich doll ins Herz geschlossen und nachdem sie uns erzählt hatte, warum sie überhaupt von Zuhause abgehauen ist und ihre ganze Familie zurück gelassen hat, haben wir einmal mehr aus der ganzen Situation gelernt, dass man Menschen niemals verurteilen sollte, da wirklich jeder von uns sein Päckchen mit sich herumträgt und seine eigene Geschichte hat. Und die muss nicht immer sonderlich schön sein.

Schlussendlich haben wir mit ihr viele lustige Abende verbracht, generell haben wir viel gelacht (besonders, als sie an einem Abend völlig fertig in unser Zimmer gestürmt kam, um uns zu erzählen, dass sie am selben Tag 2 Enten, die mitten auf der Straße Sex hatten, gesehen hat) und trotz, dass wir sie inspiriert haben, nach Europa zu reisen und sie uns sogar in Deutschland besuchen kommen will, waren wir irgendwie traurig, als wir sie vorerst verabschieden mussten. Immerhin waren wir ja ihre german girls.

 

Unser Arbeitsleben sah mittlerweile eher weniger rosig aus und auch, wenn wir immer Spaß miteinander hatten, hat uns eine unserer Kolleginnen am Anfang ziemlich große Probleme bereitet. Da wir für sie „nur“ Backpacker waren, durften wir weder Bäder noch Küchen sauber machen und wenn sie da war, nicht einmal mehr die Betten. Und wenn wir die Erlaubnis bekamen, ein Bett zusammen zu machen, wurden die Fehler buchstäblich gesucht und uns nicht gesagt, wie man es richtig macht. Stattdessen wurde das Bett kommentarlos von der Queen of Housekeeping (die während der Arbeit immer ziemlich doll gekeucht hat, weil sie alles doppelt so schnell machen wollte, oder auch einfach weil sie ein Brocken war) neu gemacht. Auch die vulgäre Sprache und das ständige Fluchen der Putzfrauen (die „bloody“ vor so ziemlich jedes Wort gesetzt haben – bloody bed, bloody stupid keys, sogar bloody asshole 😄) hat nicht gerade zu einer idyllischen Arbeitsatmosphäre beigetragen und war für uns anfangs fast schon einschüchternd. Eine Sache, die ich wahrscheinlich niemals vergessen werde ist, dass ich einmal während der Arbeitszeit mit dem Brocken Auto fahren musste, und sie das Gaspedal ganz offentsichlich auf die neuseeländische Art und Weise bedient, nämlich nur mit ihrem nackten großen Zeh. Als sie am Ende wieder weg gefahren ist, konnte ich nur sehen, dass sie ein Kind, was am Pier saß, fast aufgegabelt hätte und das Letzte, was ich gehört habe, war ein Hupen an der Kreuzung. Wahrscheinlich hat sie auch noch jemandem die Vorfahrt genommen.

Das Highlight aller Putzfrauen war der Tag, an dem das Haus unserer Chefin sauber gemacht werden musste. Und ich kann euch sagen, es war ein einziges Chaos. Neben relativ harmlosen Dingen, wie Unmengen an Dreck und unaufgewaschenem Geschirr, haben wir auch ein Haarteil entdeckt (was auch ein Eichhörnchen hätte sein können) und damit das Geheimnis gelüftet, dass ihr Zopf gar nicht echt war. Während unserer Arbeit als Zimmermädchen haben wir außerdem einen BH, ein paar Schuhe und Kokain gefunden, langweilig wurde uns also nie.

Warum gerade Neuseeland?

Wenn das Wetter schön war, haben wir Nachmittags in der Eisdiele gearbeitet, wobei wir oftmals nur fürs Rumstehen bezahlt wurden, da, außer an den Cruise Ship Days, tote Hose in Akaroa und damit auch im Eisladen war. Außer selbst die ganze Zeit Eis zu essen, um auch jedem Kunden sagen zu können, welche Sorte wie schmeckt und was wir selbst empfehlen können (ja, unsere Chefin hat uns tatsächlich aufgetragen, jede Sorte zu kosten, hat uns auch nicht gestört 😄), gehörte natürlich das servieren von Eiscreme, Milchshakes und Thickshakes, das Auffüllen der Eiscontainer, das Aufstocken der Waffeln und natürlich das sauber halten der Eislöffel und auch sonst aller Arbeitsgegenstände, sowie das Bedienen der Kasse zu unseren Aufgaben. Mit der Zeit sind wir im Eis-löffeln auch richtig gut geworden und unsere Eiskugeln sahen auch endlich wie welche aus. Neben typisch neuseeländischen Sorten, wie Hokey Pokey oder Gold Strike, gab es auch herrliche Sorbets und Gelati, die sogar in der Kochschule direkt nebenan hergestellt wurden. Da wir genau an der Quelle waren und uns erlaubt wurde, so viel Eis zu essen, wie wir wollen, kamen am Tag schon so 4-6 Kugeln Eis für jeden zusammen und neben dem Fakt, dass es uns deswegen nach der Arbeit immer so semi-gut ging, haben wir 4 Wochen lang unter Dauerschüttelfrost gelitten. 😃

Nachdem wir dann den Dreh heraus hatten, wie die Kasse funktioniert und wie man Bestellungen wieder löscht und sie nicht einfach als „verkauft“ angibt, konnten wir endlich richtig durchstarten und uns offiziell „Super Scooper“ nennen. 😃

Eine Sache, die uns unsere meistens eher langweiligen Stunden im Eisshop versüßt haben, waren 3 Enten, Arni, Doris und Daisy, die mindestes einmal täglich einfach so durch die Tür gekommen sind, um sich ein paar Waffelstückchen abzuholen.

 

Warum gerade Neuseeland?

Natürlich hat uns ein ermüdender Job nicht gereicht, und auch zwei waren noch nicht genug, und so haben wir uns noch am Abend unseres ersten Arbeitstages auf den Weg durch Akaroa gemacht, um bei jedem, wirklich jedem Restaurant nach zu fragen, ob wir als Kellner oder Küchenhilfe arbeiten könnten. Logischerweise wollte niemand 2 unerfahrene Mädchen, die nur einen Monat bleiben wollen, anstellen und so haben wir auf unsere Anfragen und Anrufe größtenteils ein „Nein“ bekommen. Kurz bevor wir uns schon damit abgefunden hatten, dass wir nach diesen 4 Wochen wahrscheinlich direkt wieder arbeiten konnten, da man bei 3,5 Stunden am Tag kein Vermögen heraus bekommt, haben wir von unserer quirligen Chefin den Tipp bekommen, dass einer ihrer guten Freunde, der gleichzeitig der Chef eines Restaurants namens „The Wharf“ ist, Küchenhilfen sucht. Das haben wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen lassen, und obwohl uns jeder vor dem Chef des Restaurants gewarnt hatte, dachten wir, wir geben dem Ganzen trotzdem eine Chance und sind so noch am selben Tag ins Restaurant gegangen und haben unseren zweiten Job (oder auch dritten, wenn man so will) innerhalb weniger Minuten in der Tasche gehabt. Dabei wurden Merle die Wochentage (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) und mir die Wochenenden (Freitag, Samstag, Sonntag) zugeteilt. Der Fakt, dass meistens an den Wochenenden Kreuzfahrtschiffe angelegt haben, die Bevölkerung dieser kleinen Stadt damit von 500 auf 4000 angestiegen ist und die Reservierungen an den Wochenenden 200 und im Gegensatz dazu, während der Woche, 40 betrugen, sollte meine Arbeit als Kitchenhand ganz schnell wieder beenden.

Aber von Anfang an.

Motiviert, glücklich und vorbereitet auf alles, was kommt, bin ich an meinem ersten Arbeitstag in The Wharf angekommen. Beim Blick auf das Waschbecken ist mir innerhalb Sekunden das Gesicht eingeschlafen, da sich schon, bevor ich überhaupt angefangen habe, das Geschirr bis zur Decke gestapelt hat. Ohne Einweisung, Arbeitskleidung und -schuhe (der Boden in der Küche war rutschig wie sonst was und eigentlich bin ich vom Waschbecken zum Regal und wieder zurück nur geschlittert) durfte ich also anfangen, erst den schon vorhandenen und dann den neuen Stapel Geschirr, Besteck, heiße Pfannen und Tupperdosen abzuspülen, in ein Abtropfgestell ein zu ordnen und nachdem der Geschirrspüler fertig war, das Ganze auch noch abzutrocknen und wieder an seinen Platz zu räumen. Während Köche und Kellner fröhlich zur 80s Playlist gesungen haben, hatte ich damit zutun, keinen Nervenzusammenbruch zu bekommen, immer wenn ein neuer Stapel geliefert kam.

Man möchte vielleicht denken, der erste Tag ist immer der Schlimmste und es konnte nur besser werden, aber genau das Gegenteil trat ein. Offentsichtlich war die „Welpenphase“ in der ich noch halbwegs schonend behandelt wurde, nach dem ersten Tag vorbei, denn ab da an wurden mir die heißen Pfannen und die mit Fisch- und Muschelresten verschmutzten Dosen nicht mehr freundlich auf meinen Stapel gelegt, sondern aus möglichst großer Entfernung ins Waschbecken geworfen. Völlig nass, verschwitzt und dreckig konnte ich in meinen Pausen, nachdem ich schon gut 5 Stunden gearbeitet hatte, nur eins tun: rauchen. 😄 Was im Nachhinein betrachtet kein Wunder war, wenn man behandelt wird, wie der letzte Otto, weil man „nur“ Küchenhilfe ist, ohne diese das ganze Restaurant aber aufgeschmissen wäre. Letztendlich gingen meine Arbeitstage durchschnittlich bis 23 Uhr, da ich die letzten Handgriffe machen musste, bevor das Restaurant endlich geschlossen werden konnte. Dazu gehörte, das Geschirr bis zur letzten Gabel aufzuwaschen und zu trocknen, den Boden zu moppen und zu trocknen, genauso, wie den Müll der Köche heraus zu bringen und die Geschirrspülmaschine zu säubern.

Natürlich fiel auch einer der Cruise Ship Days auf meine Arbeitszeit, was alles noch viel schlimmer machte. Das beste Wort, was diese Situation beschreibt, ist ganz einfach Stress. Zu meiner standardmäßigen Arbeit an der Spüle, kamen, nachdem ich 2 Minuten verschnauft und mein Chef dieses Vergehen beobachtet hatte, noch viel bescheidenere Jobs dazu, wie etwa Oliven von ihrem Kern zu befreien (die so hart waren, dass man sie nur mithilfe eines Messers schälen konnte, was bei öligen, glitschigen, Minioliven ein richtiger Spaß war), Shrimps um zu lagern, dessen Panzer so verdammt scharf war, dass man sich permanent geschnitten hat, oder Muscheln aus Vakuumverpackungen zu holen, deren Geruch sich fest in meine Kleidung eingefressen hat. Das Beste daran war aber, dass während ich all diese dämlichen Aufgaben erledigt habe, mein Chef, der sie mir aufgegeben hat, rauchend im Hof saß und Candy Crush Saga gezockt hat. Auch nicht nur meine Gesundheit war durch die fehlende Schutzkleidung wie Handschuhe oder Arbeitsschuhe gefährdet, sondern auch die der Gäste. Wenn ich mir überlege, wie oft sich mein Chef am Hintern gekratzt hat, um dann eine deftige Pizza zu machen, wäre ich am liebsten einfach aus dem Laden heraus marschiert, was ich am 4. Tag meiner Arbeit in diesem Restaurant auch gemacht habe.

Der Grund dafür ist offensichtlich und auch, wenn ich nicht jemand bin, der sofort aufgibt oder nicht ehrgeizig genug ist, um diese 4 Wochen durch zu ziehen, war es zu diesem Zeitpunkt das Einzige, was ich für richtig gehalten habe. Mit der Aussicht darauf, dass die nächsten Kreuzfahrtschiffe in den nächsten 3 Wochen alle am Wochenende in Akaroa ankommen würden und beim Betrachten meiner völlig zerschnitten Finger und der aufgelösten Haut an meinen Händen, habe ich mich dazu entschieden, meine Kündigung abzugeben und mich in diesem Restaurant nie wieder blicken zu lassen. Im Nachhinein bin ich froh, diese Entscheidung rechtzeitig genug getroffen zu haben, da nicht nur ich, sondern auch andere Mitarbeiter schon lange kein Teil mehr von diesem Ganzen sein wollten und ebenfalls mit dem Gedanken gespielt haben, zu kündigen und das teilweise nur wenig später auch getan haben.

Obwohl es auch einige „schöne“ Momente, wie Lob vom Koch (niemals von meinem Chef selbst), Bier oder Vodka beim Aufräumen (was wahrscheinlich komplett illegal ist, aber das Einzige war, was mir geholfen hat, diese ewig langen Tage durch zu stehen) und die After-Hours, die wir nach der Arbeit meistens alle im Pub verbracht haben, gab, waren es die Arbeitsverhältnisse, die viel zu wenig Essen und Trinken, schlechten Umgang und fehlende Sicherheit beinhaltet haben, die Schmerzen und, was natürlich auch eine Rolle spielt, die geringe Bezahlung, einfach nicht wert. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, was es heißt, Kitchenhand zu sein und habe definitiv aus dieser Zeit mitgenommen, dass ich diese Art von Job niemals wieder in meinem Leben machen werde, für kein Geld der Welt.

Warum gerade Neuseeland?

Mit einer wiederhergestellten Work-Life-Balance (die mit dem ersten Tag im Restaurant natürlich komplett im Arsch gewesen ist), einer Menge Zeit und gestärktem Selbstbewusstsein, habe ich meine Arbeit als Zimmernädchen und Eisfrau plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen und war dankbar, so eine nette Chefin, eine gute Bezahlung und humane Arbeitszeiten zu haben. Mit dieser motivierten Einstellung hat sich auch wie von Zauberhand das Arbeitsklima zwischen uns und dem keuchenden Brocken gebessert und wir durften doch tatsächlich die Betten nun zu zweit machen, ganz alleine. ☝️

Die Arbeit im Eisladen fand ich auch plötzlich nicht mehr langweilig, sondern einfach nur entspannend und war dankbar, genügend Getränke und Essen (hauptsächlich Eis) zu bekommen und konnte mich auch dahingehend nicht mehr beschweren.

Da ich mittlerweile einige Tage in der Woche frei und somit Zeit hatte, mich in Akaroa etwas um zu schauen, habe ich mir gedacht, ich mache mich einfach mal auf den Weg zum Newtons Waterfall, zu dem angeblich ein 20-minütiger Wanderweg führen sollte. Naja, was soll ich sagen, nachdem ich 12 Mal in die falsche Richtung gelaufen bin und am Ende zwar einen schönen Ausblick auf den Leuchtturm hatte, der Wasserfall aber wo ganz anders war, habe ich mich dazu entschieden, Google Maps zu zücken (ich hatte mir vorgenommen, meinem Orientierungssinn zu folgen und den Wasserfall ohne Hilfe von Google zu finden, hat super geklappt lol) und bis zum Eingang des Wanderwegs mit dem Auto zu fahren.

Total motiviert, endlich mal ein Stückchen wandern zu gehen und Neuseelands Natur genießen zu können, bin ich los gegangen und nach sagenhaften 3 Minuten am Wasserfall angekommen. Diese anstrengende, nicht enden wollende Wanderung hat sich ausgezahlt, denn am Wasserfall war es einfach nur wunderschön und vor allem kühl, bei über 20 Grad eine willkommene Erfrischung.

Die restliche Zeit, die mir dann noch vom Tag übrig geblieben ist, habe ich direkt in Akaroa verbracht, mir das War Memorial angeschaut und bin am Strand entlang gelaufen. Letztendlich war ich mit meiner kleinen Wanderung doch ganz zufrieden, vor allem, weil durch meinen ungewollten Ausflug ans falsche Ende der Stadt wirklich schöne Bilder entstanden sind.

Warum gerade Neuseeland?

Unsere wenigen gemeinsamen freien Tage haben wir einmal mit einer Bootstour und einmal mit einem Besuch auf einer Alpaca Farm verbracht, was im Rückblick auf unsere, von stundenlangem Putzen und Eis verkaufen, geprägte Zeit in Akaroa echte Highlights waren.

Die als Harbour Nature Cruise angepriesene, circa 3 stündige Tour, heraus aus dem Hafen von Akaroa auf den Pazifik war ein Zusammenspiel von türkisfarbenem Wasser, mysteriösen, dunklen Höhlen und einer Vielzahl an hier beheimateten seltenen Tierarten, wie verschiedenen Vöglen, kleinen Pinguinen und Hectordelfinen, die eigentlich den Mittelpunkt der Tour dargestellt haben. Leider waren diese putzigen Delfine so schnell, dass man sie, wenn man Glück hatte, nur für ein paar wenige Sekunden beobachten konnte, bevor sie unter dem Boot wieder spurlos verschwunden sind. Wirklich brauchbare Bilder sind deswegen von den Delfinen leider nicht entstanden, aber wenigstens eins, auf dem man den kleinen Kerl ganz gut erkennen kann. ☺️ Das Faszinierenste an dem ganzen Ausflug raus aufs Meer war aber immer noch, dass nach diesen Buchten und aus Vulkangestein geformten Felformationen bis Südamerika nur noch Wasser kam. Wilder Pazifik. Und wenn man sich dem erstmal richtig bewusst geworden ist, hatte das ganze schon etwas von purer Freiheit.

Mit Vollgas und über ziemlich hohe Wellen (wir mussten uns ein paar Mal hinsetzen, weil uns schon so übel geworden war) ging es dann wieder zurück in den Hafen und zum Abschluss dieses schönen Tages gab es -na, ratet mal- richtig, eine fette Kugel Eis. 😋

Warum gerade Neuseeland?

Der Höhepunkt unserer Zeit in Akaroa war der Ausflug auf die Shamarra Alpaca Farm, auf der man diese unglaublich flauschigen und niedlichen Geschöpfe streicheln, füttern und mit ihnen kuscheln konnte. Auch wenn einige von ihnen permanent gefurzt haben und ich euch sagen kann, dass Alpacafurz wirklich nicht nach Rosen riecht, war es ein toller Tag und vor allem total entspannend, das weiche, dichte Fell der Alpacas kraulen und ihnen ganz nah sein zu können. Noch dazu war der Ausblick auf die umliegenden Buchten und Hügel wirklich wunderschön und das Wetter glücklicherweise ein Mal mehr auf unserer Seite. Diesen Tag werde ich auf jeden Fall noch lange in Erinnerung behalten, als einen der Schönsten, während unseres Akaroa-Aufenthalts. 🤗

Warum gerade Neuseeland?

Kurz bevor wir unseren letzten Arbeitstag hatten, ist noch einmal etwas passiert, mit dem niemand gerechnet hätte. Es gab einen Einbruch. Dabei wurde (natürlich) Geld aus der Kasse, sowie die Reisepässe der Inhaber und die Geburtsurkunde dessen Sohn gestohlen. Die Spurensicherung war natürlich auch am Start, hat Fingerabdrücke sichergestellt und unsere Mitbewohnerin befragt, die am Abend des Einbruchs einen zwielichtigen Mann an unserem Haus vorbei hat laufen sehen. Herausgestellt hat sich letztendlich, dass die Inhaber und gleichzeitig unsere Chefs, bereits große Geldprobleme hatten und es ganz so aussah, als würde das Unternehmen schon sehr bald von einem neuen Besitzer übernommen werden. Je näher unsere Abreise rückte, desto komischer und ruhiger wurde unsere anfangs so lustige, nette und temperamentvolle Chefin und ihr Mann. Von Tag zu Tag hat man mehr gemerkt, wie ernst deren Probleme wirklich sind, wie viel sie schon verloren haben und wie sich die Situation sowohl für sie, als auch für ihre Arbeiter (also uns) zuspitzte. Umso glücklicher waren wir, als unser letzter Arbeitstag endlich angebrochen war und wir einfach nur noch in Aussicht hatten, Akaroa endlich zu verlassen. Und weil dieses ganze Arbeitsdrama noch nicht reichte, gab es ein paar Tage vor Abreise ein Erdbeben mit der Stärke 6,2 auf der Nordinsel, wobei selbst bei uns die Spiegel und Wände gewackelt haben. 🙄

An unserem letzten richtigen Tag in Akaroa haben wir, nachdem wir uns noch etwas im völlig überteuerten Dorf-Supermarkt gekauft haben, die schöne Abendsonne genutzt, um uns es nochmal auf einem Steg am Wasser gemütlich zu machen und Akaroa das letzte mal auf uns wirken zu lassen. Beim Versuch, ein paar schöne Bilder dabei heraus zu bekommen (und die Erinnerungen an Akaroa zumindest so in ein etwas besseres Licht zu rücken) sind, neben ein paar wenigen verwertbaren Bildern, unglaublich witzige Schnappschüsse enstanden, die uns einerseits zeigen, wie wir versuchen die Silhouette eines Herzes mit unseren Armen zu formen und andererseits, wie wir fast vom 200 km/h schnellen Sturm weggeblasen wurden.

Letztendlich sind diese letzten Stunden in Akaroa ein schöner Abschluss einer Zeit gewesen, die zwar so einige Herausforderungen für uns geborgen, aber genauso viele neue Erfahrungen und Lehren nach sich gezogen hat, worüber ich am Ende trotzdem sehr froh bin. Zurückblickend haben wir aus den 4 Wochen, die wir hier verbacht haben, das Beste herausgeholt und neben Leuten, bei denen man hofft, ihnen nie wieder begegnen zu müssen, auch viele gute, inspirierende Menschen kennengelernt und hatten die Möglichkeit, viel mehr über einander zu erfahren, unser Leid zu teilen und vor allem, viele schöne gemeinsame Erinnerungen zu sammeln.

 

Ich hoffe, dieser (sehr detaillierte 😄) Beitrag über meine Zeit in Akaroa hat euch gefallen und wir lesen uns sehr bald wieder,

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